China kompakt: Am Schönsten, am Höchsten, am Teuersten

Meine Reiseberichte über China neigen sich dem Ende zu, meine Reise führt von der südchinesischen Stadt Nanning nun weiter nach Vietnam. Viele interessante Dinge gäbe es noch zu berichten und auch einige gute Reisetipps könnte ich weitergeben. Einiges davon werdet Ihr sicherlich nach dem Ende meiner Reise im März 2011 noch zu lesen bekommen.

Um meinen “Rückstand” in der Berichterstattung nicht noch größer werden zu lassen, möchte ich mit diesem Beitrag die Reiseberichte aus China vorerst abschließen.

Immer wieder werde ich gefragt: “Welche Städte gefallen Dir in China am Besten?” “Was hat am Besten geschmeckt?” “Was ist in China am Schönsten anzusehen?” Solche Fragen sind schwer zu beantworten, da jede Stadt und jede Region ihre liebenswerten Eigenschaften hat. Auch können frittierte chinesische Auberginen genauso wenig mit einem knusprigen Hühnerschenkel vom Markt in Qingdao verglichen werden. Es schmeckt einfach beides toll!

Aber dennoch gibt es einige zählbare Dinge, die mir auf meiner Reise durch China untergekommen sind. Hier für alle Statistik-Freunde ein paar davon:

Die größte Stadt in China…

…habe ich in Chongqing besucht. Mit 32 Millionen Einwohnern ist sie sogar die größte Stadt der Welt. Mit ca. 82.000 km² ist die Fläche fast so groß wie Österreich. In der Kernstadt mit hoher Bebauungsdichte wohnen aber “nur” 4,3 Millionen Einwohner.

Das kleinste Dorf…

…in dem ich übernachtet habe war das malerische Dörfchen Dehang in der Provinz Hunan. China wie aus dem Bilderbuch!

Bild: Jielong-Brücke in Dehang

Die höchstgelegene Stadt…

…auf meiner Reise lag auf fast 2.000 Metern Seehöhe. Kunming, die Hauptstadt der südchinesischen Provin Yunnan hat 7 Millionen Einwohner und wird auch “Stadt des ewigen Frühlings” genannt.

Die “unchinesischsten” Städte…

…auf meiner Reise waren Shanghai und Hongkong. Wer nur dort war, hat das “echte” China nicht gesehen. Peking, das ich bereits 2009 besuchte, nimmt mit seinen kulturellen Denkmälern eine Sonderstellung ein. In Macau steckt das chinesische Leben in einer sehr spannenden, portugiesischen “Hülle”.

Das schärfste Essen…

…gibt es in der Provinz Sichuan und in Chongqing, das früher ebenfalls zur Provinz gehörte. Ganz besonders vor dem Feuertopf (Hot Pot) sei gewarnt: Der brennt garantiert zweimal ;-)

Das billigste Essen Chinas…

…gibt es in den zahlreichen Nudel- und Suppenküchen. Beliebt sind die Suppen mit Weizen- oder Reisnudeln darin, die rund 5 Yuan (etwas mehr als 50 Euro-Cent) kosten. In den nördlichen Teilen des Landes werden aus Weizenmehl frische chinesische Nudeln kunstvoll hergestellt.

Am Teuersten gegessen…

…habe ich im Tschechischen Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai. In einem Heißhunger auf mitteleuropäische Kost wurde eine knusprige Ente mit Serviettenknödel und Rotkraut verputzt. Budweiser Bier und ein Verdauungs-Schnapserl gehörten dazu. Für diese kulinarische Entgleisung habe ich 25 Euro berappt. Für europäische Verhältnisse liegt der Preis im Rahmen, für chinesische Verhältnisse ist es aber extrem viel.

Das billigste und teuerste Bier…

…habe ich in der selben Stadt getrunken. Ein halber Liter frisch gezapftes Tsingtao Bier im Säckchen oder Glas kostete im Straßenverkauf in Qingdao 2 Yuan (ca. 20 Cent) und am Qingdao Beer Festival über 50 Yuan (mehr als 5 Euro).

Tsingtao-Bierfässer in Qingdao

Am längsten in einer Stadt geblieben…

…bin ich in Shanghai. Aus den geplanten drei bis vier Tagen wurde ein längerer Aufenthalt.  Grund für den langen Zwischenstopp in Shanghai waren die chinesischen Urlaubstage rund um den Nationalfeiertag am 1. Oktober. Sämtliche Bahntickets waren über Tage im voraus ausverkauft. Im Nachhinein betrachtet war es wahrscheinlich eine der besten Entscheidungen längere Zeit in dieser Stadt zu bleiben.

Am kürzesten in einer Stadt geblieben…

…bin ich gerade mal zum Umsteigen vom Jangtse Kreuzfahrt Schiff auf den Bus in Yichang  zur Weiterreise nach Wuhan. Auch in Jishui in der Provinz Hunan bin ich nur rasch vom Zug auf den Bus umgestiegen.

Keine Besichtigungen…

…habe ich in Wuhan gemacht, obwohl ich dort zweimal übernachtet habe. Beide Male waren als Zwischenstopp für die Weiterreise nach und von Xishui notwendig. Neben der knappen Zeit am Tag vermieste einmal ein Sturm und das zweite Mal Fieber den Sehenswürdigkeiten-Bummel.

Auch in Changsha war mein Reisestopp nur praktischer Natur. Bei strömenden Regen und feuchtem Herbstwetter habe ich mich auf die Umgebung rund ums Motel 168 beschränkt. Aber ich denke, ich habe weder in Wuhan noch in Changsha etwas versäumt…

Die eindrucksvollste Landschaft in China…

..besuchte ich im Tianmen Shan National Park bzw. im Wulingyuang. Dort begeisterte mich ein unwirklich anmutendes Karstgebirge. Die Fahrten mit der Seilbahn auf die beiden Berge bei Zhangjiajie bleiben ein unvergessliches Erlebnis. Knapp dahinter folgt die Landschaft rund um Dehang und auch die berühmte Karstlandschaft rund um den Fluss Li Jang in Yangshuo und Xingping in der Provinz Guangxi.

Seilbahn auf den Tianmen Shan in Zhangjiajie

Die längste Seilbahn der Welt…

…führt auf den Tianmen Shan bei Zhangjiajie.

Das höchste Gebäude Chinas…

…steht in Shanghai. Das World Financial Center – auch liebevoll “Flaschenöffner” genannt – ist das höchste Gebäude Shanghais. Die Aussichtsplattform im 100. Stock in 474 Metern Höhe ist die höchste der Welt.

Der kürzeste Bahnfahrt…

…hatte ich in einem der schnellsten Züge Chinas.  Für die rund 660 Kilometer lange Fahrt von Changsha nach Guangzhou saß ich gerade mal zwei Stunden im Zug. Ein tolle Erlebnis, wenn  im Hochgeschwindigkeitszug China am Fenster vorbeibei saust. Meine Freude, im schnellsten Zug der Welt unterwegs zu sein währte nur ein paar Tage, dann wurde der Geschwindigkeitsrekord von 350 km/h im eigenen Land überboten. :-(

Die längste Bahnfahrt…

…dauerte regulär 22 Stunden und 15 Minuten, mit Verspätung fast 24 Stunden und führte 1.349 Kilometer von Qingdao nach Xi’an. Meine kilometermäßig längste Bahnfahrt in China über 1.573 Kilometer von Shanghai nach Zhangjiajie dauerte “nur” 19 Stunden und 53 Minuten.

Mit dem Zug…

…bin ich insgesamt 9.574 Kilometer durch China gereist (lt. Angabe im Fahrplan).

Die Unterkunft mit der schönsten Atmosphäre…

…war gleichzeitig auch meine billigste Unterkunft in China. Das Mix-Hostel Backpackers* in Chengdu ist das gemütlichste Hostels, das ich bisher gesehen habe und ist mit 25 Yuan (ca. 2,50 Euro) pro Nacht das billigste auf meiner ganzen Reise.

Die teuerste Unterkunft…

…hatte pikanter Weise auch am wenigsten Charme. Im Hong Kong Budget Hostel* war mein Zimmer so klein, dass gerade mal ein Bett, ein Nachtkästchen und mein Rucksack Platz hatten. Das Fernsehgerät hing an der Wand. Ein Fenster war im Preis von über 17 Euro pro Nacht nicht inbegriffen. Für Hongkonger Verhältnisse mit akuter Platznot ist dieser Preis aber noch sehr günstig und brachte einen interessanten Einblick in einen Wohnblock Hongkongs.

Am Häufigsten getroffen…

…habe ich Andy und Claudia aus der Schweiz auf Ihrer Reise. Insgesamt sind wir uns vier Mal mehrere tausend Kilometer entfernt in Chongqing, Shanghai, Hongkong und Xingping über den Weg gelaufen.

Claudia, Andy und Gerhard beim Inder in Hongkong

Das hat uns sonst noch niemand nachgemacht. Mehrere Reisende aus Chengdu traf ich 14 Tage später in Shanghai wieder – sie ereilte das gleiche Schicksal wie mich. Sie warteten auf die nächsten verfügbaren Bahn-Tickets um nach den chinesischen Feiertagen weiterreisen zu können.

Auch Ria und Markus aus Baden-Württemberg habe ich in Shanghai wieder getroffen. Wir lernten uns auf der Jangtse-Kreuzfahrt kennen.

Keine Österreicher in China?

Überraschend ist, dass ich nur in Shanghai Österreicher getroffen habe. Eine Reisende und ein Ehepaar aus Oberösterreich, das in Shanghai lebt, waren die einzigen flüchtigen Bekanntschaften.

Was ich alles nicht gesehen habe…

…kann ich hier gar nicht aufzählen. Ursprünglich wollte ich noch einige Städte in der südlichen Provinz Yunnan besuchen und auch die Ostküste blieb von mir unentdeckt.

Auch wenn man sehr flexibel und ohne langfristige Detailpläne reist, bringen einen alltägliche Tatsachen immer wieder zurück auf den Boden der Realität und zwingen zum Umplanen. Visa-Bestimmungen setzen den Zeitpunkt einer Ausreise fest, Feiertage verändern den Zeitplan wegen ausverkaufter Bahntickets und auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle.

Im Süden Chinas wurde es schön langsam herbstlich-ungemütlich. Da eine meiner Missionen darin besteht, dem Herbst und Winter zu entkommen (heißester Tag übrigens in Chengdu, kältester Tag in Kunming), war eine Weiterreise in den Süden dringend notwendig… ;-)

In China gibt es noch viel Spannendes zu entdecken – wir sehen uns hoffentlich wieder!

Meine Reiseroute findest Du in der Übersicht Reiseberichte und Reise-Informationen China.

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Kommentare

  1. Na das nenn ich doch mal ein Resümee. Kurz und knackig die Superlative runtergerissen, den Mund wässrig gemacht und das Abenteuerherz zum Hüpfen gebracht. Also wirklich… ;-)

    Dann bin ich schon mal auf die Berichte aus Vietnam gespannt. Folge Dir weiterhin mit dem Finger auf Landkarte…

    Viel Spaß weiterhin.
    Sven

  2. tolle zusammenfassung. bin gespannt, wie es dir jetzt in vietnam ergeht.
    lg rochus

  3. Andersreisender meint:

    @Sven: Vielen Dank für die Blumen – ich mache Dir immer gerne mal den Mund wässrig. Mal sehen, ob mir das mit Vietnam auch gelingen wird ;-)

    @h.rogra: Jaa…ich bin schon mitten drin – und es ist ganz anders als gedacht. Beiträge folgen :-)

  4. Hallo, und Nihao, toller Reisebricht, China muss man einfach gesehen und erlebt haben. Nach Beijing, Shanghai, Shenyang und Xian, möchte ich mir Qingdao anschauen und erleben.Für Anregungen bin ich immer dankbar.In diesem Jahr möchte ich gern zum ” Heiligen Abend”die deutsche Kirche in Qingdao besuchen. Hat jemand Ideen , Kontakte und Anregungen, dann einfach bei mir melden.
    Ein Tip con mir, Xi’an im Sommer oder Winter. Mit dem Fahrrad ca. 14 km über die Stadtmauer,und am Abend ein Spaziergang in der Altstadt von Xian, einfach toll.Oder die Lasershow im neuen Freizeitpark, selbst im Winter, bei gefrorenen Eis auf dem See, dann wird der See eben aufgehackt, denn als Leinwand wird eine Wassersäule aufgebaut. Ein “Muss” für jeden der Xian besucht.
    Bis bald
    Lutz

  5. Andersreisender meint:

    @Lutz: Willkommen im Andersreisen Blog. Das hört sich ja nach einer sehr spannenden Reise an. Bezüglich der Kirche in Qingdao kann ich Dir nur empfehlen, am Besten persönlich vorbeizuschauen. Da sind tagsüber auch immer Leute dort. Leider konnte dort – als ich dort war – niemand englisch oder deutsch sprechen. Aber ich habe auch nicht explizit weiter nachgebohrt.

    Und Xi’an: Dort ist das Radfahren auf der Stadtmauer wirklich ein Höhepunkt. Leider hats mir den Aufenthalt damals ziemlich verregnet und auch “Montezumas Rache” hat so manche Besichtigungstour unmöglich gemacht. :-(

  6. Nord-Peru Reisen meint:

    Deine Reise nach China ist ja nun schon eine Weile her, aber es hört sich trotzdem alles sehr spannend an. Ich muss mich mal durch Deine anderen China-Reiseberichte durchlesen.

  7. Es ist einfach genial von Dir geschrieben! Tolle Infos, denn auf unserer Weltreise mit Kind wollen wir auch nach China. Allerdings ebenso auch ausserhalb der Großstädte. Das ist ein Muss! Danke für diesen tollen Beitrag, der uns auf unserer Reise planen hilft! LG Timo

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