Mittagessen in der chinesischen Nudelküche

Vielleicht sollte ich den Blog demnächst von “Anders reisen” auf “Anders essen” umbenennen. Aber ich kann nicht anders – ich muss einfach auch ein bisschen über die “Fressereien” auf meinen Reisen erzählen. Schließlich ist das Essen in den einzelnen Ländern für mich ein ganz wichtiger Bestandteil beim Reisen. Ich liebe es unterschiedliche Speisen auszuprobieren, auch wenn ich nicht immer ganz sicher bin, was ich eigentlich esse. ;-)

Heute geht es aber um keine komplizierten oder gar merkwürdig anmutende Gerichte. Vielmehr geht es um eine Speise, die wir in Europa eher mit Italien als mit China verbinden, nämlich die Nudeln. Einige Historiker behaupten ja, dass die Nudel von Marco Polo von China nach Italien gebracht wurde. Andere vermuten, dass sich die Nudeltradition in Asien und Europa unabhängig entwickelt hat. Gibt es also italienische und chinesische Nudeln?

Mini-Nudelküche

Nach meiner Ankunft in Xi’an halte ich nach einer kleinen Nudelküche Ausschau. Sie ist gerant für frische und preisgünstige Speisen. Um diese kleinen “Restaurants” in garagenähnlichen Räumen mit ein paar Tischen darin zu finden, muss man etwas “ums Eck” gehen. Kleine Gassen, bevorzugt in den älteren Stadtteilen und abseits vom Touristenstrom, sind die Heimat der kleinen chinesischen Nudelküchen und Garküchen. Manchmal steht ein großer Nudeltopf mit siedend heißem Wasser gut sichtbar direkt vor dem Lokal auf der Straße.

Die Speisen in der Nudelküche

Mit etwas Glück gibt es eine bebilderte Speisekarte. Fehlt diese bestelle ich risikobereit eine Speise mit einem bekannten Schriftsymbol. Ich kann Speisen mit Huhn, Ente, Fisch und Rindfleisch unterscheiden. Auch das Nudeln- bzw. Teig-Symbol ist mir bekannt. ;-) Leider weiß ich (noch) nicht, welchen Teil des Tieres ich bei der Fleischauswahl serviert bekomme. Auch ob ich mich auf chinesische Nudeln und Huhn in der Suppe oder auf einem Teller mit einer Sauce freuen darf ist nicht immer klar. Im Zweifelsfall deutet man auf ein interessant aussehendes Gericht  am Nachbartisch. Sofern es keine Zierschriften sind kann z.B. die Google Übersetzer App die chinesischen Schriftzeichen auch schon gut übersetzen. Kann bei der Auswahl des passenden Nudelgerichts also fast nichts mehr schiefgehen. ;-)

Frische chinesische Nudeln

Die Nudeln werden in den kleinen Nudelküchen frisch zubereitet. Das Tolle daran: Chinesische Köche schaffen es innerhalb weniger Sekunden aus einem Teigblock handgezogene Nudeln – den Spaghetti ähnlich – herzustellen. Wie man chinesische Nudeln herstellt? Ganz einfach:

1. Teig kneten und zu einem “Block” formen.

Teigzubereitung für Chinesische Nudeln in der Nudelküche in China

2. Die Nudeln ziehen…ziehen und ziehen…

Nudeln ziehen in der Nudelküche in China

…und Nudeln schwingen…und ziehen.

Nudeln ziehen in der Nudelküche in China

3. Wenn die handgezogenen chinesischen Nudeln eine Spur dicker als Spaghetti sind werden die Teigenden abgebrochen.

Nudelküche in Xian, China

4. Dann werden die frischen Nudeln im siedenden Wasser gekocht.

Chinesische Nudeln werden in der Nudelküche im Wasser gekocht

5.Der Koch ist mit den chinesischen Nudeln zufrieden…

…und kann die nächsten zwei bis drei Minuten beim Kochen der handgezogenen Nudeln zusehen.

Koch in der Nudelküche in China

Dann wird die Portion aus dem heißen Wasser gefischt und je nach Bestellung mit Suppe oder Sauce übergossen.  Die Saucen werden in der Küche im hinteren Teil des Lokals zubereitet. Der Suppentopf steht auf einem kleinen Zusatzofen neben dem Nudelwasser.

Zwischen der Bestellung und dem Servieren vergehen meist weniger als fünf Minuten. Chinesen sind beim Thema Essen, wenn sie hungrig sind, sehr ungeduldig.

Wichtig: Ein elastischer Nudelteig

Interessant ist, dass bei diesem Herstellungsverfahren in China die Nudeln auf die gewünschte Dicke gezogen werden. Sonst kommen meist Presse oder Messer zum Einsatz. Der Versuch, die chinesischen Nudeln in ähnlicher Weise in Europa herzustellen würde mit “Nudelbröckeln” und einem frustrierten Koch enden. Es fehlt den handgezogenen Hartweizennudeln die Flexibilität. Ursprünglich konnten handgezogene Nudeln in China nur in bestimmten Regionen im Norden (u.a. Innere Mongolei) zubereitet werden.

Zum Gelingen muss dem Nudelteig Kansui zugegeben werden. Dieser Begriff bezeichnet das alkalische Wasser des Kan-Sees in der Inneren Mongolei. Dieses spezielle Wasser verleiht dem chinesischen Nudelteig seine spezielle Elastizität. Heute wird Kansui auch chemisch hergestellt und enthält einen hohen Anteil an Kaliumcarbonat und Natriumcarbonat sowie Spuren von Phosphorsäure. Das alkalische Wasser macht den Nudelteig erst richtig flexibel.

Eine ähnliche “geheime Zutat” hat übrigens auch das Nudelgericht Cao Lao in Vietnam.

Chinesische Nudeln mit Stäbchen essen

Eine Herausforderung für den europäischen, ungeübten Gast ist dann das Essen der langen Nudeln: Man isst in China Nudeln mit Stäbchen. Egal ob sie in der Suppe schwimmen, als Nudeln mit Sauce oder mit Fleisch und Gemüse serviert werden. Stäbchen sind hier das angesagte “Werkzeug”. Für die ersten Versuche sollte also von roten Saucen Abstand genommen werden. Servietten fehlen in den kleinen Straßenrestaurants und rote Flecken gehen aus der Kleidung schwer wieder raus…

Mahlzeit!

Hier im Blog findest Du übrigens auch einen ausführlichen Beitrag über das typische Essen in China. Lust auf mehr China? Hier findest Du alle Reisetipps, Reiseberichte und Erfahrungen aus China.


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Dieser Beitrag wurde erstmals am 14.9.2010 veröffentlicht und zuletzt am 11.2.2018 aktualisiert.

Kommentare

  1. das mit den Nudeln-ziehen hab ich mal in einer Doku gesehen das find ich ziemlich lässig! Ich liebe China-Nudeln, kenne allerdings nur die gebratenen. Die werden also auch nur gekocht gegessen? ;)

    Achja, den Blog AndersEssen gibts schon :)

    Guten Hunger!

  2. ach. spaghetti mit stäbchen ist eine sache. ganzer fisch mit stäbchen eine andere. freue mich auf deinen entsprechenden bericht. ich jedenfalls bin daran fast gescheitert. fast!

  3. und noch eine anmerkung aus der abteilung worte:

    chinasyndrom
    maximal fischen stäbchen süss sauer
    spielen unpassende musikanten unpassende musik
    und dazu lächelt die chinesische bedienung
    während das essbesteck sie penetriert

  4. Mh ich kann Spaghetti nichtmal mit Löffel und Gabel essen. Irgendwie wollen wie Stäbchen sich nicht so sehr mit mir anfreunden und verweigern mir das Essen. Aber ist auch eine gute Methode, um abzunehmen :D

  5. Der Nudelkoch ist ja klasse. Er schaut aus, wie einem Tim & Struppi-Comic entsprungen. Oder ist das nicht sogar Tim? ;-)

    Greets
    Sven

  6. Sehr geile Sache!Muß ich unbedingt mal ausprobieren!

  7. Ja, dass mit dem Andersspeisen kann ich dann nur noch vorschlagen! ;-)

    Aber Ernst bei Seite, man sollte auf solchen Weltreisen immer auch parallel einen Diät anfangen! Nicht nur das die Beine schwer werden, nein, auch der Kopf soll schwer werden wegen dem wenigen Essen! ;-)

    Und klar mußt du essen, für mich wäre das größte Problem auf solch einer Reise, dass ich nicht wüsste, wo ich morgen mein Essen herbekommen!

    Aber tolle Sache mit den chinesischen Nudeln und genauso wie Babel kenne ich als Europäer nur die gebratenen Nudeln, die by the way glaube ich kein Chinese kennt! ;-)

    Gruß

    Matthias

  8. Andersreisender meint:

    @Babel: Nudeln gibt es hier in unterschiedlichen Varianten – kurz und lang, gekocht und gebraten. Das mit dem “Anders Essen” Blog wusste ich nicht – muss ich mal vorbei schauen, ob die interessante Dinge schreiben. :-)

    @h.rogra: Das kann ich nur bestätigen: Fisch ist mit Stäbchen wirklich mühsam zu essen. Hatte diese Tage eine Einladung zu einem chinesischen Familienessen. Ich soll doch bitte bei den vielfältigen Gerichten zugreifen. Vor mir stand dummerweise der Fisch. Mühsam die Gräten auf den Stäbchen zum Tellerrand zu balancieren und sie dort abzulegen. Also das Thema Fisch & Stäbchen ist wirklich sehr heikel. Vor allem wenn 9 Chinesen dabei zusehen wie das der Ausländer so macht…

    @Tim: Willkommen in meinem Reiseblog! Stäbchen zum Abnehmen – das wäre vielleicht eine gute Geschäftsidee. :-)

    @Sven: Tim und Struppi – witzig! Jetzt, wo Du es sagst, weiß ich warum mir der Nudelkoch so bekannt vorkam. *fg*

    @Benem: Schön, mal wieder von Dir zu lesen :-) Hmm…in den Straßenküchen in Thailand wird ja ganz anderes Essen gekocht, oder?

    @Mac: Ich habe gehört, dass Frauen auf einer Asienreise eher zunehmen und die Männer eher abnehmen. Also ich habe die ersten Wochen bestimmt ein bisschen abgenommen, mittlerweile aber mein Normalgewicht wieder erreicht. Der Vorteil bei Rucksackreisen ist, dass man sich relativ viel bewegen muß – dadurch werden dann doch einige Kalorien abgebaut.

  9. Servus Gerhard,
    cool, dass du das nudeln ziehen so genau fotografiert hast. Ist dir gut gelungen. Auf meinem Blog habe ich das ganze gefilmt und die Suppenköche sind echt flink dabei. Da warst du bestimmt in einem lánzh?ul?miàn drin oder?
    Für alle die das nicht kennen. Es sind kleine Suppenküchen jeweils weiße Schriftzeichen auf einem blauen Schild ???? = lánzh?ul?miàn. Das coole ist, dass es diese Küchen in ganz China gibt und noch besser ist, dass alle Gerichte als Bild an der Wand kleben. In diesen kleinen und günstigen Restaurants brauchen wir reisende Analphabeten also garantiert nicht zu verhungern;)
    Kilian

  10. Andersreisender meint:

    Ja, Kilian! Die Suppenküchen sind ein tolles Erlebnis in China. Und auch bei mir waren – wie man gut auf den Fotos erkennen kann – die Bilder Gerichte an der Wand zu sehen. ;-)

  11. Nudeln selbst machen hab ich ja gerade in Peking gelernt. Ist wirklich einfach, auch ohne geheime Zutat! Nur das Ziehen der langen Nudeln erfordert viel Geschick. Doch es gibt ja auch kurze Nudeln.
    Ich finde übrigens Stäbchen besonders praktisch zum Essen von Fischen. Man kann so schön um die Gräten drumrum pulen.
    LG
    Ulrike

  12. Andersreisender meint:

    – Ulrike: Du schreibst, dass ihr zum ziehen der Nudeln keine “geheime Zutat” verwendet habt. Ich nehme an, dass Du auf Kansui anspielst. Wenn Ihr kein alkalisches Wasser verwendet habt, wie habt ihr den Nudelteig sonst elastisch gemacht?

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