9 Bahnreise-Tipps für Serbien und Montenegro

Zugfahren in Serbien und Montenegro ist ein Abenteuer. Die Züge sind weitgehend sicher unterwegs, aber dennoch dürfen Bahnreisende keine Qualitätsstandards und Pünktlichkeit wie in Mitteleuropa erwarten.

Zwischen Serbien und Montenegro gibt es bei Qualität und Pünktlichkeit der Züge keine großen Unterschiede. Auch das Wagenmaterial ist bei Železnice Srbije (Serbische Eisenbahn) und Željeznica Crne Gore (Eisenbahn Montenegros) weitgehend das gleiche. In den nächsten Jahren sind Investitonen in neues Wagenmaterial geplant. An den Nachtzug von Budapest nach Belgrad habe ich jedenfalls nur “dunkle Erinnerungen”.

Hier sind meine 8 Tipps für eine gute Eisenbahnreise durch Serbien und Montenegro.

1. Orientierung am Bahnhof und im Zug

Wer sich gern an elektronischen Anzeigetafeln und Monitoren orientiert sucht danach in den meisten Bahnhöfen in Serbien und Montenegro vergeblich. Abfahrtsmonitore gibt es nur in Belgrad und selbst dort sind die Anzeigen am Bahnsteig nicht ständig in Betrieb. Es gibt Durchsagen, die sind allerdings nur in Serbischer Sprache.

Bild: Monitor und Abfahrtsfahrplan Belgrad Hauptbahnhof

Monitor mit kyrillischer Ankunftszeit und lateinischer Abfahrtsfahrplan im Hauptbahnhof Belgrad.

Einzige Orientierungsmöglichkeit ist der ausgehängte Fahrplan. Oder man fragt nach. Nachdem auf den meisten Strecken nur wenige Züge fahren ist das Risiko in den falschen Zug zu steigen gering. Zugegeben: Ich hätt’s in Belgrad mangels Konzentration bei den kyrillischen Schriftzeichen trotzdem fast geschafft. 😉

Zuglaufschilder sind auf den meisten Zügen und Waggons vorhanden und in lateinischer Schrift geschrieben. Mitteleuropäer können sie ohne Probleme lesen.

Auf den Bahnhöfen in Belgrad gibt es zum Großteil kyrillische Anzeigen, in Montenegro wird – wie im deutschsprachigen Raum – in lateinischer Schrift geschrieben.

Durchsagen gibt es in den Zügen keine, auch Monitore oder Anzeigen sind nicht verfügbar.

Bild: Belgrad Hauptbahnhof am frühen Morgen

Besondere Stimmung: Der Hauptbahnhof Belgrad am frühen Morgen.

2. Fahrpläne

Die Fahrpläne für Fernzüge und Regionalzüge auf den Hauptverkehrsrouten in Serbien sind sind online auf den Seiten von DB, ÖBB und SBB abrufbar. Der Fahrplan für Montenegro ist nur bei der SBB zu finden, aber nicht mehr bei DB und ÖBB. Wichtig: Für Bar die Bezeichnung Bar(CG) eingeben, sonst erhält man keine Auskunft.

Eine Fahrplanabfrage inkl. internationaler Züge zwischen Montenegro und Serbien ist in Englischer Sprache auf der Seite der Eisenbahn Montenegros möglich. Dort werden auch Fahrpreise angezeigt. Für Belgrad in diesem Fahrplan die Englische Bezeichnung “Belgrade” eingeben, für den Bahnhof “Novi Beograd” die gleichlautende Serbische Bezeichnung.

Bild: Bahnhof Vukov Spumenik in Beograd

Über die 65 Meter lange Rolltreppe geht’s im Bahnhof Vukov Spumenik zur Belgrader S-Bahn.

Für Serbien sind Fahrpläne – etwas umständlich – auf der Seite der Serbischen Eisenbahn zu finden. In Englisch. Inklusive dem S-Bahn ähnliche Beovoz und BG:VOZ System in Belgrad.

Auch in Serbien und in Montenegro gilt die europaweite Regel, dass Abfahrtsfahrpläne auf gelben Hintergrund bzw. gelbes Papier gedruckt sind, der Fahrplan für die Ankunft auf weißem Hintergrund.

3. Verspätung

Bei Železnice Srbije in Serbien und Željeznica Crne Gore in Montenegro stehen Verspätungen an der Tagesordnung. Berüchtigt ist zB. die Strecke Belgrad – Bar. Eine spätere Ankunft am Ziel von mehr als zwei Stunden ist keine Seltenheit.

Bei Umsteigeverbindungen sollte daher genügend Zeit (mehr als 2 Stunden) eingeplant werden. Anschlusszüge werden in Belgrad leider in der Regel nicht abgewartet.

Tipp: Die wichtigsten Zwischenhalte inkl. Zeit aus dem Fahrplan abschreiben. So kennt man den aktuellen Aufenthaltsort und weiß wieviel Verspätung der Zug hat.

Bild: Regionaltriebwagen Montenegro

Ein Regionaltriebwagen der Eisenbahn Montenegros von außen…

4. Wieviel kostet ein Fahrschein in Serbien und Montenegro?

Zugfahren ist in beiden Ländern billig. Ein Standard-Zugticket ohne Ermäßigung kostet rund ein Drittel von einem Fahrschein in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Zum Vergleich: Für die über 400 Kilometer lange Strecke Belgrad – Podgorica kostet ein Standard-Ticket in der 2. Klasse € 19,20. Bis Bar sind es € 21,00.

Inhaber von ÖBB Vorteilscard, DB Bahncard, Halbtax mit Railplus oder einer anderen Ermäßigungskarte mit Rail Plus erhalten bei grenzüberschreitenden Fahrten Ermäßigung. Für Serbien und Montenegro werden 30 % Nachlass gewährt und der Fahrpreis für eine Fahrkarte 2. Klasse Belgrad – Podgorica reduziert sich auf € 13,50.

Bild: Regionaltriebwagen in Montenegro innen

…und von innen.

Für die Balkan-Länder gibt es auch noch verschiedene andere Ermäßigungen, wie zB. Flexi-Pass oder Interrail. Aufgrund der sehr günstigen Standard-Fahrpreise zahlen sich die Spezialangebote aber meist nicht aus.

5. Speisewagen & Versorgung im Zug

Auf Fernverkehrsstrecken sollte laut Fahrplan bei vielen Zügen ein Speisewagen angehängt sein. Zu viel darf man sich aber nicht erwarten. Oft gibt es nur ein reduziertes Angebot mit Getränken, Bier und Kaffee. Oder der Speisewagen fällt ganz aus.

Bild: Speisewagen auf der Strecke Belgrad - Bar

Viel Platz, wenig Auswahl im Speisewgen von Belgrad nach Bar.

Für Bahnfahrten in Serbien und Montenegro gilt: Genügend Proviant mitnehmen.

6. Rauchen im Zug

Rauchen ist in den Zügen in Serbien und Montenegro verboten. Aber wo kein Kläger, da kein Richter. Das Symbol mit der durchgestrichenen Zigarette ist eher nur ein Ziergegenstand. Im Sitzbereich wird in der Regel nicht geraucht, dafür treffen sich die Raucher im Speisewagen oder im Einstiegsbereich.

7. Abfahrtssignal & gefährliche Türen

Wer genüsslich die Zigarette am Bahnsteig raucht oder sich die Füße vertreten will hüpft spätestens dann in den Zug, wenn der Schaffner pfeift.

In Montenegro hupt der Lokführer bei jeder Abfahrt. Kein Abfahrtssignal ertönt bei den Regionalverkehrszügen (Triebwägen) mit automatischen Türen. Die schließen ohne Vorwarnung.

Bild: Unterwegs in den Zug einsteigen in Serbien

Mitten auf der Strecke einsteigen ist gefährlich, aber möglich.

Apropos Türen: Bei den meisten Waggons gibt es noch keine automatischen Türen. Sie verriegeln auch nicht während der Fahrt. Vorsicht im Einstiegsbereich! Oft stehen die Türen auch bei voller Fahrt weit offen!

8. Toiletten

Für die Damen ist das wohl eines der unangenehmsten Themen beim Zugfahren durch Serbien und Montenegro. Meist sind die Toiletten im Abfahrtsbahnhof sauber, aber das ändert sich nach vielen Stunden Fahrt. Der strenge Geruch verheimlicht auch nicht die intensive Nutzung. Toilettenpapier, Seife und Handtücher fehlen gänzlich – und auch oft die Neonröhren, die das „stille“ Örtchen in der Nacht oder im Tunnel erhellen sollten.

9. Absolutes Highlight: Gebirgsbahn Belgrad – Bar

Einer der Höhepunkte in Serbien und Montenegro ist die Gebirgsbahn von Belgrad über Podgorica nach Bar. Auf 476 Kilometern führt die Strecke durchs Dinarische Gebirge an die Adria. Bahnreisende dürfen sich auf Canyons, unzählige Tunnel und die höchste Eisenbahnbrücke Europas freuen.

Bild: Tunnel auf der Strecke Belgrad - Bar

Einer der unzähligen Tunnel auf der Strecke zwischen Belgrad und Bar.

Du bist neugierig? Hier gibt’s mehr Infos über die Bahnstrecke von Belgrad nach Bar.

Fazit

Mit der Eisenbahn in Serbien und Montenegro zu reisen ist ein kleines Balkan-Abenteuer. Wer genügend Zeit für die gemächliche Fahrt mitbringt hat die Möglichkeit so Land und Leute näher kennen zu lernen. Hochgeschwindigkeit und Qualitätsstandards wie in Mitteleuropa darf man sich aber nicht erwarten.


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Kommentare

  1. Franz Burghardt meint:

    ein schöner Beitrag. Vielen Dank. Vo rallem für jemanden wie mich der auf langen Reisen unterwegs ist. Ich war vor ein paar Jahren in Serbien. Und ich bin mit dem Zug gefahren und von dort auf unbefestigten Wegen weiter in die abgelegenen Dörfer zu Fuß. Und ja, es ist wunderschön und es gibt viele sehr freundliche Menschen dort. Es ist aber eine raue Landschaft. Also für jeden Touristen ist es ein MUSS!
    Nette Grüße

  2. Hannes Zellhofer meint:

    Sehr nette Beiträge! Aber ich muss trotzdem anmerken dass ein Zug nicht “hupt” sondern “pfeift”! 🙂

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