Oberweißbacher Bergbahn: Bahnausflug mit technischen Besonderheiten

“Wie kann man einen hoch gelegenen Ort im Thüringer Wald an die Eisenbahn anschließen und dort hin auch Güter transportieren?” So, oder so ähnlich, lautete die Aufgabenstellung für die Ingenieure der Oberweißbacher Bergbahn. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde mit der Planung begonnen. Heute ist die Bahn ein beliebtes Ausflugsziel mit einigen technischen Besonderheiten.

Es sieht schon ein bisschen eigenartig aus, wenn die Anschluss-Strecke einer Bahn einfach im rechten Winkel “abzweigt” und trotzdem Verbindung zum bestehenden Bahnnetz hat. Der Grund für so manche technischen Besonderheiten einer Bahnstrecke sind die Bedingungen, die die Ingineure vorfinden.

Bild: DB Bahnhof Obstfelderschmiede

Im Bahnhof Obstfelderschmiede…

Sei es ein topografisch schwieriges Gelände, bestehende Bauwerke oder schon bestehende Bahnstrecken. Bei der Oberweißbacher Bergbahn treffen gleich mehrere Faktoren zu.

Während der Fahrt vom Bahnhof Obstfelderschmiede zur Bergstation Lichtenhain erzählt mir ein Mitarbeiter von der interessanten Geschichte der Bahn. Langsam setzt sich der Wagen der Standseilbahn in Bewegung.

Bild: DB Bahnhof Obstfelderschmiede

…steigen Fahrgäste von der Schwarzatalbahn zur Oberweißbacher Bergbahn um.

Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man die Orte Lichtenhain, Oberweißbach, Deesbach und Cursdorf an die Bahn anbinden. Vor allem im Winter waren die hoch gelegenen Orte schwer bis gar nicht erreichbar. Also entschied man sich für den Bau eines neuen Haltepunkts “Obstfelderschmiede” entlang der 1900 fertiggestellten Schwarzatalbahn.

Von dort sollen die Orte künftig mit einer neuen Bahn leichter erreichbar sein. Um die über 320 Meter Höhenunterschied nach Lichtenhain zu überwinden wurde eine Standseilbahn gebaut. Von der Bergstation Lichtenhain über Oberweißbach bis Cursdorf führt die Bahn als Adhäsionsbahn, also als “normale” Eisenbahn weiter.

Bild: Oberweißbacher Bergbahn - Güterbühne

Die Standseilbahn ist 1,35 Kilometer lang und…

Unser Wagen wird langsam den Berg hinauf gezogen. Ende November steht die Sonne tief und am Nachmittag ist es im Tal schon dunkel. Oben, bei der Bergstation, scheint die Sonne. Von dort kommt uns der der zweite Wagen langsam entgegen. Beeindruckend wirkt hier die Güterbühne, auf der Waggons mit Normalspur von der Tal- zur Bergstation befördert werden können.

Neben dem Personenverkehr kann die Standseilbahn auch Güter befördern. Heute werden auf der Strecke normalerweise nur noch Personen befördert und es wird der frühere Beiwagen EB 188 513 der ehemaligen Schleizer Kleinbahn auf den Bühnenwagen gesetzt.

Bild: Oberweißbacher Bergbahn

…überwindet einen Höhenunterschied von mehr als 300 Metern.

Langsam fährt die Güterbühne an der Ausweiche an uns vorbei. Doch wie wird der Güterwagen von der Schwarzatalbahn auf die Oberweißbacher Bergbahn verladen?

Dafür wurde eine Abzweigstrecke mit anschließender Drehscheibe errichtet. Dort werden die Normalspur-Wagen aufgesetzt und in der Bergstation werden sie über eine weitere Drehscheibe auf die Flachstrecke gebracht. Damit die Normalspur-Waggons überhaupt auf der Bergbahn Platz haben wurde sie als Breitspurstrecke mit einer Spurweite von 1.800 Millimeter (1,8 Meter) gebaut.

Bild: Oberweißbacher Bergbahn - Drehscheibe Talstation

Über eine Drehscheibe besteht eine Verbindung zwischen Schwarzatalbahn und Oberweißbacher Bergbahn.

Im Sommer und zu besonderen Anlässen können Ausflügler die Fahrt mit der Bahn auch in einem Cabriowagen genießen, er wird auf die Güterbühne aufgesetzt. Ein Video von der Bergfahrt findest Du hier. Der Wagen ist so beliebt, dass er auch bei Nieselregen und zu den Weihnachtsfahrten eingesetzt wird.

Bild: Oberweißbacher Bergbahn

Der Personenwagen in der Herbstsonne, kurz vor Lichtenhain.

Bei meinem Besuch ist die Oberweißbacher Bergbahn weihnachtlich geschmückt, die Weihnachtsveranstaltungen finden aber erst im Dezember statt. Kurz vor dem Ziel in Lichtenhain ist dann die Abendsonne zu sehen.

Ich verabschiede mich und bedanke mich für die spannenden technischen Informationen. Man spürt, dass die 12 MitarbeiterInnen mit „ihrer“ Bahn eng verbunden und begeisterte Eisenbahner sind.

Bild: Oberweißbacher Bergbahn - Bergstation

In Lichtenhain kann man auf die Flachstrecke umsteigen.

An der Bergstation heißt es umsteigen. Von dort führt die Eisenbahn als normalspurige Adhäsionsbahn über Oberweißbach-Deesbach ca. 2,6 Kilometer weiter bis nach Cursdorf.

Maschinenhaus der Oberweißbacher Bergbahn

Im Maschinenhaus in der Bergstation wird das Seil angetrieben und umgelenkt.

Auch hier hat man das Gefühl, dass die Bahn ein “Familienbetrieb” ist. Auch die regelmäßigen Fahrgäste scheinen zur Familie zu gehören, sie werden oft persönlich begrüßt.

Bild: Oberweißbacher Bergbahn - Flachstrecke Führerstand

12 MitarbeiterInnen sind bei der Oberweißbacher Bergbahn beschäftigt.

Die Flachstrecke ist mit 600 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Hier kannst Du die Strecke in einem Video aus dem Führerstand erleben. Zwischen Oberweißbach und Cursdorf werden drei Triebfahrzeuge eingesetzt, die sich optisch ähneln und trotzdem eine völlig andere Geschichte haben. Und sie sehen sogar den alten Berliner S-Bahn Wagen ähnlich. Warum das so ist? Über die Technik, Hintergründe und die Geschichte der Bahn kann man vieles auf der Website der Oberweißbacher Bergbahn nachlesen.

Bild: Oberweissbacher Bergbahn - Flachstrecke

Wintereinbruch. Und der Schneemann fährt am Puffer mit.

Abseits der technischen Details darf ich am nächsten Tag durch ein Wintermärchen ins Tal fahren – es hat geschneit! Der Thüringer Wald ist “angezuckert” und nun passt die Umgebung auch perfekt zu den weihnachtlich gestalteten Stationen und Fahrzeugen.

Reisetipps für die Oberweißbacher Bergbahn:

  • Die “großräumige” Anreise zur Oberweißbacher Bergbahn ist mit dem Zug über Saalfeld (Saale) möglich. Von dort führt die EBx weiter nach Rottenbach, wo die Schwarzatalbahn beginnt. Die Schwarzatalbahn verläuft bis Katzdorf, nach rund 24 Minuten ist der Haltepunkt Obstfelderschiede erreicht. Toll finde ich, dass in dieser Regionalbahn Getränke verkauft werden!
  • Ab Obstfelder Schmiede fährt die Standseilbahn alle 30 Minuten hinauf nach Lichtenhain. Bei vielen Fahrgästen wird der Fahrplan ausgesetzt und die Bahn fährt entsprechend öfter.
  • Zur Flachstrecke von Lichtenhain nach Cursdorf müssen Fahrgäste umsteigen. Auf dieser Bahn  gibt es ebenfall einen 30-Minuten-Takt. Einziger Zwischenhalt ist Oberweißbach-Deesbach.
  • Entlang der Strecke können sich technisch Interessierte Informationen direkt kostenlos über W-LAN auf das Smartphone holen. Diese Erklärungen findet man nicht im Internet.
  • Voraussichtlich ab 2017 kann auch das Maschinenhaus in der Bergstation Lichtenhain besichtigt werden.
  • Die Oberweißbacher Bergbahn ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, es gilt aber ein Sondertarif.

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Dankeschön an Thüringen Tourismus für die Einladung zur Presse-Reise nach Thüringen. Wie immer bleibt meine Meinung in der Berichterstattung im Reiseblog davon unberührt.

 

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