Die Bamboo-Trains in Kambodscha

(Update 7.1.2018) Die Eisenbahn in Kambodscha befindet sich im Umbruch. 2009 wurde der Personenverkehr vollständig eingestellt, seit 2016 fahren wieder erste Personenzüge auf der Strecke von Phnom Penh nach Sihanoukville.

Richtung Norden ist Kambodscha derzeit noch eine “Eisenbahn-Wüste”. Es gibt zwar noch Gleise, die sich aber in einem sehr schlechten  Zustand befinden. Einzig die Bamboo-Trains (Bambus-Züge) waren noch auf der Nordstrecke der Kambodschanischen Eisenbahn unterwegs.

Aber auch hier ändert sich das Bild. Seit Oktober 2017 fahren keine Bambuszüge mehr auf der regulären Bahnstrecke und die Bauarbeiten für die Sanierung der Bahnstrecke haben begonnen. Es ist das Ende der beliebten Bamboo-Trains in Battambang. Blogleser berichten, dass es bereits eine neue Bambuszug-Strecke gibt. Dieser Beitrag zeigt die Situation der  Bambuszüge auf der regulären, alten Bahnstrecke.

Zug oder nicht Zug?

Bei Anblick der kleinen, motorbetriebenen Holzplattformenauf zwei Achsen, ist man sich nicht so sicher, ob sie überhaupt als “Zug” bezeichnen werden können.

Ursprünglich wurden die Bamboo-Trains von den Einheimischen speziell zur Regenzeit als praktisches Verkehrsmittel verwendet. Auf den schlammigen Straßen ist das Vorwärtskommen dann besonders mühsam.

Eine Plattform aus Bambusgeflecht lässt sich da schon wesentlich einfacher über Schienen bewegen. Ein kleiner Motor, meist eine Wasserpumpe aus der Entwicklungshilfe, treibt über einen Riemen eine Achse an und beschleunigt die Plattform auf bis zu 30 km/h.

Bild: Unterwegs am Bamboo-Train in Kambodscha

Physikalische Gesetze scheinen auf den kambodschanischen Gleisen außer Kraft gesetzt, denn eigentlich müsste der Bamboo-Train auf der maroden Strecke ständig entgleisen. Aber verbogene Gleise und fehlende Verbindungsstücke tun der holprigen Fahrt keinen Abbruch. Mit lautem Knall hüpfen die motorbetriebenen Platten wieder auf die Gleise zurück.

Die Bamboo-Trains werden hauptsächlich in der Nähe der Stadt Battambang eingesetzt. Von Odom Battam, sieben Kilometer außerhalb von Battambang, fahren sie je nach Bedarf bis ins 35 Kilometer entfernte Phnom Bale.

Bild: Bahngleise in Kambodscha

Früher kamen auf der eingleisigen Strecke manchmal auch normale Züge entgegen. Schnell muss bei Gegenverkehr die Plattform mit den geladenen Gütern von den Schienen gehoben werden, um eine Katastrophe zu vermeiden.

Der Schwächere gibt nach. Diese Regel gilt auch heute noch: Treffen auf der Bamboo-Railway zwei Züge aufeinander muss jene Plattform, die weniger Menschen und Güter geladen hat, von den Gleisen weichen. Solange nur Menschen an Bord sind ist das kein Problem. Aufwändiger ist es Reissäcke oder Motorräder sicher neben die Gleise heben.

Mittlerweile sind die filigranen Gefährte auch eine beliebte Touristen-Attraktion. Weitere Strecken können mit dem Bamboo-Train leider nicht zurückgelegt werden, auch Fahrplan gibt es keinen. Von Odom Battam rattern die Bambuszüge ins sieben Kilometer entfernte Oslau und wieder zurück.

In den kommenden Jahren soll das Eisenbahnnetz in Kambodscha grundlegend saniert werden. Frühestens ab Februar 2012 sollen wieder reguläre Züge von Phnom Penh nach Sisophon unterwegs sein. Die Erneuerungsarbeiten an der 338 Kilomter langen Strecke werden voraussichtlich das Ende der Bamboo-Trains in Kambodscha bedeuten.

Reise-Tipps zum Bamboo-Train:

  • Die Bambus-Züge fahren 7 Kilometer von Battambang entfernt in Odom Battam ab
  • Jeder Tuk-Tuk- und Motorrad-Taxi-Fahrer in Battambang kennt den Weg
  • Die Fahrt nach Oslau und zurück kostet für eine Person 7 US-$, für mehrere Personen auf einem Zug 5 US-$ pro Person.
  • Weitere Fahrten bis nach Phnom Bale nach Vereinbarung gegen Aufpreis.
  • Auch der Transport eines Motorrads und die Kombination mit einer Besichtigungstour rund um Battambang sind möglich.

.

Kommentare

  1. Das sind echte Abenteuer, die du dort erlebst. Wie gut, dass man heute alles mit Fotos und Video dukumentieren kann. Ich glaube, wenn du das vor 100 Jahren berichtet hättest, wäre es unter Seemannsgarn abgehakt worden. Liebe Grüße Helga

  2. spannend!

  3. Also, ein Zug der von den Gleisen gehoben wird, das ist sogar für mich was ganz Neues. Das gibts’s ja sonst nur auf meiner Modelleisenbahn :-) Was jedem Bahnbauingenieur die Schweißperlen ins Gesicht treibt, ist außerdem die – sagen wir es einmal vorsichtig – nicht ganz so parallele Gleislage. Ich glaube fast ich muss den Link meinem Freud Arno schicken (ich weiß nicht, ob ihr euch einmal kennen gelernt habt?). Der ist als Ingeieur beim Bahnbau sicher ganz begeistert von den “geraden” Gleisen in Kambodscha…

    Wie geht’s eigentlich Tafelspitz? Schon lange nichts mehr von ihr gelesen. Sie hat hoffentlich nicht in irgendeinem Hot Pot oder ähnlichem ihr Ende gefunden?

  4. Andersreisender meint:

    @Helga: Die Technik macht heutzutage wirklich einiges moeglich. Mit etwas Know-How kann man da schon mit einfacher Ausruestung interessante Videos machen.
    Das mit dem Seemannsgarn finde ich lustig: Stelle mir grade vor wie ich mit Holzbein und Augenklappe von Menschen, denen die Muender offen stehen, umringt bin und die abenteuerlichen Eisenbahn-Geschichten erzaehle. Natuerlich glaubt mir keiner… :-)

    @Grilli: Ja, Arno kenne ich. Wir haben uns auf Deiner Hochzeit gut unterhalten. :-) Also ich glaube, bei den Bildern bekommt er einen Druck in der Magengegend. Kein Wunder dass die “normalen Zuege” auf dieser Strecke immer wieder entgleisten. Ich habe kurz mal ueberlegt, was mit unserem Bambus-Zug passieren wuerde, wenn er aus den Gleisen springt – hab den Gedanken dann aber schnell mal wieder verworfen.
    Tafelspitz geht es praechtig – sie macht alle Abenteuer brav mit und ist auch schon schoen braun. Ob das an der Sonne liegt?

  5. Wow, spannende Sache das. Da werden doch irgendwie Kinderträume wahr, als man abseits der elterlichen Umsorgung erste eigene Abenteuer im stillgelegten Schienennetz der Grubenbahn wagte…

    Aber die Schienen schauen nicht sehr vertrauenswürdig aus…

    Beste Grüße
    Sven

  6. Andersreisender meint:

    @Sven: Abenteuer im Schienennetz einer stillgelegten Grubenbahn… das hört sich aber sehr spannend an. Da würd ich gern mehr erfahren :-) Ich hoffe, das war nicht so gefährlich wie bei dieser Grubenbahn in Albanien.

  7. Da sieht man was alles möglich ist, mit geringstem technischen und finanziellem Aufwand. Man muss nur gute Ideen haben und improvisieren können. Höchst interessante Sache! Die Gleislage ist gar nicht so schlimm, aber die Brückenanschlüsse sehen teilweise kriminell aus! Da kommt keine Lok mehr drüber!

  8. Andersreisender meint:

    @Arno: Ich freu mich, dass sich hier auch ein Profi in Sachen Bahnbau zu Wort meldet. Hmm…ob da über die Brückenanschlüsse noch eine Lok kommt oder nicht kann ich nicht beurteilen. Bei der Fahrt mit dem Zug durch den Markt in Thailand haben die Brücken meiner Meinung nach sehr ähnlich ausgesehen. Geschaukelt hat’s auch ordentlich ;-)

  9. Stand heute fahren noch immer keine regulären Züge auf der Strecke und das wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis das wieder soweit ist. (Die zweite kambodschanische Strecke von Sihanoukville nach Phnom Penh ist allerdings für den Güterverkehr bereits wieder in Betrieb.) Der Bamboo Train ist nach wie vor die wohl größte Attraktion um Battambang, auch wenn alles ziemlich touristisch geworden ist.

  10. Inzwischen wurde eine separate Strecke für die Touristen gebaut und es ist insgesamt langsamer und langweiliger. Hat mehr ein Gefühl von Disneyland als Abenteuer.

  11. Andersreisender meint:

    – Ben: Danke Dir für die Info! Ja, das Ende der Bambuszüge in Kambodscha ist mir bekannt. Dass es eine neue “Touristenstrecke” gibt wusste ich noch nicht. Weißt Du wo sich der neue Bambuszug in Battambang bzw. in der Umgebung befindet?

Wie ist Deine Meinung zum Thema? Hinterlasse einen Kommentar!

*

Mit einem Freund teilen