Winterreise nach Prag

Ein Städte-Kurztripp eignet sich hervorragend, um die regelmäßig aufkeimende Reiselust etwas zu stillen. Diesmal ging meine Reise für ein verlängertes Wochenende mit der Bahn ins tief verschneite Prag. Ob sich die Tschechische Hauptstadt für einen Winterbesuch eignet? Ich habe es für Euch getestet.

Normalerweise fällt nur wenig Schnee…

Im Jahresschnitt ist das Klima in Prag mild. Die Winter sind schneearm, die Temperaturen erreichen an den kältesten Tagen des Winters etwa die – 15 Grad-Marke. Auf meiner Reise nach Prag Anfang Januar begann es zu schneien und es wollte einfach nicht mehr aufhören. Etwa alle fünf Jahre fällt so viel Schnee, erzählte mir ein Tscheche. Und ich musste ausgerechnet zu dieser Zeit meinen Urlaub in Prag verbringen.

… doch Ausnahmen bestätigen die Regel

Etwa 15 Zentimeter Schnee wirken sich auch auf den Alltag in der Tschechischen Hauptstadt aus. Schneeräumung ist in Prag ein Fremdwort, doch die Verkehrsteilnehmer zeigen sich unbeeindruckt und drosseln ihr Tempo nicht.  Die meisten Gehsteige der Stadt bleiben mit einer dicken Schneeschicht bedeckt.

Etwas widerwillig denke ich an den Schnee-Sightseeing-Spaziergang im Stadtzentrum. Darum wird zuerst eine Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn unternommen. Hier kommt Prag-Touristen das dichte und weit verzweigte Straßenbahnnetz zugute. Trockenen Fußes bekomme ich so einen ersten Eindruck von Prag.

Prager Stadtbummel im Schnee

In der Altstadt angekommen, erstrahlen die Sehenswürdigkeiten Prags in weißem Kleid. Die Prager Burg, die Karlsbrücke aber auch der Laurenziberg mit dem “Prager Eiffelturm” wirken erfrischend anders gegenüber der üblichen Postkartenansichten mit grünen Bäumen.

Wenzelsplatz mit Punschständen

Wenzelsplatz mit Punsch- und Kunsthandwerksständen

Auch Anfang Januar finde ich in der Altstadt noch Stände mit Kunsthandwerk und Köstlichkeiten. Zur Kulinarik gehören Bratwürste vom Holzkohlegrill genau so wie eine Art Baumkuchen mit Mandelsplitter.

Die Vorteile des Winters

Prag im Winter zu besichtigen hat einige Vorteile. Strömen im Sommer die Menschenmassen zu den bekannten Sehenswürdigkeiten, so hält sich im Winter der Touristenstrom in Grenzen. Auf der Karsbrücke kann ich in Ruhe die 30 Heiligenfiguren ansehen. Am Kleinseitner Ring ist genug Platz um bequem durch die Arkaden zu spazieren und auf der Prager Burg ist der Blick auf die Wachablöse ungehindert möglich.

Wachablöse in der Prager Burg

Wachablöse in der Prager Burg

Ein Spaziergang über den verschneiten Laurenziberg hat ebenfalls seinen Reiz.

Aufwärmen in Bierkneipen und Museen

Wird es zu kalt, lohnt sich zum Aufwärmen der Besuch einer der zahlreichen Bierkneipen in der Prager Altstadt oder in den umliegenden Stadtteilen. Mein Lonely Planet Reiseführer* hatte hier einige sehr gute Tipps parat. Unbedingt sollte man bei einem Prag-Besuch auch die deftigen, tschechischen Speisen probieren.

Ich konnte mich zwischen Schweinebraten, Surbraten und Ente nicht entscheiden, doch gottseidank gab’s im Restaurant “Chudoba” im Stadtteil Vinohrady einen gemischten Teller mit drei Sorten Fleisch, Sauerkraut, Rotkraut und Knödel. Danach war der ärgste Hunger gestillt ;-)

Wenn man sich nicht entscheiden kann: Von allem etwas

Wenn man sich nicht entscheiden kann: Von allem etwas

Zu den “kalorienarmen” Speisen passt hervorragend das Tschechische Bier. Als Bierliebhaber kam ich voll auf meine Kosten. Nicht nur vom Geschmack sondern auch vom Preis: Die “Halbe” kostet in Prag nur etwa zwischen € 1,25 und € 1,75.

Gut gestärkt kann das Sightseeing weiter gehen. Bei kaltem Wetter lohnt auch der Blick in eines der zahlreichen Museen in Prag. Vom Tschechischen Museum der schönen Künste über das Jüdische Museum bis hin zum Marionettenmuseum wird für jeden Geschmack etwas geboten.

Im Winter nicht möglich…

Der Besuch der wunderschönen Gärten und Parkanlagen Prags ist im Winter nur eingeschränkt möglich. Manche Gärten werden in den Wintermonaten gänzlich für Besucher geschlossen.

Verschneite Stroh-Krippe vor dem St.-Veits-Dom

Verschneite Stroh-Krippe vor dem St.-Veits-Dom

Bei schlechtem Wetter ist außerdem der Blick vom Laurenziberg oder vom Fernsehturm über die Altstadt sehr getrübt. Das kann Besuchern aber auch im Sommer passieren. Wie schon 2009 in Moskau und Peking musste ich auch in Prag meine “Besteigung” des futuristischen Fernsehturms – an dem übrigens zehn “Riesenbabys” hochkrabbeln – wegen Schlechtwetters abblasen.

Fazit

Ein Prag-Besuch hat auch im Winter seinen Reiz. Besonders hat mir gefallen, dass auf den Straßen und Plätzen, aber auch in den Lokalen weniger Touristen als zur Hauptsaison im Sommer unterwegs waren. Warm eingepackt kann man auch im Winter die Stadt gut erkunden. Bei Schlechtwetter bietet sich zB. auch die Möglichkeit einer Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn.

St.-Veits-Dom und Prager Burg im Schnee

St.-Veits-Dom und Prager Burg im Schnee

Auf jeden Fall dürfen bei einem Prag-Besuch im Winter festes Schuhwerk und Winterkleidung nicht fehlen!


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Kommentare

  1. Fulanos Worte meint

    Warst Du auch auf dem jüdischen Friedhof. War da mal im Winter und der wirkt eingeschneit ziemlich mysthisch. Tolles Fotomotiv auf jeden Fall.
    Gruß
    Fulano
    P.S. Die Wachablösung ist auch ein klasse Motiv

  2. Andersreisender meint

    @Fulano: Nein, auf dem jüdischen Friedhof war ich nicht. Habe ich da offensichtlich etwas verpasst? Da habe ich dann schon ein Ziel für den nächsten Prag-Besuch ;-)

  3. Fulanos Worte meint

    Zumindest ein schönes Fotomotiv. Wir sind damals zufällig dort gelandet, deswegen kann ich leider nicht mehr dazu sagen.
    Gruß
    Fulano

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