Transsib (21): Peking IV & Abschied

Diens­tag, 17. Fe­bru­ar 2009

Ich bin mir über mei­ne heu­ti­ge Be­sich­ti­gungs­tour noch nicht ganz im Kla­ren wäh­rend ich durch die Stras­se, in der ich bei der Pe­kin­ger Gast­fa­mi­lie woh­ne, zur Bus­hal­te­stel­le ge­he. Es ist kalt und auf der Stra­ße liegt ein we­nig Schnee.

Peking
Bei die­sem Wet­ter hat man be­stimmt kei­nen gu­ten Rund­um­blick vom Fern­seh­turm – die­ser Pro­gramm­punkt wird nun end­gül­tig ge­stri­chen. Da ist ein Mu­se­ums­be­such bei die­sem Wet­ter schon eher an­ge­bracht. Ich ent­schei­de mich für die Aus­stel­lung zur Stadt­ent­wick­lung Pe­kings. Un­ter an­de­rem wird dort auch der Mas­ter­plan für die Be­bau­ung bis 2020 prä­sen­tiert. Auch über ak­tu­el­le und um­ge­setz­te Pro­jek­te in den Be­rei­chen wie Um­welt­schutz, Ver­kehr, Bau­tech­nik und Was­ser­ver­sor­gung wird man um­fas­send in­for­miert. Lei­der sind man­che In­for­ma­tio­nen nur in Chi­ne­sisch verfügbar.
Peking-StadtentwicklungMan ent­deckt im Mo­dell auch be­reits in der Rea­li­tät be­sich­tig­te Ge­bäu­de wie­der, wie zB. hier den CCTV-Tower.
Peking - StadtentwicklungIch ver­las­se die Aus­stel­lung mit vie­len Ge­dan­ken im Kopf. Stadt­ent­wick­lung – ein span­nen­des The­ma mit weit­rei­chen­den Fol­gen. Viel neu­er Stoff zum Grübeln…
Wei­ter führt die Be­sich­ti­gungs­tour zum Him­mel­s­tem­pel. Ein lan­ger Fuß­marsch ent­lang der Au­ßen­sei­te der Gar­ten­mau­er bringt mich zum Ein­gang. Be­reits hier kann man die Grö­ße der ge­sam­ten An­la­ge er­ah­nen. Ich kon­sul­tie­re mei­nen Pe­king-Rei­se­füh­rer* und stel­le fest, daß ich den Weg, den der Kai­ser ei­nen Tag vor der Win­ter­son­nen­wen­de be­schritt, in um­ge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge ver­fol­ge – al­so vom “höchs­ten”, dem Him­mel, hin­ab auf die Er­de. Die “Hal­le der Erntegebete”:
Peking - Himmelstempel Aber auch in die­ser Rei­hen­fol­ge ist die An­la­ge sehr se­hens­wert und hat un­ge­ahn­te Aus­ma­ße. Wie muss sich der Kai­ser ge­fühlt ha­ben, als er die­sen schier end­lo­sen Weg – et­wa 5cm er­ha­ben auf dem Mar­mor­steig – beschritt?
Peking - HimmelstempelNach aus­führ­li­cher Be­sich­ti­gung ver­las­se ich den Tem­pel beim Süd-Ein­gang. Ich ma­che mich auf den Weg zur nächs­ten – et­was ent­fern­ten – U-Bahn-Sta­ti­on. Beim Über­que­ren ei­nes Flus­ses ge­lan­ge ich auf ei­ne Brü­cke un­ter der Au­to­bahn, die nur für Rad­fah­rer re­ser­viert ist. Auf ei­ner Brei­te von et­wa vier Fahr­spu­ren flit­zen Fahr­rä­der und auch elek­trisch be­trie­be­ne Zwei­rä­der, von de­nen es in Pe­king sehr vie­le gibt. Ei­ne um­welt­freund­li­che Al­ter­na­ti­ve zum stin­ki­gen Mo­ped. Auf die­sem Weg herrscht Hoch­be­trieb, Pe­king scheint nach wie vor die Stadt der Fahr­rä­der zu sein.
PekingAm Weg un­ter der Brü­cke war­ten au­ßer­dem mo­bi­le Werk­stät­ten auf den nächs­ten Kun­den. Ich grü­ße ei­nen “Pat­schen­fli­cker” freund­lich, nach­dem er mich lan­ge an­sieht. Er bie­tet mir gleich ei­nen Ho­cker ne­ben sich an – ich sol­le mich zu ihm set­zen. Ich leh­ne freund­lich ab.
Noch knapp zwei Stun­den bis zum “gro­ßen” Pe­kin­gen­ten-Es­sen. Ich freue mich, dass es nun doch ge­klappt hat, Lars und Vic­to­ria sind auch mit da­bei. Ich nut­ze die Zeit, um noch ein biss­chen die At­mo­sphä­re in den Hu­tongs, den ver­win­kel­ten Gas­sen Pe­kings, zu geniessen.
PekingPünkt­lich um 18 Uhr tref­fen wir uns vor dem Qi­an­men Qua­ju­de – “Big Duck” Re­stau­rant. Nun sind wir zu sechst, Clai­re aus Groß­bri­tan­ni­en, Kim aus Schwe­den und Lock aus Los An­ge­les sind eben­falls beim En­ten­es­sen dabei.
transsib-eingangroastduck296 Yuan kos­tet ein Vo­gel, wir be­stel­len zwei – aus­rei­chend für sechs Per­so­nen. Ei­ne Art Pfann­ku­chen, Brun­nen­kres­se, Sau­ce, Lauch und Sa­lat so­wie ei­ne nach “Nichts” schme­cken­de En­ten­sup­pe zum Ab­schluss sind im Preis in­be­grif­fen. Die En­te wird di­rekt vor un­se­ren Au­gen in mund­ge­rech­te Stü­cke zerlegt.

Die Fleisch­stü­cke, Ge­mü­se und die Sau­ce wer­den auf den Pfann­ku­chen ge­legt und dann dar­in ein­ge­wi­ckelt. So wird die Pe­kin­gen­te ge­ges­sen. Lei­der schmeckt die En­te ins­ge­samt ein biss­chen lang­wei­lig. Die Haut der En­te ist knusp­rig, sehr glatt und fett und Tei­le da­von wer­den auf ei­nem ex­tra Tel­ler ser­viert. Ins­ge­samt hät­te ich mir von ei­ner Pe­kin­gen­te ein grös­se­res Ge­schmacks­er­leb­nis er­war­tet. Trotz­dem ist es schön, die­ses “Ze­re­mo­ni­ell” ein­mal mit­er­lebt zu ha­ben. Und ge­sel­lig ist ein sol­ches Es­sen oben­drein, da die Spei­sen auf ei­nem Dreh­tel­ler in der Tisch­mit­te ser­viert wer­den und so al­le ge­mein­sam zu­grei­fen können.

Pekingente - Peking

Dann wird es Zeit für ein Ab­schieds­bier im Leo Hos­tel* und im Lo­kal ge­gen­über. Clai­re und Kim sind Gäs­te bei ei­ner Chi­ne­si­schen Fa­mi­lie, die sie über Couch­sur­fing ge­fun­den ha­ben und ver­las­sen kurz vor mir die Runde.

Ich ma­che mich ge­gen 21:30 Uhr auf den Weg zum Bus und war­te ei­ne Ewig­keit im leich­ten Schnee­trei­ben. Kurz vor 22 Uhr kommt dann doch ein 692er. In­ter­es­san­ter­wei­se wer­den in der Nacht die Sta­tio­nen nur noch in Chi­ne­si­scher Spra­che an­ge­sagt. Ob dies im­mer so ist? Fünf Hal­te­stel­len vor mei­nem Aus­stieg in­ter­es­siert sich die Schaff­ne­rin nicht mehr für die Durch­sa­gen son­dern mehr für den Bus­fah­rer. Ich ken­ne nun gott­sei­dank schon die Stre­cke und so stei­ge ich kurz vor 11 Uhr in Xin­cun aus.
Lei­der sind die To­re zum Park­platz und da­mit auch zum Stie­gen­auf­gang in die Woh­nung ver­schlos­sen. Was tun? Da kommt auch schon ein Wäch­ter und spricht mich in Chi­ne­si­scher Spra­che an. Ich ver­su­che mit Hän­den und Füs­sen und in ver­schie­de­nen Spra­chen zu er­klä­ren, dass ich hier im drit­ten Stock woh­ne. Es hat kei­nen Sinn. Als Ant­wort kom­men nur Chi­ne­si­sche Phra­sen sonst gar nichts. Ich über­le­ge wie ich den Wäch­ter über­zeu­gen kann, dass er mich ein­lässt. Da fällt mir das am Vor­tag ge­knips­te “Fa­mi­li­en-Fo­to” ein. Ich zei­ge es ihm auf dem Dis­play mei­nes Fo­to­ap­pa­ra­tes. Er er­kennt die Fa­mi­lie, das Tor geht auf und ich wer­de “si­cher­heits­hal­ber” bis zur Woh­nungs­tür ge­bracht. Dort er­war­tet mich be­reits Ihr.
Mitt­woch, 18. Fe­bru­ar 2009
 
Ab­schied aus Bei­jing – Ihr’s Va­ter soll mich zum Flug­ha­fen-Ex­press bei der Hal­te­stel­le Don­gy­hi­men brin­gen. Ich bin über­rascht, als am Mor­gen ein Ta­xi im Hof steht. Dar­in sitzt Ihr’s Va­ter. Auf die Fra­ge, ob sein Va­ter Ta­xi­fah­rer sei mein­te er: “Ha­be ich Dir das nicht er­zählt?”. Nein – hat­te er nicht. Ihr und Lee Schu Pin fah­ren auch mit und stei­gen dann in den Bus um. Es geht zum Shop­ping. Knapp zwei Stun­den spä­ter bin ich am Flug­ha­fen, al­les wird ein­ge­checkt und so war­te ich ent­spannt auf den Flug zu­rück nach Mün­chen im 2008 er­öff­ne­ten Ter­mi­nal 3.

Flughafen - PekingChi­na Air bringt mich si­cher in die Baye­ri­sche Lan­des­haupt­stadt. Wir flie­gen über die Mon­go­lei, süd­lich des Bai­kal­sees wei­ter Rich­tung No­wo­si­birsk, nörd­lich an Mos­kau vor­bei, über Minsk, Po­len und Tsche­chi­en nach München.

RückflugMehr als 10.000 Ki­lo­me­ter mit der Ei­sen­bahn durch Ös­ter­reich, Tsche­chi­en, Po­len, Weiss­russ­land, Russ­land, die Mon­go­lei und Chi­na lie­gen hin­ter mir. In je­dem mei­ner Ziel­bahn­hö­fe bin ich pünkt­lich an­ge­kom­men. Die Deut­sche Bahn ent­schul­digt sich bei der An­kunft in Salz­burg: Wir ha­ben fünf Mi­nu­ten Ver­spä­tung. Will­kom­men zu Hause 🙂

 

Weiterlesen im Live-Reisetagebuch Transsibirische Eisenbahn:

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Kommentare

  1. Wo­aah,
    was ne Rei­se, ich glau­be al­lein hät ich mich das gar nicht getraut.
    Bin zwar noch nicht ganz durch mitm le­sen, aber schon sehr in­ter­es­sant, ich werd auf je­den fall wei­ter lesen 🙂

  2. So, bis hier­hin hab ich’s jetzt ge­schafft! 🙂 Dan­ke an die­ser Stel­le für die hilf­rei­chen In­fos und den Ein­blick in dei­ne 10000km per Bahn.

  3. @Sam: Tja…ab nun mußt Du sel­ber wei­ter­kom­men 😉 Aber ich den­ke, das auf­wän­digs­te Stück Rei­se be­züg­lich Pla­nung ist ge­schafft. Hey, in ein paar Ta­gen geht’s bei Euch los – wä­re so­fort wie­der mit dabei!

  4. Vie­len Dank für den su­per Rei­se­be­richt. Vie­le In­for­ma­tio­nen ge­fun­den und die Vor­freu­de wei­ter angeheizt.
    Wir star­ten am 02.05.10 (nur noch gut 4 Mo­na­te!!). Hut ab die­se Tour al­lei­ne zu ma­chen, aber der Er­folg gibt die recht.
    Gruß Frank

  5. Andersreisender meint:

    @Frank: Will­kom­men im An­ders­rei­sen-Blog! Ich freue mich, dass Dir der Rei­se­be­richt bei Dei­ner Rei­se­pla­nung wei­ter­ge­hol­fen hat. Tol­le Sa­che, wenn Du die Rei­se mit der Trans­si­bi­ri­schen Ei­sen­bahn machst – Du wirst be­geis­tert sein! Ich wün­sche Dir/Euch ei­ne gu­te Reise!

  6. buddybubble meint:

    Su­per Bericht!
    Ich wer­de An­fang März fast ge­nau die glei­che Rei­se ma­chen (nur län­ger und nach Pe­king noch wei­ter durch China).
    Wie­viel Geld hast du denn ins­ge­samt da­für ausgegeben?
    Wie­viel Geld hast du pro Tag in Chi­na für das Es­sen aus­ge­ben müssen?
    MfG

  7. Andersreisender meint:

    @buddybubble: Will­kom­men im An­ders rei­sen-Blog 🙂 Tol­le Sa­che, dass Du die Rei­se mit der Trans­sib machst 🙂 Al­so ich ha­be eher nicht spar­sam ge­lebt und für die 26 Ta­ge rund 2.800 Eu­ro ge­braucht, in­klu­si­ve Vi­sa, ei­ner neu­en Ja­cke in Ir­kutsk, Bahn­ti­ckets, Rück­flug – al­so al­les kom­plett. Die Zu­sam­men­fas­sung fin­dest Du üb­ri­gens hier zu den Rei­se­be­rich­ten über die Trans­si­bi­ri­sche Eisenbahn

  8. Party-Artie meint:

    Nach dei­nem Be­such auf mei­ner Web­site bin ich auf dei­nen Blog ge­sto­ßen und die­sen Be­richt hier.
    Ein wirk­lich su­per Bericht!
    Ei­ne Fahrt mit der Trans­si­bi­ri­schen Ei­sen­bahn steht auch auf mei­ner “Das muss ich un­be­dingt ge­se­hen und ge­macht ha­ben Liste”.
    Doch erstein­mal muss Ja­pan dran glauben 😀
    Viel Spaß auf dei­ner nächs­ten Rei­se durch Süd-China.

  9. Andersreisender meint:

    @Party-Artie: Will­kom­men im An­ders rei­sen-Blog! Tja…wie wä­re es da­mit, die Trans­sib und Ja­pan ein­fach zu ver­bin­den? Wann geht’s denn los nach Ja­pan? Die­ses Land steht die­ses Jahr auch noch auf mei­ner “To­Do-Lis­te”. Je­den­falls schon mal gu­te Reise!

  10. Party-Artie meint:

    An­fang Au­gust gehts los…die Span­nung steigt 😀
    Ich ha­be vor zu­erst nach Süd-Ko­rea zu flie­gen um dort ei­ni­ge Ta­ge in Seo­ul zu ver­brin­gen und auch der De­mi­li­ta­ri­sier­ten Zo­ne ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten. Dann gehts wei­ter nach To­kyo wo die gro­ße Ja­pan Rei­se beginnt 🙂
    Ein Hö­he­punkt wird auf je­den fall ein Trip durch Hok­kai­do wo es ge­nia­le Na­tio­nal­parks ge­ben soll 🙂
    Wann ist es bei dir soweit?

  11. Andersreisender meint:

    @Party-Artie: Bei mir geht’s Mit­te Ju­li los. Erst durch Russ­land mit der Trans­sib, dann mit der Fäh­re nach Ja­pan. Den­ke, dass ich ab An­fang Au­gust 14 Ta­ge dort sein wer­de. Viel­leicht über­schnei­den sich un­se­re We­ge? Wä­re ja wit­zig, sich zu tref­fen. Bei mir führt dann die Rei­se nach China.

  12. Party-Artie meint:

    Ja wer weiß, sol­che Zu­fäl­le gibts es öf­ters als man denkt 😀
    Ich wünsch dir je­den­falls viel Spaß auf dei­ner Rei­se und ich freu mich schon auf den Reisebericht.
    Ach­ja wenn du in Süd-Chi­na un­ter­wegs bist emp­feh­le ich dir Yangs­hou zu be­su­chen. Die Stadt ist zwar sehr tou­ris­tisch aber wenn man sich ein Bike mie­tet und ein we­nig aus der Stadt raus­fährt ist man zwi­schen den Reis­fel­dern und kann das Land­le­ben auf sich wir­ken lassen 🙂
    Aber be­sorg dir dann gu­tes Kar­ten­ma­te­ri­al ich hab das lei­der ver­säumt und hab mich dann ir­gend­wann mit­ten in den Reis­fel­dern verlaufen 😀

  13. Andersreisender meint:

    @Party-Artie: Dan­ke für den Tipp – wer­de ich ma­chen 🙂 Yangs­huo steht schon fix auf mei­nem Reiseplan!

  14. Günther aus Berlin meint:

    Dan­ke für die lan­ge und aus­führ­li­che Rei­se­be­schrei­bung. Ir­gend­wann ist die Trans­sib bei mir auch ein­mal dran. 😉

  15. Andersreisender meint:

    – Gün­ter: Ger­ne! Ich freue mich, wenn ich Lust auf ei­ne Trans­sib-Rei­se mache. 🙂

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