Mit dem Boot am Mekong von Vietnam nach Kambodscha

Die Grenze von Vietnam nach Kambodscha kann von Reisenden auf dem Landweg – meist mit dem Bus – oder auch mit dem Boot überquert werden. Eine Schifffahrt am Mekong – genauer gesagt am Bassac – ist eine schöne Möglichkeit, um von der vietnamesischen Grenzstadt Chau Doc im Mekong-Delta nach Phnom Penh in Kambodscha zu reisen.

Morgens um 7 Uhr ist Abfahrt für das kleine Ausflugsboot in Chau Doc. Leider ist das Boot ausschließlich mit Touristen und keinen Einheimischen besetzt. Hier treffe ich auf Touristengruppen, die ihre Tour bereits in Ho-Chi-Minh-Stadt gebucht haben und seit zwei Tagen in der Gruppe durchs Mekong-Delta unterwegs sind.

Einheimische bevorzugen den Transport auf der Straße. Öffentlicher Verkehr ist auf den Flussarmen des Mekongs – wie es ihn zB.  im Donau-Delta gibt – kaum zu finden.

Von Chau Doc in Vietnam ist man rund zehn Stunden in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh unterwegs. Bevor wir die Grenze erreichen besuchen wir in Vietnam noch eine Fischfarm und ein Dorf der Cham Minderheit.

Schwimmende Dörfer und Fischfarmen

In den 10 x 20 x 6 Meter großen Fischfarmen, die direkt unter den schwimmenden Häusern installiert sind, werden jeweils rund 120.000 Fische gehalten. Hauptsächlich werden Snapper (Schnapper) und Tilapia gezüchtet. Nach vier bis sechs Monaten haben die Fische ein Gewicht von rund 2 Kilogramm.

Bild: Fischfarm im Mekong-Delta

Rund 300 Fischfarmen gibt es im Umland von Chau Doc.

Minoritäten im Mekong-Delta

Die Bewohner des Cham-Dorfs in der Nähe der vietnamesisch-kambodschanischen Grenze haben sich mit dem Tourismus arrangiert. Sie lassen sich geduldig von den Bootsgästen, die täglich hier ankommen, fotografieren und versuchen natürlich auch das eine oder andere Souvenir an den Mann zu bringen.

Bild: Cham-Minderheit nahe Chau Doc im Mekong-Delta

Dann fahren wir weiter Richtung Grenze. Am Weg dorthin versucht die Reiseleiterin noch etwas Kleingeld mit den Touristen zu machen. Ich weiß ja, warum ich Gruppenreisen nicht leiden kann…

Jedenfalls werden noch jedem Bootsreisenden zu den 20 US-$ fürs Kambodscha-Visum zusätzlich 1,50 US-$ “Stempelgebühr” und 50 Cent Organisationsgebühr für die Reiseleiterin abgeknöpft. Wer kein Passbild fürs Visum dabei hat zahlt einen US-Dollar extra – dann “geht das auch so”. Die Frage, warum das Visum mehr als die offiziell angegebenen 20 US-$ kostet wird mir unzureichend beantwortet.

Wer Lust hat, kann auch noch die letzten vietnamesischen Dong zu einem schlechten Wechselkurs in kambodschanische Riel tauschen.

Die Fahrt bis zur Grenze verläuft über schöne Kanäle, ist ansonsten aber eher unspektakulär. Gelegentlich erhascht man einen kleinen Einblick ins Leben der Fischer im Mekong-Delta.

Mittagessen an der Grenze

An der vietnamesischen Grenze gibt es einen “abgeriegelten” Bereich fürs Mittagessen. Wer keine Lust auf teure Instant-Nudeln mit verschiedenen Saucen oder wahlweise in der Suppe hat, sollte sich besser eine kleine Jause mitnehmen. An einem Buffet werden auch Getränke und andere Snacks verkauft. Hier kann in US-Dollar bezahlt werden.

Dann erhalten wir die Pässe mit dem Ausreise-Stempel zurück. Kein Beamter hat kontrolliert, ob wir tatsächlich die Pass-Inhaber sind. Das Kambodscha-Visum wurde ebenfalls vorbereitet und klebt schon im Pass. Nach dem Umstieg in ein anderes, etwas größeres, Boot verabschiedet sich die vietnamesische Reiseleiterin. Nun geht die Fahrt weiter zur kambodschanischen Grenze.

Welcome to Cambodia

Die Einreise ist hier völlig unkompliziert. Große Schilder weisen darauf hin, dass hier um 20 US-$ das kambodschanische Visum direkt an der Grenze gekauft werden kann. Aber das brauchen wir ja nicht mehr – wir haben es dank hervorragenden, kostenpflichtigen Services der Reiseleiterin bereits im Pass kleben. Der Beamte braucht nur noch den Einreisestempel in den Pass zu drücken – und fertig.

Bild: Grenze Kambodscha am Mekong (Bassac)

Die Bootsfahrt geht über den breiten Bassac-Fluss weiter Richtung Phnom Penh. Mit ohrenbetäubendem Lärm gleitet unser Holzboot wie auf einer sehr breiten Autobahn flussaufwärts. Die Landschaft unterscheidet sich nur wenig von jener in Vietnam. Dafür haben die Kühe ihre Farbe gewechselt. Statt graubrauner Wasserbüffel grasen nun weiße Kühe am Flussufer.

Das Leben am Fluss

Ich lese in meinem Reiseführer* ein bisschen über Kambodscha – über die Gepflogenheiten und Verhaltensweisen in diesem Land. Es steht geschrieben, dass kurze Hosen außerhalb der touristischen Städte eher unüblich sind und die Menschen hier auch nur völlig bekleidet ins Wasser gehen.

Gedankenverloren blicke ich auf… und sehe am Ufer winkende und schreiende, nackte Kinder laufen. Der Vater steht in der Unterhose im seichten Flusswasser daneben und wäscht sich. Theorie und Wirklichkeit…

Bild: Kinder am Bassac-Fluss in Kambodscha

Langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Die letzten eineinhalb Stunden Fahrt nach Phnom Penh müssen wir im Minibus zurücklegen. Natürlich werden wir – wie bei solch organisierten Fahrten (fast immer) üblich – nicht am vereinbarten Platz abgesetzt, sondern vor einem nicht gerade zentral gelegenen Gästehaus.

Rund zwei Drittel der Tourgäste lassen sich von den Schleppern nicht lange bitten und laufen wie die müden Lemminge hintereinander ins Gästehaus. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele beim Reisen einfach das Hirn irgendwo vergessen haben.

Aber gut… ich hatte bereits im Vorfeld meine Unterkunft organisiert und werde kurze Zeit später von einem Tuk-Tuk abgeholt.

Aber, aber – warum denn so mürrisch?

Mürrisch? Negativ? Nein – der Beitrag entspricht nur meinem persönlichen Empfinden und Erfahrungen. Die Tour wurde von verschiedenen Reiseführern relativ hoch gelobt. Tatsächlich ist die Bootsfahrt von Vietnam nach Kambodscha landschaftlich  nicht sonderlich aufregend.

Natürlich hätte sich auch von der Landschaft her nichts geändert, wenn es ein Linienboot für Einheimische gewesen wäre und kein Touristen-Kahn. Aber die Fahrt wäre für mich etwas authentischer verlaufen. Aber es hat auch etwas Gutes: Immerhin habe ich liebe Menschen an Bord kennen gelernt.

Meine Eindrücke können auch von den kollektiven Besuchen der Fischfarm und des Cham-Dorfs nicht aufgewertet werden.

Die Schlepper und Nepper-Themen haben mir wieder mal bestätigt, so weit wie möglich von solchen Reise-Angeboten Abstand zu halten. Aber leider geht’s manchmal nicht anders. Versöhnliche Worte zum Schluss: Ich reise trotzdem sehr gerne in Südostasien!

Vietnam und Kambodscha faszinieren mich! Seit 2010 habe ich über 7 Monate in Südostasien verbracht. Du planst eine eigene Reise? Einen raschen Überblick über Reise-Highlights, Geheimtipps und tiefe Einblicke in die Länder erhältst Du in meiner spannenden DVD über Vietnam & Kambodscha. Neugierig? Gleich reinschauen!

Reise-Tipps zur Bootsfahrt vom Mekong-Delta nach Kambodscha:

  • Abfahrt: 7 Uhr Früh in Chau Doc (Vietnam), Ankunft ca. 17 Uhr in Phnom Penh (Kambodscha).
  • Die letzten ca. eineinhalb Stunden nach Phnom Penh werden mit dem Minibus zurückgelegt.
  • Nur auf dem Boot von der kambodschanischen Grenze nach Phnom Penh befindet sich eine “Toilette”.
  • Die angebotenen Speisen zum Mittagessen an der Grenze sind minderwertig und teuer.
  • Von der Reiseleiterin wird eine zusätzliche “Stempel- und Servicegebühr” von 2 US-$ für den Visum-Antrag verrechnet. Interessant: Wer das Visum bereits im Pass hat, bezahlt nichts.
  • Fahrpreis: zwischen 7 und 10 US-$, je nachdem, wo gebucht wird. Auch bei Mekong-Tours direkt kostete die Bootsfahrt  am Mekong 10 US-$.
  • Alternativ fährt auch täglich ein Schnellboot zwischen Chau Doc und Phnom Penh, ohne Besichtigungen und direkt bis Phnom Penh. Ankunft schon am frühen Nachmittag.

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Kommentare

  1. Kambodscha ist schon wirklich ein tolles Land. Leider habe ich während meinem Südostasientrip vor zwei Jahren nur fünf Tage dort verbracht und lediglich das Touristen-Ziel Angkor angeschaut. Es ist wohl ein Muss nochmal nach Kambodscha zu reisen. Dein Bericht sorgt zumindest schon mal für das notwenige Fernweh.
    Gruß, Daniel.

  2. Andersreisender meint:

    @Daniel: Mir kamen meine 11 Tage in Kambodscha auch viel zu kurz vor. Kann mir vorstellen, dass der Osten des Landes noch sehr ursprünglich und interessant ist!

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