Touristen-Abzocke: Vietnamesen sind sehr geschäftstüchtig

Dass man es auf einer Reise nach Vietnam mit einem sehr geschäftstüchtigen Volk zu tun hat, werden die meisten Reisenden schon kurz nach ihrer Ankunft in diesem südostasiatischen Land merken. Gerne wird der Tourist als dollarschwerer Geldsack gesehen und schon am Flughafen oder auch am Bahnhof bei der Taxi-Fahrt ins Stadtzentrum übervorteilt.

Ein “bisschen” Touristen-Nepp könnte man ja noch tolerieren, oft liegt der Startpreis für die Preisverhandlungen aber weit über dem landesüblichen Betrag. Worte wie Nepper, Schlepper und Abzocke kommen dann so manchem Vietnam-Urlauber über die Lippen. Hier ein paar Anekdoten und Erfahrungen aus meinem Reiseleben und auch einige Tipps, um der Touristen-Abzocke nicht völlig ausgeliefert zu sein.

“How much is it”

Diese vier Worte sollte bei jedem Reisenden zur Standard-Frage gehören, bevor er in Vietnam eine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Sonst ist der Touristen-Nepp vorprogrammiert. Denn ein nachträgliches Verhandeln des Preises ist wesentlich schwieriger, als gleich zu Beginn.

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Nachdem in Vietnam mit hohen Zahlen gehandelt wird (ca. 27.000 Vietnamesische Dong = 1 Euro) werden die Nullen bei der mündlichen Preisangabe häufig weggelassen. Auch hier ist Nachfragen wichtig: Sind nun wirklich 27.000 gemeint und nicht gar am Ende 270.000 Dong? Ist man sich unsicher, sollte man den Betrag vorsichtshalber aufschreiben und nochmals Nachfragen. Am Ende hat man damit die besseren Karten.

Hey – Motorbike!

In vietnamesischen Städten – allen voran in den Touristenzentren – kann man sich kaum einen Meter bewegen, um ein mehr oder weniger aufdringliches Kaufangebot zu erhalten. Der Klassiker sind die Motorrad-Taxis, die an jeder Straßenecke ihre Dienste anbieten. Aber auch “Cyclo” Fahrer können beim Werben um ihre Radfahrten manchmal äußerst aufdringlich werden.

Bild: Motorradfahrer auf Moped schlafend in Hanoi

Dem Reisebücher-Verkäufer in Hanois Straßen mache ich klar, dass ich an keinem seiner Führer für Vietnam, Kambodscha und Europa interessiert bin. Schnell ändert er die Geschäftstaktik. Zwar nicht mehr lautstark wie zu Beginn, aber dafür umso eindringlicher informiert er mich über seine weiteren Dienstleistungen: “Hey, Massage? Happy End? Marihuana?”

Weniger riskofreudige Geschäftspartner sind die Schlepper in Hoi An, die die Gäste in die große Halle für Maßkleider bringen. Ich informierte eine der Damen, die nicht mehr von meiner Seite wich, ich bräuchte dringend neue Socken.  Sie sah leider schon das große Geld, das sie  beim Verkauf eines maßgeschneiderten Herrenanzug verdienen würde und hörte mir gar nicht mehr zu. Die Enttäuschung kann man sich vorstellen, als ich im vorgelegten Katalog zum Zubehör blätterte…

Wieviel kostet eine Busfahrkarte?

Nun…diese Frage ist in Vietnam nicht so einfach zu beantworten. Ein Ticket in einem Linienbus von Da Nang nach Hoi An kostet zwischen 10.000 und 90.000 Dong, je nachdem ob man Einheimischer oder Tourist ist. Und wie sehr man sich abzocken lässt. Alle Preisabstufungen hängen ab vom Verhandlungsgeschick und der Preiskenntnis des Reisenden und von der Hartnäckigkeit des Ticketverkäufers.

Die Frage nach den Kosten für das Busticket kann man auf beliebige andere Dienste abändern. Dass das Verhandeln zum Marktleben gehört ist mir klar. Aber um eine Flasche Wasser oder eine Orange zu verhandeln, als würde man einen Kleinwagen kaufen, ist sehr mühsam. Dabei möchte man ja nur einen fairen Preis. Auch wenn er am Ende noch immer höher liegt, als jener für die Einheimischen.

Bild: Straßenverkäuferinnen in Hoi An

Schlepper und Nepper

Man ist noch nicht richtig aus dem Bahnhof auf die Straße getreten oder hat die letzte Stufe des Busses verlassen, schon taucht man ein in eine Menge von Schleppern, die nur Dein Bestes wollen – nämlich Dein Geld. “Taxi? Hallo Taxi?” “Billiges Hotel! Wo willst Du hin?”. Nicht selten gibt sich einer der Männer als “Pickup-Service” aus und führt dann den ahnungslosen Reisenden ins falsche Hotel.

Die inoffiziellen Taxis zählen ebenfalls oft zu jenen der “teuren” Sorte. Der Preis muss unbedingt vor der Fahrt fixiert werden. Aber auch unter den Taxifahrern mit Taxameter gibt es schwarze Schafe. So mancher Zähler ist wesentlich schneller eingestellt und zählt die die gefahrene Strecke doppelt oder dreifach. Ein prüfender Blick auf den Taxameter lohnt sich während der Fahrt vor allem in Hanoi und Saigon.

Aber auch das umgekehrte Szenario ist möglich: Ist die gewünschte Fahrtstrecke zu kurz, will plötzlich keiner der Taxifahrer mehr den Touristen chauffieren.

Der Fixpreis ist nicht heilig

Freut man sich auf einen abzocke-freien, entspannten Einkauf in einem kleinen Supermarkt mit Fixpreisen kommt die nächste Überraschung spätestens beim Zahlen an der Kasse. Anstatt Wechselgeldbeträge unter 500 Dong auszubezahlen (in meinem Fall sind es 300 Dong) wird dem Kunden ein Bonbon mitgegeben.

Bei meinem nächsten Einkauf sind genau 300 Dong über einen geraden 1.000er-Betrag fällig. Ich gebe der Kassiererin das zuvor erhaltene Bonbon zurück. Zu meiner Überraschung legt sie es stillschweigend wieder in die Kasse zu den anderen “Süßwarenmünzen”.

Der US-Dollar als Zweitwährung

In Vietnam werden viele Preise für Touristen in US-Dollar angeschrieben. Die Verhandlungsbasis ist so entsprechend schlechter. Bezahlt man in der Landeswährung ist Nachrechnen angesagt, denn diese wird vom Dollar-Betrag mit einem selbst gewählten Kurs umgerechnet.

Einigermaßen faire Verhandler legen den Kurs mit 20.000 Dong für einen US-Dollar fest (real um die 19.500), andere schlechter. Bei größeren Beträgen, zB. für Ausflüge, zahlt man so in der Landeswährung um einiges mehr als mit dem Dollar aus Amerika.

Darum ein wichtiger Tipp fürs Verhandeln des Hotelzimmers: Zum Dollar-Preis sollte unbedingt auch der Preis in Vietnamesischen Dong genannt werden, um der Touristen-Abzocke zu entkommen. Schnell ist sonst das Hotelzimmer einige Dong teurer als erwartet. Beim Auschecken zu verhandeln ist schwierig und zeitraubend.

Vorsicht mit Alkohol

Betrunkene Touristen sind in den Augen der sehr unehrlichen Touristen-Nepper leichte Opfer für eine ordentliche Abzocke. In den Touristen-Hochburgen entlang der Küste, wie zB. in Nha Trang, locken Bars die Badeurlauber mit den phantastischsten “Happy Hours”. Leider weiß so manche Kellnerin in der Bar beim Zahlen nichts mehr vom vereinbarten Preis oder Gratis-Drinks. Auch hier gilt: Unbedingt vorher um den Preis fragen und beim Bezahlen beharrlich sein!

Nach einem ausgelassenen Abend sind auf dem Heimweg noch die Motorrad-Taxis und auch so manche vietnamesische “Bordsteinschwalbe” sehr geschäftstüchtig unterwegs. Leider bieten sie nicht nur die Dienste aus ihrer Branche an, sondern bedienen sich gerne an den Wertsachen der in der Reaktion beeinträchtigten Touristen. Der Taschendiebstahl wird oft erst am nächsten Tag entdeckt. Daher unbedingt nur wenig Geld mitnehmen und zB. in einem Geldgürtel Kreditkarte und Co. verstecken.

Damen bieten ihre Dienstleistungen im horizontalen Gewerbe sehr unverblümt an. Auch wenn es sich zuerst wie aus einem “geilen Traum” anhört: Wenn man von fünf Frauen auf Motorrädern bis zur Hotel-Eingangstüre verfolgt wird, endet der Abend doch etwas unentspannt.

Gedanken zum Verhandeln

Vielen Reisenden fällt es vor allem am Anfang schwer ihre Einkäufe zu verhandeln. Zunehmend entwickelt man darin mehr Geschick. Aber warum wird so dermaßen hart verhandelt? Ist es der tägliche, nackte Kampf der Vietnamesen ums Überleben? Viele der StraßenverkäuferInnen versuchen damit mangels anderer Arbeit die Familie über Wasser zu halten. Für Schule und Gesundheit muss, obwohl Vietnam ein kommunistisches Land ist, von der Bevölkerung bezahlt werden. Vietnam zählt zu den ärmsten Ländern Südost-Asiens.

Auch wenn man die Not der Menschen beim Einkaufen im Hinterkopf hat, sollte man sich als Tourist trotzdem nicht über den Tisch ziehen lassen. Verhandeln gehört zur Kultur und wer es nicht tut ist selber schuld. Als Leitlinie sollte man sich trotzdem das Sprichwort “Leben und leben lassen” setzen und auch selbst beim Verhandeln fair sein. Aber keine Sorge: Es werden garantiert keine Waren “unterm Preis” verkauft und auch wenn Ausländer gut verhandelt haben zahlen sie bestimmt noch immer einen “Touristen-Aufschlag”.

Aber zwischen kultiviertem Verhandeln und der breit angelegten Touristen-Abzocke ist ein großer Unterschied. Sollte man Vietnam deshalb nicht besuchen? Nein – Vietnam sollte man besuchen! Und sich die Reise durch dieses geschichtsträchtige Land nicht verderben lassen. Es gibt in diesem Land auch viele ehrliche, liebenswürdige Menschen. Wer über die Methoden der Nepper und Schlepper Bescheid weiß, lässt sich nicht so leicht über den Tisch ziehen.

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Kommentare

  1. Ich habe mir auf meinen vielen Reisen immer einige Regeln selbst auferlegt. Ich habe zum Beispiel immer versucht, mit oeffentlichen Verkehrsmitteln vom Bahnhof oder den Flughaefen weiter zu kommen. NIE mit dem Taxi oder anderem. Meines Wissens hat das auch immer geklappt. Ich habe auch IMMER, nachdem ich irgendwo angekommen bin, mir erst einmal ein Lokal oder irgendeinen Strassenverkaeufer gesucht, und mir eine Fanta oder Aehnliches getrunken. Bin NIE sofort weiter. Das hat immer geklappt. Nachdem alle Schlepper das Interesse an mir verloren hatten, ging es wesentlich ruhiger weiter. Das ist meines Wissens nur einmal schief gegangen. In Nepal hatte man bei meiner errneuten Ankuft in Kathmandu den Busbahnhof wegen Umbauarbeiten geschlossen. Den hat man kurzerhand irgendwo an eine Kreuzung mitten in den Feldern verlegt. (So habe ich es jedenfalls verstanden) Als ich dann wieder ankam, wollten mich alle Leute in einen wartenden Kleinbus schleppen. Ich habe das Angobt abgelehnt, wollte nicht uebers Ohr gehauen werden. Das war ein Fehler. Ich weiss noch ziemlich genau wie ich da mitten in der Pampa stand, kein Mensch weit und breit, kein Bus weit und breit mit einem prallen Rucksack und wusste nicht mehr weiter. Ziemlich dumme Situation spaet am Abend. Irgendwann kam dann aber doch noch ein Kleinbus. Ich musste eine halbe Stunde mit meinem Gepaeck aussen an der Tuer haengend, mit einem Fuss auf dem Trittbrett und einer Hand an einem Griff, bis nach Kathmandu fahren. Da war nicht einmal mehr ein Platz auf dem Dach frei.

    Das Angbot mit den massgeschneiderten Klamotten haettest du aber annehmen sollen, nach Verhandlungen natuerlich. Wir beide haben z.B. unsere Hochzeitskleid und Anzug von dort mitgenommen. Ich glaube, mein Anzug hat 15 Dollar und das Kleid meiner Frau knapp ueber 20 Dollar gekostet. Dafuer haetten wir hier nicht einmal die Tischdekoration auf der Hochzeitsfeier bekommen.

    Weiterhin gute Reise

  2. Andersreisender meint

    @rrhase: Danke für Deine Anti-Abzocke Tipps! Es gibt ja wirklich viele Möglichkeiten dagegen anzukämpfen. Mein Beitrag ist da auch gar nicht als vollständige Auflistung gedacht. Wäre aber vielleicht eine gute Idee, mal eine lange Liste zu machen.

    Um den Schleppern zu entkommen gehe meistens mit “no, no, no” aus dem Bahnhof raus und bahne mir meinen Weg zu den “Öffis”. Klappt ganz gut. Mein Vertrauen ist aber auch von Land zu Land – oder noch besser von Stadt zu Stadt – zu den Menschen unterschiedlich. Gelegentlich meinen sie es ja auch wirklich gut mit einem – und da war ich dann froh, dass ich letzten Endes doch ihrem Rat gefolgt bin. ;-)

    Ich glaube, es gehört einfach einiges an Bauchgefühl beim Reisen dazu. Und die Situation ist ja wirklich von Ort zu Ort unterschiedlich. Manchmal sagt dann der Bauch leider nicht ganz das Richtige – ich kann Deine Situation in Nepal gut nachvollziehen.

    Mit dem harten Verhandeln tu ich mir da schon wesentlich schwerer. Ich habe mir übrigens in Hoi An einen Anzug gekauft (Beitrag kommt noch) aber die Preise sind deutlich gestiegen… (auch für gute Verhandler).

  3. Vietnam ist das einzige Land, von welchem ich frühzeitig, bereits nach einer Woche abreiste – regelrecht flüchtete. Die aufdringlichen Typen und Abzocker waren einfach nicht mehr auszuhalten und haben meine backpacker-Reise vermiest. Die Landschaft hab´ ich in traumhafter Erinnerung. Dennoch: nie mehr Vietnam!

  4. Andersreisender meint

    – Joachim: Oha – war es so arg bei Dir mit der Abzocke? Also, von den “Anfangsschwierigkeiten” habe ich in diesem Blogbeitrag ja ausführlich erzählt, aber mittlerweile habe ich das Land liebgewonnen. Vielleicht gibt`s für Vietnam ja mal einen zweiten Versuch?

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