Gebirgsbahn: Mit dem Zug von Belgrad nach Bar

(Update: 9.6.2018) Der kürzeste Weg von Belgrad an die Adria verläuft durchs unwegsame Dinarische Gebirge. Spätestens ab der Grenze zu Montenegro führt die Strecke entlang unwegsamer Canyons, durch Tunnels und über die höchste Eisenbahnbrücke Europas.

Sind die Sehenswürdigkeiten in Belgrad abgegrast, wird es wieder Zeit zur Weiterfahrt. Einen ersten Vorgeschmack auf die zum Teil abenteuerlichen Verhältnisse beim Zugfahren in Serbien habe ich bereits im Nachtzug Budapest – Belgrad bekommen.

Jugoslawische Gebirgsbahn

Diesmal geht die Reise aber mit dem Tagzug weiter. Eine der spektakulärsten Gebirgsbahnen Europas führt von der Serbischen Hauptstadt Belgrad in die Hafenstadt Bar an der Adria in Montenegro.

Für die 476 Kilometer lange Bahnstrecke sollten Reisende aber viel Zeit mitbringen. Laut Fahrplan dauert die Zugfahrt etwas mehr als 11 Stunden. Oft sind es aber zwölf, dreizehn oder noch mehr Stunden Fahrzeit. Früher, bei besserem Streckenzustand, war ein Zug nach sieben Stunden am Endbahnhof.

Bild: Belgrad-Bar Eisenbahn - Bahnhof Bar

Positiv denkende Bahnreisende freuen sich über die lange Fahrzeit – so bekommt man ein längeres Bahnreiseabenteuer fürs gleiche Geld.

Die Bahnstrecke durchs Dinarische Gebirge wurde erst 1976 fertiggestellt und zählt zu den Prestigeprojekten des ehemaligen Jugoslawiens. Mit der Bahnstrecke wollte man eine direkte Verbindung von der Hauptstadt Belgrad an der Donau an die Adria schaffen. Der Großteil der Strecke verläuft durch Serbien und Montenegro, knapp zehn Kilometer führen durch bosnisches Gebiet.

Die meisten und längsten der 254 Tunnel und 435 Brücken auf der Bahnstrecke liegen in  Montenegro, das seit dem Jahr 2006 von Serbien unabhängig ist. Fast ein Viertel der Gesamtstrecke Belgrad – Bar verläuft im Tunnel. Zusammengerechnet sind die Tunnel 114 Kilometer lang. Mateševo ist auf 1.032 Metern Seehöhe der höchste Punkt der Gebirgsbahn.

Höchste Eisenbahnbrücke Europas

Die bunten Herbstwälder werden Richtung Westen vom schroffen Karst abgelöst. In 198 Metern Höhe überquert der Zug auf der höchsten Eisenbahnbrücke Europas das tief eingeschnittene Tal. Der 498 Meter lange Mala-Rijeka-Viadukt wirkt in der kargen Landschaft gut getarnt in den gleichen Farbtönen wie die Umgebung. Den Reisenden bietet sich ein weiter Blick ins Land der Schwarzen Berge, bevor der Zug im nächsten Tunnel verschwindet.

Der steil abfallende Canyon weitet sich langsam zu einem breiten Tal. Bis in die Hauptstadt Podgorica führt die Reise entlang des Steilhangs ständig bergab.

Skutarisee

Eines der Highlights der Bahnreise ist der Skutarisee. Die Bahnstrecke führt über einen Damm quer über den See vorbei an einer verfallenen, türkischen Festung. Im Bahnhof Virpazar halten Regionalzüge, von hier sind es nur wenige Gehminuten in das gleichnamige Dorf.

Bild: Bahndamm der Belgrad-Bar-Eisenbahn über den Skutarisee

Bahndamm der Belgrad-Bar-Eisenbahn über den Skutarisee

Der Zug ist auf den letzten Kilometern seiner langen Reise Richtung Meer. Durch den über sechs Kilometer langen Sozina-Tunnel erreicht der Zug an der Küste seinen Endbahnhof.

Am besten plant man diese Bahnreise in den Sommermonaten, wenn es bis spät am Abend hell ist. Nur dann kann die spektakuläre Strecke komplett bei Tageslicht genossen werden – nicht zu viel Verspätung vorausgesetzt. Das Video wurde auf der Fahrt von Podgorica Richtung Belgrad mit der Casio Exilim EX ZX-200 Digitalkamera gedreht.

Verspätung an der Tagesordnung

Auf ungeplante Stopps und große Verspätungen sollten Bahnreisende vorbereitet sein. Die Elektrolokomotive samt Zug von einer vorgespannten Diesellok gezogen, kommt der Zug schon mit über 90 Minuten Verspätung in Podgorica an. Eine festgefahrene Bremse verzögert die Fahrt weiter, sie wird später an der Grenze zwischen Montenegro und Serbien komplett ausgetauscht.

Mit 140 Minuten Verspätung kommt der Zug am Abend in Belgrad an. Allerdings nicht wie geplant am Hauptbahnhof sondern in Novi Beograd, im Neubaugebiet. Nach dem Umspannen der Lok geht die Fahrt dann in die Gegenrichtung weiter. Fast drei Stunden zu spät ist der “Tara” in Belgrad am Ziel.

Warum der Zug im falschen Bahnhof in Belgrad ankommt und die große Verspätung interessieren die Fahrgäste nicht. Sie nehmen die ungeplanten Stops gelassen, nützen die Zeit für einen Plausch und rauchen am Bahnsteig eine Zigarette. Minutenreiten und Aufregung bringen auch Reisende mit westlichem Zeitgefühl nicht weit – man sollte es besser den Einheimischen gleichtun.

Reisetipps für die Belgrad – Bar Eisenbahn:

  • Genügend Zeit und Umsteigezeit einplanen – große Verspätungen!
  • Die Fahrkarte für die Strecke Belgrad – Podgorica kostet zB. € 19,20 und ist direkt am Bahnhof erhältlich. 15 % Ermäßigung bei der grenzüberschreitenden Fahrt mit Rail Plus (zB. mit ÖBB Vorteilscard, DB Bahncard, Halbtax).
  • Fahrpläne für die internationalen Züge sind im internationalen Internet-Fahrplan z.B. von DB, ÖBB und SBB zu finden. Die Station Bar als Bar(MNE) eingeben. Fahrpläne für Regionalzüge in Montenegro sind nur auf der Website der Eisenbahn Montenegros in englischer Sprache verfügbar.
  • Die Gebirgsstrecke in Montenegro lässt sich auch mit dem Regionalzug erleben. So kann man z.B. am Nachmittag die attraktive Strecke bei Tageslicht erleben und dann ab Bijelo Polje mit dem Nachtzug weiter nach Belgrad reisen.
  • Taschenlampe mitnehmen – in den Toiletten funktioniert die Beleuchtung häufig nicht. Kein Toilettenpapier und keine Seife vorhanden.
  • Im Barwagen (“Speisewagen” wäre übertrieben) werden Getränke und Kaffee verkauft. Reiseproviant selbst mitbringen.
  • Die Fenster lassen sich in vielen Waggons nicht oder nur einen kleinen Spalt zum Fotografieren öffnen.
  • Raucher treffen sich im Eingangsbereich am Wagenende oder im Barwagen.
  • Wichtige Tipps fürs Zugfahren in Serbien und Montenegro habe ich Dir in diesem Beitrag zusammengestellt.

.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 20.11.2012 veröffentlicht und zuletzt am 9.6.2018 aktualisiert.

Kommentare

  1. Von Belgrad mit der Gebirgsbahn schnur stracks zur nächsten Bar! :D Na dann Prost, guter Andersreisender!

  2. Wirklich interessante Orte die man auf der Tour sieht.
    Würde ich gerne mal machen, wenn man denn die Zeit dafür findet ;P
    Und sehr hilfreich, dass es sogar Tipps für die Reise im Zug gibt :)

  3. Süd-Ost Europa ist für uns West-Europäer ein völlig unbekanntes Gebiet. Wir haben immer noch Vorurteile, dass es dort ziemlich gefährlich ist, was ja größtenteils gar nicht stimmt! Danke Gerhard, dass du diese Vorurteile vernichtest!!

  4. Zeit und Muse muss man hier wohl zwingend mitbringen um diese Strecke zu befahren. Hierzulande kaum vorstellbar – ich könnte damit gut leben bei den Eindrücken die man serviert bekommt. Sehr schöner Bericht!

  5. Hallo, nachdem ich den Beitrag gelesen habe und das Video angeschaut habe, hat es mich gepackt! Steht nun auf meiner ToDo liste ;-) Vielen Dank Miri

  6. Du stehst echt auf Züge, oder? Ich fahre nächstes Jahr mit einem besonderen Zug, und du bekommst hier einen Gastartikel davon! Versprochen!

    Gruß
    Matthias

  7. Mac, der Glacier Express?! ;)

  8. Nein, Alex. ;-) aber wäre möglich!

    Nein, der Blue Train! Jetzt kannste mal schauen!

  9. Oha, der feine Herr fährt nach Südafrika?! :D
    Nachgeholte Flitterwochen? ;)
    Na dann bin ich ja schon einmal jetzt gespannt auf deinen Gastartikel dazu!

  10. Wau, erwischt! ;-)

    Und ja auf den kannst du auf jeden Fall gespannt sein! ;-)

    Erfolgreiche Woche

    Matthias

  11. Andersreisender meint:

    @Animeo: Bitteschön, gern geschehen!

    @Johannes: Ich finde Osteuropa (auch wenn mans jetzt nicht “pauschal” nehmen kann) grundlegend nicht gefährlicher als im Westen. Wenn man sich auf ein kleines Abenteuer einlässt und ein bisschen auf Land und Leute vorbereitet ist die Reise dort hin kein Problem.

    @Thomas: So entspannt ich die Sache während der Reise auch nehme – zu Hause bin ich dann doch wieder etwas mehr unter Zeitdruck. In der letzten Sekunde am Bahnhof zum Einsteigen, knapp kalkulierte Umsteigezeiten, beim Arbeiten alles zackig organisiert… Ich glaube, das gibt das Leben rund um einen herum schon vor, dass man mit dem Thema Zeit hier ganz anders umgeht.

    @Miri: Na dann frisch ans Werk und von der “ToDo-Liste” in die Tat umsetzen und mit dem Zug von Belgrad nach Bar “sausen”. :-)

    @Matthias und @Alex: Ah! Da brauch’ ich gar nicht weiter nachfragen – nun weiß ich Bescheid. :-) Super, dass Du so eine Hochzeitsreise machst. Da haben wir alle was davon, gerne veröffentliche ich einen Gastartikel. Wann soll es denn losgehen?

  12. @Andersreisender:

    Da haben wir noch etwas Zeit! Ende des nächsten Jahres! ;-)

    Gruß und erfolgreiche Woche
    Matthias

  13. Andersreisender meint:

    @Matthias: Alles klar – das dauert dann noch ein bisschen. Dankeschön, Dir auch einen guten Start in die Woche! :-)

  14. Die schönste Zugfahrt Europas! Ich bin nur die Strecke von Podgorica nach Kolasin gefahren, aber auch das war schon wunderschön: https://mosereien.wordpress.com/2015/01/11/mit-dem-zug-durch-montenegro/ Am liebsten wäre ich ein paar Mal hin und her gefahren, nur um aus dem Fenster zu sehen. Zu teuer wäre es ja nicht.

  15. Andersreisender meint:

    – Andreas: Ja, die Fahrt ist absolut beeindruckend! Ein eher unbekanntes “Juwel” bei den Bahnreisen in Europa. :-)

  16. Dein Reisebericht hat mich zu dieser Reise angeregt. Es wurde eine Bahnfahrt von Amstetten über Salzburg nach Zagreb – Sarajevo – Mostar und dann mit dem Bus nach Dubrovnik und weiter nach Bar. Die Strecke Bar – Belgrad war, wie in deinem Bericht beschrieben, einer der Höhepunkte. Großartige Landschaft – herrliche Ausblicke.
    An alle die diese Reise auch erleben wollen, bitte dringend eine Reservierung vornehmen. Der Zug war zu 120% ausgelastet. Ohne Reservierung wirst du aus dem Abteil gebeten.
    Über Belgrad, Budapest ging meine Fahrt nach Hause.

  17. Andersreisender meint:

    – Ernst: Ich freue mich, dass ich Dir Anregungen für diese spannende Bahnreise durch Serbien und Montenegro bieten konnte. :-) Danke für Deinen Tipp mit der Reservierung, auf der Strecke von Belgrad nach Bar bzw. umgekehrt ist offenbar gerade sehr viel los.

  18. Hallo Ernst und natürlich auch all die anderen,

    wir wollen Ende August von Belgrad nach Bar fahren (bis Belgrad fliegen wir). Weiß von Euch jemand wo ich bereits im Internet Tickets bestellen und eine Reservierung tätigen kann? Das ist mir weder auf der Seite der serbischen, montenegrischen Bahn, noch DB oder ÖBB gelungen.

    Falls es übers Internet nicht geht: Wir sind 3 Tage in Belgrad, da sollte ja auch dort am Bahnhof noch eine Reservierung möglich sein? Wir können allerdings kein serbisch.

    Danke Euch schon mal.

    Grüße…
    Rudi

  19. Hallo, ,,wir können allerdings kein serbisch“
    wozu serbisch können, es gibt doch Smartphons und Übersetzer bzw daheim vorbereiten und ausdrucken. Ich bin schon ohne Fremdsprachen durch Asien geträmmt.
    Im März geht es nach Sofia, Palästina und Montenegro. Grüssle aus dem Badner Land Jens.

  20. Andersreisender meint:

    – Jens: Natürlich kann man ohne Kenntnis der Landessprache auch reisen. Ich mache das auch immer wieder – “mit Händen und Füßen” und etwas Vorbereitung kommt man auch ganz gut weiter. Die Übersetzer finde ich aber eher krampfig, bei manchen Sprachen funktionieren sie überhaupt nicht recht. Erst gestern hat mir wieder jemand ein Smartphone mit Übersetzung unter die Nase gehalten und ich dachte nur “was willst Du mir damit sagen?”. Viel Spaß bei der Reiseplanung für Serbien und Montenegro & allzeit gute Reise! :-)

  21. Hallo, du hast recht mit den Übersetzer, es ist eine schlechte Lösung, weil die Gramatik nicht stimmt. Es ist nur eine kleine Hilfe. Bis jetzt hat er immer weiter geholfen. Grüssle Lens.
    Ps. über ein Eintrag in mein Gästebuch freue ich mich.

  22. Andersreisender meint:

    Ich freue mich, dass der Übersetzer beim Reisen immer gut weitergeholfen hat. Man darf sich halt nicht zu viel erwarten. Kennst Du übrigens das “OhneWörterBuch“? Damit hatte ich auch schon meinen Spaß. :-)

Wie ist Deine Meinung zum Thema? Hinterlasse einen Kommentar!

*

Mit einem Freund teilen