22: Abstecher nach Donghae in Süd Korea

Mit drei­stün­di­ger Ver­spä­tung le­gen wir mit der “Eas­tern Dream” im Ha­fen von Dong­hae in Süd Ko­rea an. Je­ne Pas­sa­gie­re, die nach Ja­pan wei­ter­rei­sen, dür­fen – ent­ge­gen ers­ter In­for­ma­tio­nen – nun doch  in Dong­hae von Bord ge­hen. Das freut mi­ch und die an­de­ren Rei­sen­den sehr. Am Schiff be­fin­den si­ch ne­ben mir no­ch wei­te­re deutsch­pra­chi­ge Pas­sa­gie­re. So ha­be ich mi­ch letz­ten Abend be­reits mit Tho­mas, dem Wel­ten­rad­ler bes­tens un­ter­hal­ten. Er fuhr mit dem Fahr­rad von Deutsch­land bis Wla­di­wos­tok.

Auch zwei Schwei­zer Pas­sa­gie­re sind an Bord. Ken­zo und Mat­thi­as sind wie ich mit der Trans­sib bis Wla­di­wos­tok ge­fah­ren und wer­den nun no­ch ei­ni­ge Wo­chen in Ja­pan blei­ben. Ken­zo hat ja­pa­ni­sche Wur­zeln und wird ei­ni­ge Ver­wand­te be­su­chen.

Und dann le­gen auch no­ch drei ab­so­lu­te Ei­sen­bahn-Fans oder bes­ser -Pro­fis in Dong­hae  ei­nen Zwi­schen­stopp ein: Si­gi, Joos und Hor­st. Al­le drei ar­bei­ten bei der Bahnagen­tur Gleis­nost in Frei­burg. Joos ken­ne ich ei­gent­li­ch schon vom Te­le­fon. Wie es der Zu­fall so will, ha­be ich die Fahr­schei­ne für das er­s­te Teil­stück mei­ner Trans­sib-Rei­se 2009 bei ihm ge­kauft.

Auch wenn wir er­st mit­ein­an­der von Bord ge­hen wol­len, ver­lie­ren wir uns ziem­li­ch schnell bei den ver­schie­de­nen Kon­trol­len. Dar­um ma­che ich mi­ch al­lein auf den Weg durch die Ha­fen­stadt Dong­hae.

Keine großartigen Sehenswürdigkeiten

Ei­gent­li­ch gibt es kaum et­was Auf­re­gen­des in der Ha­fen­nä­he zu se­hen. Zu­min­dest nicht in­ner­halb von drei Stun­den. Es ist ex­trem heiß, trotz­dem wa­ge ich in der Mit­tags­hit­ze ei­nen klei­nen Bum­mel. Wahr­schein­li­ch ha­ben si­ch al­le Be­woh­ner in ih­ren Häu­sern ver­steckt, es ist kaum je­mand auf der Stra­ße zu se­hen. Bei mei­nem Spa­zier­gang kom­me ich er­st an ei­ner Kir­che vor­bei. Gibt es hier Ka­tho­li­ken oder evan­ge­li­sche Gläu­bi­ge?

Kirche in Donghae - Korea

Da die­ser Zwi­schen­stopp in Ko­rea nicht ge­plant war, ha­be ich mi­ch über die­ses Land und sei­ne (Alltags)Kultur kaum in­for­miert.

Bis vor we­ni­gen Stun­den wuss­te ich zB. auch nicht, dass Wong die Wäh­rung von Süd Ko­rea ist.  An­de­rer­seits ist es auch ein­mal span­nend, oh­ne gro­ße Vor­be­rei­tung die Ei­gen­hei­ten ei­ner Stadt oder ei­nes Lan­des ken­nen zu ler­nen. So schei­nen Ko­rea­ner ger­ne scharf zu es­sen, wie man hier am Geh­weg sieht.

Chilli in Donghae - Süd Korea

Ge­ne­rell fällt mir auf, dass das Ge­mü­se bis zum Stra­ßen­rand ge­pflanzt wird. Da­bei han­delt es si­ch nicht um gro­ße Äcker son­dern um die Haus­gär­ten.

Gemüsegarten Donghae - Süd Korea

Die Stra­ße führt di­rekt zum Bahn­hof von Dong­hae. Un­mit­tel­bar da­vor gibt es ein Spei­se­lo­kal – mit dem sel­ben Na­men, aber in deut­scher Spra­che.

Bahnhof in Donghae - Süd Korea

Hier schei­ne ich im Zen­trum von Dong­hae zu sein. Oder ist es doch nur das Ha­fen­vier­tel? Ich wech­sel ein paar Wong in ei­ner Bank und be­su­che ein Cafè. Dort ist die Kli­ma­an­la­ge auf “Si­bi­ri­en” ein­ge­stellt.  Ich kann mi­ch nun zwi­schen der ex­tre­men Mit­tags­hit­ze und der Ei­ses­käl­te ent­schei­den. Ein stän­di­ges Wech­sel­bad der Tem­pe­ra­tu­ren.

Zentrum Donghae - Süd Korea

Ei­ni­ge klei­ne Ge­schäf­te ha­ben trotz feh­len­der Kund­schaft ge­öff­net. In ei­nem klei­nen La­den kau­fe ich Was­ser und ei­ne “No­tra­ti­on” fürs Schiff ein. Die Kin­der ha­ben mit mir “Lang­na­se” ei­nen Rie­sen­spaß und freu­en si­ch, dass die Ma­ma sie das Geld von mir kas­sie­ren lässt.

Dann ent­de­cke ich vor ei­nem an­de­ren Ge­schäft die Ver­wand­ten des ge­trock­ne­ten Tin­ten­fi­sches, den ich ges­tern zum Bier ge­ges­sen ha­be.

Getrockneter Fisch in Donghae, Süd Korea

Of­fen­sicht­li­ch kön­nen auch an­de­re Mee­res­tie­re – ich den­ke, es sind Ro­chen – ge­trock­net wer­den. Ich ha­be je­den­falls für die nächs­te Zeit ge­nug von den ge­trock­ne­ten Tie­ren. Mei­ne Zahn­häl­se schmer­zen heu­te bei je­dem Biss und ein­zel­ne Fa­sern ste­cken trotz Zahn­sto­cher und In­ten­siv­be­hand­lung no­ch in den Zahn-Zwi­schen­räu­men. Da ha­be ich no­ch län­ge­re Zeit et­was da­von. 😉

Zurück zum Hafen

Nach­dem bei der ex­tre­men Hit­ze ein Stadt­bum­mel nicht son­der­li­ch Spaß macht und das Zen­trum so­weit “ab­ge­grast” ist, ma­che ich mi­ch auf den Weg zu­rück zum Schiff. Ken­zo war­tet be­reits beim Ha­fen­ein­gang und er­klärt mir, dass wir nicht vor 16 Uhr zu­rück aufs Schiff dür­fen. Al­so heißt es ab­war­ten und ge­kühl­ten Kaf­fee aus dem Au­to­ma­ten trin­ken.  We­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter kom­men auch schon die an­de­ren “Aus­stei­ger” zu­rück zum Ha­fen.

Gratis W-LAN am Hafen

Ich bin über­rascht, als ich auf mei­nem Lap­top ei­nen kos­ten­lo­sen In­ter­net-Zu­gang per W-LAN ent­de­cke. Die idea­le Ge­le­gen­heit, schnell wie­der ei­nen Rei­se­be­richt fürs Rei­se­ta­ge­buch zu ver­öf­fent­li­chen. Es gibt je­den Tag ex­trem viel zu er­le­ben und nur we­nig Zeit für den Lap­top. Auch Abends bleibt kaum Zeit fürs Blog­gen. Au­ßer­dem be­nö­ti­ge ich da­zu ei­nen In­ter­net-Zu­gang, der ge­n­au dann nicht zur Ver­fü­gung steht. Schnell schrei­be ich ein paar Zei­len am Lap­top – da klin­gelt auch schon mein Han­dy-We­cker: Zeit fürs 16-Uhr-Bli­ck-in-die-Welt-Fo­to, heu­te vom Ha­fen in Dong­hae.

WiFi am Hafen in Donghae

Aktueller Stand um 16 Uhr:

Ort: Ein­gang zum Ha­fen in Dong­hae

Pro­vinz: Gang­won-do

Land: Süd Ko­rea

Wet­ter: Ex­tre­me Hit­ze, wol­ken­los, rd. 35 Grad.

Zeitverschiebung:

Zur Mit­tel­eu­ro­päi­schen Som­mer­zeit in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz be­trägt der Zeit­un­ter­schied + 7 Stun­den. Steht in Dong­hae die Uhr auf 16 Uhr ist es in Mit­tel­eu­ro­pa er­st 9 Uhr. In Süd Ko­rea gibt es kei­ne Som­mer­zeit.

Gemütlicher Abend

Zu­rück an Bord stär­ke ich mi­ch er­st an ei­nem Ko­rea­ni­schen Buf­fet. Der sehr lus­ti­ge Abend wird groß­teils ge­mein­sam mit Si­gi, Joos und Hor­st am Aus­sichts­de­ck ver­bracht.

Weitere Beiträge zur Transsibirischen Eisenbahn

Mit die­sem Rei­se­be­richt en­det der er­s­te Teil mei­nes Rei­se­ta­ge­buchs. Al­le Bei­trä­ge über Russ­land und die Trans­si­bi­ri­sche Ei­sen­bahn sind chro­no­lo­gi­sch ab­stei­gend in der Ka­te­go­rie Rei­se­be­rich­te Russ­land 2010 zu fin­den.

So­bald et­was mehr Zeit ist wer­de ich auch no­ch ein In­halts­ver­zeich­nis ge­stal­ten. Au­ßer­dem sind no­ch zwei wei­te­re Bei­trä­ge mit spe­zi­el­len In­for­ma­tio­nen zur Trans­si­bi­ri­schen Ei­sen­bahn ge­plant. An­ge­sichts der Zeit­not beim Füh­ren des Rei­se­ta­ge­buchs wer­den die­se Bei­trä­ge er­st spä­ter ver­öf­fent­licht.

Die kommende Nacht werde ich hier verbringen:

DBS-Fäh­re Eas­tern Dream am Weg von Dong­hae in Süd Ko­rea nach Sakai­mi­na­to.

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