Transsib (20): Große Mauer & Peking III

Mon­tag, 16. Fe­bru­ar 2009

Ich quae­le mi­ch mit dem Bus 691 zum Bei­jing Nord­bahn­hof. Das ist der Treff­punkt fu­er die Fahrt zur “Great Wall” – der “Chi­ne­si­schen Mau­er”. Un­ter an­de­rem sol­len die Back­pa­cker da­bei sein, mit de­nen ich ge­mein­sam von Ula­an­baa­tar nach Pe­king ge­fah­ren bin.

Die Fahr­kar­te ha­be ich be­reits ges­tern ge­kauft, da­her ver­laeuft das “Ein­che­cken” am Bahn­hof et­was schnel­ler. Ich wei­se mei­ne Fahr­kar­te vor, so kom­me ich ue­ber­haupt ins Ge­ba­eu­de. Dann Si­cher­heits-Check – Ruck­sack durch­leuch­ten. Ich se­he mi­ch in der War­te­hal­le um, doch ich ent­de­cke lei­der nie­mand Be­kann­ten. Mein Zug steht be­reits auf der Ab­fahrts­ta­fel – um 11:08 Uhr ist Ab­fahrt.

Beijing - Nordbahnhof

Al­so ge­he ich durch ei­ne wei­te­re Kon­trol­le hin­aus auf die Bahn­stei­ge. Mei­nes Er­ach­tens ist der Bahn­hof ex­trem ue­ber­di­men­sio­niert. Es steht nur un­ser und no­ch ein an­de­rer Zug am Bahn­steig. Es ist ein wei­ter Weg, bis man tatsa­ech­li­ch beim Ein­gang in den Zug ist (ganz rechts im Bild, ganz klein ist un­ser Zug zu se­hen)

Beijing - Nordbahnhof

 Im Zug in den rich­ti­gen Wag­gon ein­ge­stie­gen – es gibt auch auf so kur­zen Stre­cken Platz­kar­ten – ent­de­cke ich Vic­to­ria und Lars aus Schwe­den. Sie sind eben­falls ver­wun­dert, wo die an­de­ren blei­ben. Wir fah­ren ab und er­hal­te von Ca­ro­li­na ei­ne SMS. Ih­nen wur­de am Schal­ter mit­ge­teilt, dass der Zug voll ist. Wir sit­zen al­ler­dings fast al­lein im Gross­raum­wa­gen. Sie sind wohl eher zu spaet dran ge­we­sen, ver­mu­ten wir – dar­um gab es kei­nen Ein­lass mehr. Vom Ein­gang bis zum Zug sind bei mir fast fu­en­f­zehn Mi­nu­ten ver­gan­gen.

Die Wa­e­gen sind kom­for­ta­bel. Wir ver­las­sen Pe­king und er­rei­chen bald die Ber­ge. Hier fah­ren wir mit nur 40 bis 50 km/h auf der nicht elek­tri­fi­zier­ten Stre­cke Rich­tung Ba­da­ling. auf Mo­ni­to­ren wird man be­reits auf die Mau­er ein­ge­stimmt – und zur Ab­wechs­lung wie­der mit dem The­ma “Olym­pia 2008” be­duselt. An­schei­nend ist Olym­pia hier et­was Nach­hal­ti­ger als die Eu­ro 2008 in Salz­burg. OK – ist ja noch­mals ei­ne an­de­re Li­ga…

Zug Beijing - Badaling

Die Ver­bin­dung mit den neu­en Zue­gen nach Ba­da­ling wur­de er­st 2008 ero­eff­net. Am Bahn­hof an­ge­kom­men, wer­den wir gleich von Ta­xi­fah­rern be­la­gert. Nach­dem die Mau­er nicht in Sicht­wei­te ist und 20 Yuan auch nicht “die Welt” sind, ent­schei­den wir uns fu­er ein Ta­xi. Die Stre­cke wa­e­re auch in 10 Mi­nu­ten zu Fuss zu­ru­eck­zu­le­gen ge­we­sen. Beim Ru­eck­weg sind wir ge­schei­ter…

Dann wird die na­echs­ten Stun­den die Mau­er er­klom­men. Hier ein paar Bil­der – die De­tails da­zu in Wi­ki­pe­dia.
Große Mauer - Badaling - China
Große Mauer - Badaling - China
Große Mauer - Nähe Badaling - China
Wie­der mal wer­den wir nach dem “ob­li­ga­to­ri­sche Fo­to” fu­er Asia­ti­sche Tou­ris­ten ge­fragt. Was gibt es scho­ene­res fu­er sie als 2x Bart (sel­ten in Asi­en), 1x 1,90 m gross und 1x blon­des Ma­ed­chen. Na­tu­er­li­ch gibt’s auch fu­er mi­ch ein Bild, bit­te­scho­en.

Große Mauer - Badaling - China

 Heu­te wur­de ich al­ler­dings nur ein­mal zum Fo­to­ter­min ge­be­ten – es wer­den doch nicht et­wa an­de­re, gross­ge­wach­se­ne Eu­ro-Tou­ris­ten in Pe­king und Um­ge­bung un­ter­wegs sein?

Wir ver­brin­gen den gan­zen Nach­mit­tag auf der “Mau­er” und ma­chen uns ge­gen Abend auf den Heim­weg. Wie­der ei­ne Quae­le­rei durch den Abend­ver­kehr – dies­mal brau­che ich mehr als ein­ein­halb Stun­den mit dem Bus vom Nord­bahn­hof zur Woh­nung.

Be­reits beim Oeff­nen der Tue­re rie­che ich, dass Lee Schu Pin gut ge­kocht hat. Ich ha­be ei­nen Bae­ren­hun­ger, weil ich tagsu­e­ber nichts be­son­ders ge­ges­sen ha­be. In Ba­da­ling liess si­ch ei­gent­li­ch auch nichts “Auf­re­gen­des” zu es­sen auf­trei­ben.

Lee Schu Pin ist al­lein zu Hau­se, da­her wird heu­te zu zweit ge­spei­st. Es gibt als Ba­sis du­en­ne Band­nu­deln, die aber die Di­cke un­se­rer Spaetz­le aus der Pa­ckung ha­ben. Dann kann man leicht ge­du­ens­te­tes Ge­mu­e­se, u.a. Ka­rot­ten und Stan­gen­sel­le­rie, so­wie ro­he Erd­nues­se und auch ro­he Knob­lauch­ze­hen da­zu­mi­schen. Oben dru­e­ber kommt dann et­was Sau­ce aus Schwei­ne­flei­sch, die sehr in­ten­siv im Ge­schmack ist. Die Sau­ce sieht auf den ers­ten Bli­ck aus wie Gu­lasch. Von den Knob­lauch­ze­hen beisst man im­mer wie­der ein biss­chen ab.

Lee Schu Pin sieht mir zu und laechelt, da ich die Schu­es­sel nach “Eu­ro­pa­ei­schem Stan­dard” vor mir ste­hen ha­be. Sie zeigt mir, wie ich die Schu­es­sel pas­send zum Mund hal­te und dann die Nu­deln ge­raeusch­voll in mi­ch hin­ein sau­ge. Na geht doch – man muss nur die Tisch­ma­nie­ren ver­ges­sen…

Al­les su­per­le­cker. Zum Schluss wer­den die Res­te in der Schu­es­sel mit heis­sem Was­ser auf­ge­gos­sen – so hat man dann auch die Sup­pe zum “nach­s­pu­elen”. Oh­ne Lo­ef­fel na­tu­er­li­ch – die Sup­pe wird ge­trun­ken. Und al­les, was nicht von selbst in den Mund flutscht, wird mit den Sta­eb­chen nach­ge­scho­ben. Ich wer­de die­se Tech­nik das na­echs­te mal bei uns im Chi­na-Re­stau­rant pro­bie­ren – ob man mi­ch hin­aus­wirft?

Dann kom­men ge­gen 20:30 Uhr auch Va­ter und Sohn nach Hau­se. So ha­ben wir end­li­ch Ge­le­gen­heit zu ei­nem “le­ge­ren” Fa­mi­li­en­fo­to.

Gastfamilie in Beijing

Chi­ne­sen laecheln nicht gern auf Fo­tos – al­so don’t worry – wir ver­ste­hen uns trotz­dem gut! 😉

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