Rumänien 2009 (9): Verzauberte Welten

Mitt­woch, 22. Ju­li 2009

In den klei­nen Pen­sio­nen in Ru­mä­ni­en lässt man den Gast nicht hung­rig au­ßer Haus ge­hen. Auch lang­wei­lig soll es beim Früh­stück nicht wer­den, dar­um wer­den täg­lich an­de­re Va­ria­tio­nen ser­viert. Heu­te be­steht das “Mor­gen­mahl” aus Plas­tik-Wurst (ge­nau ge­nom­men Frank­fur­ter Würst­chen mit ziem­lich har­ter Kunst­stoff-Pel­le), zwei ver­lo­re­nen Ei­ern, Schmelz­kä­se, Brot, To­ma­ten und Kaffee.

Da­nach dür­fen wir mit gut ge­füll­tem Ma­gen zum haus­ei­ge­nen Steg ge­hen, wo uns ein Boots­füh­rer zu ei­nem Aus­flug in die Tie­fen des Do­nau­del­tas abholt.

Donaudelta - Rumänien - Unser Bootsführer

Dies­mal ste­hen die Pe­li­kan­ko­lo­ni­en und ein Be­such in Mi­la 23 am Pro­gramm. Was sich wie ei­ne rus­si­sche Ge­heim­ba­sis an­hört, ist ei­gent­lich ein ver­steck­ter Ort im Do­nau­del­ta, der 23 See­mei­len fluß­auf­wärts vom Schwar­zen Meer ent­fernt liegt – zu­min­dest was die Rech­nung nach dem al­ten Lauf der Do­nau er­gibt. Durch die Be­gra­di­gung hat sich auch die Zäh­lung der See­mei­len ver­scho­ben – so gibt es heu­te am Su­li­na-Arm eben­falls ei­nen Ort, der an der 23. See­mei­le liegt.

Be­reits bei Cri­san bie­gen wir in ei­nen klei­nen Ka­nal ab und fin­den uns so­fort in ei­ner an­de­ren Welt wie­der. In ge­mäch­li­chem Tem­po tu­ckern wir über das spie­gel­glat­te Was­ser. Ei­ne bi­zar­re Zau­ber­welt tut sich auf, hier hat nur die Na­tur “das Sagen”.

Donaudelta - Rumänien

Donaudelta - Rumänien

Donaudelta - Rumänien

Or­ni­tho­lo­gen kön­nen die Viel­zahl an Was­ser­vö­gel wohl bes­ser be­nen­nen als wir. Uns freut al­lein der An­blick. Durch die Ka­nä­le ge­lan­gen wir im­mer wie­der zu neu­en Se­en, mal sind sie grö­ßer, mal sehr klein. Wir freu­en uns be­son­ders, als wir die ers­ten Pe­li­ka­ne erspäen.

Pelikane im Donaudelta - Rumänien

Die drei Pe­li­ka­ne zei­gen uns ih­re ele­gan­te Flug­tech­nik in ei­ner pri­va­ten Flugvorführung.

Dann macht un­ser Boots­füh­rer den Mo­tor aus und be­ginnt zu fi­schen. Es herrscht ei­ne un­wirk­li­che Stil­le. In un­se­rer lau­ten und hek­ti­schen Welt ist die­ses Ge­fühl, das man hier hat, nicht nach­voll­zieh­bar. Nach ein paar Mi­nu­ten glei­ten wir wei­ter durch die schma­len Ar­me und Ver­zwei­gun­gen des Donaudeltas.

Donaudelta - Rumänien

Seerosen im Donaudelta - Rumänien

See­ro­sen und gelb blü­hen­de Sumpf­dot­ter­blu­men (?) wach­sen, so weit das Au­ge reicht. Die Se­en sind ge­ne­rell sehr seicht und die Was­ser­pflan­zen wach­sen bis knapp un­ter die Wasseroberfläche.

Dann kom­men wir von ei­nem Ka­nal wie­der auf ei­nen gro­ßen See. Das glat­te Spie­gel­bild der Was­ser­ober­flä­che zeich­net un­wirk­li­che Muster.

Donaudelta - Rumänien

Durch schma­le Ka­nä­le steu­ern wir di­rekt auf Mi­la 23 zu. Wer sich dort ein ge­müt­li­ches Fi­scher­dorf er­war­tet, wird wahr­schein­lich ent­täuscht sein. Cri­san wirkt we­sent­lich sym­pa­thi­scher und au­then­ti­scher auf mich als Mi­la 23. Zwar ist der Ort klei­ner als Cri­san, aber es sind an ei­nem Fleck mehr Pen­sio­nen und Ho­tels zu se­hen. Für Fi­scher, Vo­gel­kund­ler und Na­tur­lieb­ha­ber ist der Ort den­noch ein zen­tra­ler Aus­gangs­punkt in die klei­nen Ka­nä­le des Donaudeltas.

Mila 23 im Donaudelta - Rumänien

Wir ma­chen in ei­ner rus­si­schen Knei­pe ei­ne Kaf­fee­pau­se. Auch hier lebt, wie in Le­tea, die rus­si­sche Min­der­heit der Li­powa­ner. Das Ra­dio spielt viel zu laut und na­tür­lich muß auch das Fern­seh­ge­rät ein­ge­schal­tet sein. An den Ti­schen sit­zen Jung und Alt bei­sam­men. Auch hier kann ich – wie auch schon an an­de­ren Or­ten im Do­nau­del­ta – be­ob­ach­ten, dass Son­nen­blu­men­ker­ne mit den Zäh­nen ge­knackt und dann ge­ges­sen wer­den. Ei­ne ty­pisch Rus­si­sche An­ge­wohn­heit. Man knab­bert die Ker­ne zum Zeit­ver­treib oder auch zum Bier.

Beim Weg zu­rück zu un­se­rem Boot se­hen wir noch ei­ne Art Bau­stel­len­schiff mit Misch­ma­schi­ne, Sand und Ze­ment – ei­ne “span­nen­de” Konstruktion.

Baustellenschiff in Mila 23 im Donaudelta - Rumänien

Dann bringt uns un­ser Füh­rer wie­der wohl­be­hal­ten zu­rück in un­se­re Pen­si­on in Crisan.

Bruni gönnt sich ei­ne ge­müt­li­che Sies­ta, wäh­rend ich et­was ge­nau­er das Le­ben un­term Stroh­schirm di­rekt beim An­le­ger beobachte…

Hin­weis: Lei­der kön­nen die ru­mä­ni­schen Schrift­zei­chen in die­sem Bei­trag nicht an­ge­zeigt werden.

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Die Sand­dü­nen von Letea

 

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Le­ben un­term Stroh­schirm
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Kommentare

  1. lol… Son­nen­blu­men­ker­ne mit den Zäh­nen kna­cken ha­be ich schon als Kind mit mei­nem Opa gemacht.

    Ich fin­de das so toll wie du das be­schreibst. Die Pe­li­ka­ne hät­te ich auch ger­ne gesehen…

  2. Dann ist es viel­leicht gar kei­ne Rus­si­sche son­dern ei­ne Ober­stei­ri­sche An­ge­le­gen­heit. 😉 Ich glau­be, ich muß mir mal auch drin­gend Son­nen­blu­men­ker­ne kau­fen und das mal aus­pro­bie­ren. Viel­leicht ist das ja ganz ent­span­nend. Wo­bei in Si­bi­ri­en ja die ver­schie­dens­ten Ker­ne ge­kaut wer­den. Beim Rei­se­ta­ge­buch-Ein­trag von Ir­kutsk kannst Du am vor­letz­ten Bild ei­nen sol­chen Stand se­hen. Die Spat­zen ha­ben der ar­men Ver­käu­fe­rin im­mer die Ker­ne sti­bitzt und sie hat dann wie wild mit ei­nem Stock um sich geschlagen 🙂

  3. -lach- wie cool. Ja kauf dir mal wel­che. Wenn du sie nicht magst sind sie auch noch sehr ge­fragt in di­ver­sen Vogelhäuschen 🙂

  4. dan­ke für dei­nen Be­such auf un­se­rem Blog.

    Ru­mä­ni­en ist ein Land, wo sich heu­te we­ni­ge et­was drun­ter vor­stel­len kön­nen. Um so dank­ba­rer ist man, wenn man per­sön­li­che Be­rich­te im Netz le­sen kann.

    lie­be Grüße

    Ini
    PS. werd wohl öf­ter hier mal lesen!

  5. @Arven: Ge­nau – der nächs­te Win­ter kommt bestimmt 🙂

    @Ini: Bit­te­schön – gern ge­sche­hen 🙂 Ich fin­de per­sön­li­che Be­rich­te aus ver­schie­de­nen Län­dern auch im­mer ei­ne Be­rei­che­rung. Auch bei der Ur­laubs­vor­be­rei­tung hilft das un­ge­mein, fin­de ich. Herz­lich Will­kom­men bei Andersreisen.net

  6. hal­lo Andersreisender,

    dan­ke für dei­ne Will­kom­mens­grü­ße hier auf dei­nem Blog.
    ich schau auch im­mer bei Ur­laubs­pla­nun­gen im Netz 

    lie­be Grüße

    Ini

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