Reisetagebuch: Fahrkarten-Kauf in Podgorica

Es ist beim Bloggen oft schwierig das passende Verhältnis zwischen Information und interessanter Geschichten für Reiseinteressierte zu finden. Mir ist besonders wichtig anderen Reisenden wertvolle Informationen für die eigene Reiseplanung hier im Blog zu geben. Außerdem freue ich mich Wochen oder Monate später die eigenen Beiträge wieder einmal durchzulesen und in den Erinnerungen zu schwelgen.

Viele meiner Reiseerlebnisse werden aber nicht im Internet veröffentlicht sondern nur im persönlichen Reisetagebuch festgehalten. Übers Reisetagebuch schreiben habe ich hier schon einmal im Blog berichtet. Ich finde es ist eine schöne Sache, seine Reiseerinnerungen per Hand in ein Büchlein zu schreiben. Nicht immer ist es bei mir ein ein schön gebundenes Tagebuch.

Auch der Kauf der Fahrkarte am Bahnhof in Podgorica wurde zu einem besonderen Erlebnis. Es sind die kleinen Details, die ich bei den Reiseerlebnissen mag.

Bild: Bahnhof Podgorica - Montenegro

Eigentlich, so denkt man, ist es nicht sonderlich kompliziert ein Ticket von Podgorica nach Belgrad zu kaufen. Der Ticket-Schalter am Bahnhof in Podgorica liegt in einer dunklen Halle. Grauer Boden, die Schalter sind mit einer Vollverglasung vom Besucherbereich abgetrennt. Bänder sollen den Besucherstrom der drei Kassen regeln. Es steht nur eine Person vor mir – ich wähle den zweiten besetzten Schalter.

Die Frau am Schalter ignoriert mich, bis sie ihre Arbeit vor sich beendet hat. Dann darf ich mein Anliegen vorbringen: Ich möchte ein Ticket von Podgorica nach Belgrad für den 21.10., Abfahrt 10:00 Uhr kaufen. Ich habe alles auf einen Zettel geschrieben und schiebe ihn durch den Schlitz zur Bahnmitarbeiterin. Inkl. dem Wort “Rail Plus” mit dem grenzüberschreitende Tickets billiger werden.

Zur Bestätigung für die Rail Plus Ermäßigung schiebe ich meine Vorteilscard (ÖBB mit Aufdruck Rail+) im Schlitz unter dem Fenster hindurch. Ich merke, dass die Ticketdame unsicher wird, sich aber nicht aus der Ruhe bringen lässt. Plötzlich steht sie auf und verschwindet.

Währenddessen kämpfe ich in der Fahrkartenhalle gegen die Wassermassen an. Eine Putzfrau hat einen Feuerwehrschlauch in der Hand und beginnt den Boden des gesamten Raumes zu fluten. Mir lässt sie eine kleine Insel frei – es ist aber nur eine Frage der Zeit bis auch die letzten schwarz-grau gesprenkelten Fliesen unter meinen Sohlen überschwemmt sind.

Als ich gerade im unebenen Boden eine kleine Erhebung, die noch halbwegs trocken ist, finde kommt die Ticketverkäuferin zurück. Mit einer Tasse randvoll mit Kaffee.

Dann wird im Schneckentempo ein neuer Fahrschein-Block geholt und einmal durchgefächert. Einmal tief durchatmen – das Problem “Rail+” und eine ÖBB VorteilsCard sind noch ungelöst. Also wird mit einer Seelenruhe erst einmal telefoniert.

Nach einem überraschend kurzen Telefonat kramt sie einen weiteren Fahrscheinblock hervor und füllt einen Ticket-Vordruck mit Durschlag aus. Bei den besonderen Vermerken trägt sie “Rail Plus” ein und die Nummer 05-17 17 von der Rückseite der VorteilsCard. Ich glaube, sie weiß nicht genau, was sie da tut. 05-17 17 ist nämlich die Telefonnummer der Kunden-Hotline der ÖBB. Ich muss mir ein Lachen verkneifen.

Der Vorteil – mit diesem Zusatz wird der Fahrschein um 30 % billiger! Statt € 19,20 um € 13,50 für die Strecke Belgrad – Podgorica. Eine Platzreservierung für 3,– wird zusätzlich ausgestellt. Ungefragt. Nein, will ich nicht. Wer weiß, wo der Platz dann ist. Wer weiß, ob man dann die Fenster dort zum Fotografieren öffnen kann.

Rechtzeitig bevor der Putztrupp meinen Standort erreicht schaffe ich es zu flüchten. Der Boden ist mit einer Schicht Schaum bedeckt – ob es da noch ein Entkommen gibt?

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Kommentare

  1. *lach* Also deine Handschrift hätte ich nur zum Teil entziffern können, aber die Geschichte mit der überfluteten Fahrkartenhalle und der Telefonnummer als Rail+ Nachweis finde ich sehr nett. ;-)

    Liebe Grüße
    Christina

  2. Bauer Vinothek meint

    Gut das du alles noch einmal abgetippt hast, sonst währe das witzige Erlebnis für mich leider nicht lesbar gewesen.
    Solche Erlebnisse sind es doch die den Urlaub, neben wunderbaren Landschaften, schön machen.

  3. Das nennt man “Anders reisen”, Gerhard. Oder?

  4. Schöne Handschrift! ;-)

    Gruß
    Matthias

  5. Hallo Gerhard, Deine Handschrift hätte ich nicht lesen können – muss mich da den Vorrednern anschließen. Wir haben es heuer leider nicht zur Adventveranstaltung geschafft, weil einfach so viel zu tun bzw. zu planen war.

    lg kathrin

  6. Andersreisender meint

    @Christina: Gut, dass es Arial gibt. ;-)

    @Bauer: Ja, ich mag solche Erlebnisse auch. Man schreibt sie leider viel zu selten auf.

    @Monika: Genau. :-)

    @Matthias: Dankeschön! Ich hoffe, Du konntest alles lesen. ;-)

    @Kathrin: Schade, dass Ihr beim Bummel nicht dabei ward. Aber wir sehen uns halt dann am Donnerstag. :-)

  7. Also nett so mit dem handgeschriebenen Zettel seine Erlebnisse aufzuschreiben. Aber dann musste die ja immer nochmal in den Compu tippen, sofern Du keine Schrifterkennungssoftware von IBM od. ähnliches verwendest. Warum nicht gleich in den Compu schreiben per Voice-2-Text Software z.B.? Überleg Dirs mal…

    Gruß
    Mike

  8. Andersreisender meint

    @Mike: Klar könnte man ein Reisetagebuch auch gleich in den Computer tippen oder einer Software diktieren. Aber ich finde, das “Erlebnis” ist einfach nicht dasselbe. Ich finde es einfach schön meine Gedanken auf Papier zu kritzeln, vielleicht dann auch noch eine Skizze dazu zu zeichnen u.s.w.. :-)

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