Kambodscha trauert: Das Begräbnis von König Sihanouk steht bevor

Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas, steckt mitten in den letzten Vorbereitungen der Begräbnisfeierlichkeiten für den Königsvater Norodom Sihanouk. Der beliebte Monarch starb am 15. Oktober 2012 im Alter von 89 Jahren in Peking an Herzversagen.

Der Leichnam wurde bereits Mitte Oktober von Peking nach Phnom Penh überführt, die endgültigen Feierlichkeiten zur Einäscherung finden vom 1. bis 4. Februar 2013 statt. Sihanouk war von 1941 bis 1955 und von 1993 bis 2004 König von Kambodscha.

Bild: Tage vor dem Begräbnis trauern Tausende vor dem Königspalast

Tage vor dem Begräbnis trauern Tausende vor dem Königspalast

Derzeit ist der Leichnam Norodom Sihanouks im Königspalast aufgebahrt. Sihanouk hatte selbst Anfang 2012 angeordnet, seine Leiche solle nach buddhistischer Tradition eingeäschert und in einer goldenen Urne im Königspalast aufbewahrt werden.

Bild: Krematorium für die Einäscherung von Norodom Sihanouk in Phnom Penh

Krematorium für die Einäscherung von Norodom Sihanouk in Phnom Penh

Am angrenzenden Grundstück wurde für die endgültigen Feierlichkeiten Anfang Februar ein Krematorium  aufgebaut. Zur Einäscherung wird der Leichnam Sihanouks am 1. Februar dort hin überstellt. Nach drei Tagen wird dann am 4. Februar die offizielle Beisetzungszeremonie stattfinden.

Bild: Trauernde vor dem Königspalast in Phnom Penh

Trauernde vor dem Königspalast in Phnom Penh

Schon Tage vor dem endgültigen Abschied von Norodom Sihanouk versammeln sich Tausende Trauernde vor dem Königspalast und dem angrenzenden Krematorium.

Trauergesänge und Gebete sind zu hören, die Kambodschaner verabschieden sich von ihrem ehemaligen König mit Blumen. Bilder und schwarze Trauerschleifen mit dem Bild des Monarchen werden als Andenken verkauft.

Bild: Gedränge um Bilder als Andenken an Nordom Sihanouk

Gedränge um Bilder als Andenken an Nordom Sihanouk

Norodom Sihanouk wird am 31. Oktober 1922 in Phnom Penh geboren. Schon mit 18 Jahren wird er von der von den Nationalsozialisten kontrollierten französischen Kolonialverwaltung zum König von Kambodscha ausgerufen. 1953 führt er das Land in die Unabhängigkeit von Frankreich.

Zwei Jahre später verzichtet Sihanouk zu Gunsten seines Vaters auf den Thron und gründet die Partei „Sozialistischen Volksgemeinschaft”. Mit offiziell 83 % der Stimmen gewinnt er die Wahlen. Er erklärt Kambodscha am Höhepunkt des Kalten Krieges als Neutral.

Bild: Kambodscha trauert um König Norodom Sihanouk

Kambodscha trauert um König Norodom Sihanouk

1970 entmachtet General Lon Nol, der seit 1966 Ministerpräsident ist, Sihanouk und ruft die Republik Khmer aus. Vom Exil in Peking beginnt Sihanouk die Rote Khmer zu unterstützen. 1975 kehrt er nach Phnom Penh zurück.

Erst zum Staatsoberhaupt ernannt wird er aber nach öffentlicher Kritik an der Roten Khmer und Pol Pot unter Hausarrest gestellt. Bis 1979 wird unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer fast ein Viertel der Bevölkerung Kambodschas ausgerottet.

Nach der Besetzung Kambodschas durch vietnamesische Truppen geht Norodom Sihanouk wieder ins Exil nach China und gründet dort abermals eine Partei. Erst 1991 kehrt er nach Kambodscha zurück und wird zwei Jahre später zum zweiten Mal als König eingesetzt.

Norodom Sihanouks Politik war von wechselhaften Allianzen geprägt. Sihanouk war sechsmal verheiratet und hatte mindestens vierzehn Kinder. Mehr Details über das Leben und die Politik Norodom Sihanouk findest Du z.B. in Wikipedia.


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Kommentare

  1. Schöner Einblick, auch wenn es zu einem traurigen Anlass ist. Aber Oktober der Sterbetag und im Februar erst die Zeremonie… na die haben vielleicht Zeit, die Kambodsch’ianer! 😉

  2. Dieses Begräbnis ist ganz schön aufwendig.

    lg kathrin

  3. Andersreisender meint:

    @Alex: Ich denke, dass es so viel Zeit benötigt das Begräbnis vorzubereiten. Keine Ahnung, ob es in anderen Ländern schneller geht.

    @Kathrin: Ja, stimmt. In Phnom Penh wurde ein großer Bereich neben dem Königspalast für die Einäscherung von Sihanouk verbaut.

  4. So “Volkstrauer” ist mir in Österreich fremd. Bei Falco waren zwar sehr viele am Friedhof als er beigesetzt wurde aber sonst … ?

    Dass das Volk um einen König trauert, der die Rote Khmer unterstützt hat? Scheint eine komplexe Historie zu sein, inkl. Verhältnis zum Monarchen.

    Für dich ist es sicher toll, so etwas hautnah mitzuerleben. Intensiv, oder?

    liebe Grüße,
    Paula

  5. Ich bin immer wieder perplex, dass so viele Menschen um jmd. trauern, den sie nicht mal persönlich kannten. Ist auf jeden Fall spannend, dass in anderen Ländern das Königshaus noch so gehuldigt wird.

  6. Schöne Fotos, toller Bericht. Das war sicher ein ganz besonders Erlebnis! Liebe Grüsse aus Zürich

  7. Schöner Einblick trotz des traurigen Augenblicks

    MfG

  8. Andersreisender meint:

    @Paula: Kambodscha und die Geschichte – das ist wahrlich eine sehr komplexe Angelegenheit. Ich muss da auch immer wieder nachlesen, weil sie so dermaßen wechselhaft ist.
    Ich war überrascht, dass die Stimmung vor dem Königspalast in Phnom Penh auch für mich als “Außenstehender” sehr berührend war. Heute, 4. Februar, fand ja die Einäscherung von Norodom Sihanouk statt.

    @Diana: Offenbar haben die Kambodschaner eine besondere Beziehung zu ihrem Ex-König.

    @Malapascua: Dankeschön. 🙂 Ja, es war wirklich sehr beeindruckend und berührend.

    @Paula: Bitteschön. 🙂

  9. Das hört sich sehr aufwendig und emotional an. Aber der Zeitraum von Oktober bis Februar erscheint mir auch ungewöhnlich lang.

  10. Andersreisender meint:

    @Klaudia: Nun hat sich die Lage vermutlich wieder beruhigt. Ich habe keine Ahnung, wie lange Wartezeiten bei Begräbnissen sonst üblich sind. Werde das mal weiter beobachten. 🙂

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