Transsib (14): Ulaanbaatar I

Sonn­tag, 8. Fe­bru­ar 2009
 
Gros­ser Ab­schied von Ma­scha und ih­rer Toch­ter – dann ste­he ich auch schon im Ge­wus­le des Bahn­hofs von Ula­an­baa­tar (auch Ulan-Ba­tor). Ich hal­te Aus­schau nach ei­ner Ta­fel mit mei­nem Na­men, denn ich wer­de vom UB Guest­house* am Bahn­hof ab­ge­holt. Mit zwei an­de­ren Rei­sen­den aus Gross­bri­tan­ni­en sit­ze ich dann auch schon auf der Ru­eck­bank im Au­to. Ein gros­ser Ruck­sack hat kei­nen Platz im Kof­fer­raum – so liegt er quer ue­ber uns drueber.
Im Guest­house an­ge­kom­men wer­den wir gleich mit den wich­tigs­ten In­for­ma­tio­nen und ei­nem Stadt­plan ver­sorgt. Ich be­zie­he mein klei­nes und spar­ta­nisch ein­ge­rich­te­tes Zim­mer. Aber al­les ist sau­ber – das ist die Hauptsache.
Ulaanbaatar - Mongolei - UB Guesthouse
In der Kue­che tref­fe ich auch an­de­re Back­pa­cker aus Schwe­den, Gross­bri­tan­ni­en, der Schweiz, Frank­reich und Ka­na­da. Ge­mein­sa­mer Kaf­fee und Fruehs­tu­eck – das ist fein. Eng­lisch ist die per­fek­te uni­ver­sel­le Spra­che und so er­fah­re ich, dass die meis­ten hier auch per Zug aus Russ­land an­ge­reist sind. Der Weg fuehrt sie eben­falls wei­ter nach Pe­king – je­den zu sei­ner Zeit.

Mit Ka­ren und Da­vid aus Gross­bri­tan­ni­en be­schlies­se ich, Ul­an­baataar nae­her zu er­kun­den. Bei­de ha­ben sich ei­ne “Aus­zeit” ge­nom­men und ih­re Jobs ge­ku­en­digt. Jetzt rei­sen sie quer durch Chi­na bis nach Bang­kok. Wer mit den bei­den vir­tu­ell mit­rei­sen mo­ech­te kann dies hier machen!

Das Staatswappen der Mongolei auf einem Zaun

Das Staats­wap­pen der Mon­go­lei auf ei­nem Zaun

Ula­an­baa­tar ist ei­ne eher er­nu­ech­tern­de Stadt. Ein ex­tre­mer Ge­gen­satz zu den bis­her ge­se­he­nen Sta­ed­ten. Vie­les ist her­un­ter­ge­kom­men, ei­ni­ge hoch­mo­der­ne Ha­eu­ser er­he­ben sich zwi­schen den al­ten Gebaeuden.

Ulaanbaatar - Mongolei

Mit ih­ren rund 1,2 Mil­lio­nen Ein­woh­nern ist sie die Haupt­stadt der Mon­go­lei. Vie­le le­ben in Jur­ten (mon­go­lisch: Ger) oder auch klei­nen Holzha­eu­sern. Die Plat­ten­bau­sied­lun­gen am Stadt­rand sind erst in den 1960er und 1970er Jah­ren ent­stan­den. Ins­ge­samt za­ehlt die Mon­go­lei rund 2,9 Mil­lio­nen Ein­woh­ner auf ei­ner Flae­che, die vier­ein­halb Mal so gross ist wie Deutsch­land. So­mit ist die Mon­go­lei ei­nes der am du­enn­s­ten be­sie­del­ten Ge­gen­den der Welt.

Die Stadt Ula­an­baa­tar ist ue­b­ri­gens die ka­el­tes­te Haupt­stadt der Welt, kei­ne Haupt­stadt liegt aus­ser­dem wei­ter vom Meer ent­fernt. Da­durch er­gibt sich das ex­tre­me Kon­ti­nen­tal­kli­ma mit sehr kal­ten Win­tern bis zu – 47 Grad, aber auch sehr heis­sen Som­mer­ta­gen. Wir be­fin­den uns ue­b­ri­gens nun auf ei­ner Seehoehe von rund 1.300 Me­tern und die Tem­pe­ra­tur liegt gott­sei­dank zwi­schen -12 und 0 Grad.

Hier muss man bei ei­nem Spa­zier­gang durch die Stadt auf Schritt und Tritt auf­pas­sen. Ka­put­te Geh­we­ge, of­fe­ne Ka­nal­schaech­te und ein unue­ber­sicht­li­cher Stras­sen­ver­kehr, wo der Staer­ke­re Vor­rang hat, ma­chen ei­nen Spa­zier­gang manch­mal zu ei­nem un­si­che­ren Er­leb­nis. Aber man ge­woehnt sich an die­se Si­tua­ti­on. Die Sit­ten im Stras­sen­ver­kehr er­in­nern mich et­was an je­ne in ei­ner ara­bi­sche Grossstadt.

Doch der Such­baa­tar-Platz, der zen­tra­le Platz Ula­an­baa­tars, ist neu ge­pflas­tert. Al­so Zeit fu­er ei­nen aus­fuehr­li­chen Rund­um-Blick. An­la­ess­lich des 800. Jah­res­tags der Reichs­gru­en­dung hat man hier al­les renoviert.

Auf die­sem Platz be­fin­det sich das Rei­ter­denk­mal des mon­go­li­schen Na­tio­nal­hel­den Ge­ne­ral Such­baa­tar, der als An­fueh­rer der Par­ti­sa­nen­ver­ba­en­de gilt. 1921 lei­te­te er den Be­frei­ungs­kampf ge­gen die chi­ne­si­sche Ok­ku­pa­ti­on ein.

Ulaanbaatar - Mongolei - Statue General Suchbaatar

Das Par­la­ments­ge­baeu­de ist das ehe­ma­li­ge Mau­so­le­um der Re­vo­lu­ti­ons­hel­den Such­baa­tar und Tscho­jbalsan. Bei­de muss­ten dem so­ge­nann­ten Chinngis-Kha­an-Kom­plex wei­chen. Mit­tel­punkt ist ein mo­nu­men­ta­les Denk­mal des Feldherren.

Ulaanbaatar - Mongolei - Chinngis-Khaan-Komplex

 Aus­ser­dem sind auf die­sem Platz der zen­tra­le Kul­tur­pa­last, die Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, das Opern­haus, das Haus des Ober­buer­ger­meis­ters, die Na­tio­na­le Uni­ver­si­ta­et so­wie das Haupt­post­amt zu fin­den. So­mit hat man 90 % der wich­tigs­ten Din­ge in Ul­an­baataar gesehen.

Wir ma­chen es uns in ei­nem mon­go­li­schen Re­stau­rant ge­mu­et­lich. Wir be­stel­len Ham­mel­sup­pe und be­kom­men fu­er um­ge­rech­net et­was mehr als 1,25 Eu­ro ei­ne rie­si­ge Schu­es­sel mit Sup­pe und aus­rei­chend Ein­la­ge. Sehr schmack­haft! Und auch ei­nen ers­ter Kon­takt zu den Bu­uds – den mon­go­li­schen Teig­ta­schen, ge­fu­ellt mit Ham­mel­fleisch (was sonst?) – darf fu­er mich nicht feh­len. Ins­ge­samt ist die Ver­pfle­gung in der Mon­go­lei sehr guens­tig. Fu­er rund 2-3 Eu­ro be­kommt man Es­sen und Ge­tra­en­ke in ei­nem ein­fa­chen Lo­kal – und man ist da­nach pappsatt.

Ka­ren und Da­vid be­stel­len Tee – it doesn’t look very Bri­tish: Sie be­kom­men Milch­tee mit Salz. Bei­de ver­zie­hen das Ge­sicht. Die­sen Tee trinkt man in der Mon­go­lei auch zum Fruehs­tu­eck, dann mit kal­ten Fleisch­strei­fen dar­in. Ich ge­be den bei­den zu be­den­ken, viel­leicht soll­te man die­sen Tee im Ge­dan­ken als Sup­pe trin­ken – dann ko­enn­te er bes­ser schme­cken. Bei­de schau­en schon nicht mehr so trau­rig drein.

Wei­ter geht’s durch die Stras­sen von UB.

Ulaanbaatar - Mongolei

Das Gan­dan-Klos­ter ist ein Tem­pel­kom­plex, wo sich am Sonn­tag-Nach­mit­tag vie­le Gla­eu­bi­ge tref­fen. Auch Ca­ro­li­na und Gus­tav aus Schwe­den tref­fen wir hier. Bei­de sind eben­falls heu­te im Guest­house angekommen.

Ulaanbaatar - Mongolei - Gandan Kloster

Ulaanbaatar - Mongolei - Gandan Kloster

Vor dem Klos­ter se­he ich erst­mals auch die Ge­bets­mueh­len “in Ak­ti­on”. Das geht doch we­sent­lich schnel­ler, als bei un­se­ren Gebeten.

Ulaanbaatar - Mongolei - Gebetsmühlen Gandan Kloster

Vor dem Klos­ter ist aus­ser­dem ei­ne Skulp­tur zu se­hen, die von den Be­su­chern an­ge­tas­tet wird. Ich ha­be da­von ge­le­sen, aber weiss lei­der nicht mehr ge­nau den Hin­ter­grund… Zu Hau­se wer­de ich dies re­cher­chie­ren und dann hier nachtragen 😉

Ulaanbaatar - Mongolei - Gandan Kloster

Nach ei­nem aus­ge­dehn­ten Rund­gang, ei­nem Tee­stopp im “Bri­tish Pub” und auch ei­nem Be­such im ehe­mals staat­li­chen Kauf­hau­ses – ue­b­ri­gens heut­zu­ta­ge auch am Sonn­tag geo­eff­net – ver­ab­re­den wir uns fu­ers Abendessen.

Bei Dun­kel­heit ver­las­sen wir das Guest­house. Dru­ecken­de Stim­mung herrscht auf der Stras­se. Das Licht ist dif­fus, je­de zwei­te Stras­sen­la­ter­ne ist de­fekt. Auf den Geh­we­gen gibt es kei­ne Be­leuch­tung, die Stras­sen­la­ter­nen leuch­ten nur die Fahr­bahn aus. Bei den ent­ge­gen­kom­men­den Men­schen sieht man erst das Ge­sicht, wenn sie ganz na­he sind. Sonst hu­schen nur fins­te­re Schat­ten durch die Stras­sen. Ein leich­ter Ne­bel macht die Stim­mung nur noch unheimlicher.

Wir be­schlies­sen, gleich in der Na­e­he (ca. 100 Me­ter vom Guest­house) das Bo­hemi­an Re­stau­rant zu be­su­chen. Ka­ren und Da­vid er­za­eh­len mir bei Gu­lasch und mon­go­li­schem Bier von ih­ren ge­naue­ren Rei­se­plae­nen. Na­tu­er­lich mu­es­sen auch die bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen von der Rei­se durch Russ­land aus­ge­tauscht werden.

Ulaanbaatar - Mongolei

Zu­ru­eck im­Guest­house sit­zen wir mit an­de­ren noch ge­mu­et­lich im Auf­ent­halts­raum bei­sam­men und tau­schen Er­fah­run­gen aus.

von links: Karen (GB), Sarah (F), David (GB), ?? (Kanada)

von links: Ka­ren (GB), Sa­rah (F), Da­vid (GB), ?? (Ka­na­da)

Ich freue mich schon auf den naechs­ten Tag – dann wer­den wir die Um­ge­bung Ula­an­baa­tars er­kun­den. Ei­ne Über­nach­tung im Ger ist be­stimmt ein be­son­de­res Erlebnis…

 

Weiterlesen im Live-Reisetagebuch Transsibirische Eisenbahn:

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