Erfahrungsbericht: WESTbahn-Fahrt von Salzburg nach Linz

Nun bin ich drin. Im Zug. Es wird Zeit, ein­mal die „Neue WESTtbahn“ zu tes­ten. Seit dem Fahr­plan­wech­sel am 11. De­zem­ber rollt sie zwi­schen Salz­burg und Wien West­bahn­hof. Et­was mehr als ei­ne Wo­che nach dem Start wird es Zeit für ei­ne Pro­be­fahrt zwi­schen Salz­burg und Linz und ei­nen per­sön­li­chen Er­fah­rungs­be­richt. Wer­den die Ver­spre­chun­gen in der Wer­bung und die hoch­ge­steck­ten Zie­le ge­hal­ten? Ich las­se mich über­ra­schen. 13:26 – Ab­fahrt in Salz­burg Hauptbahnhof.

Ohne Ticket in den Zug

Wie üb­lich kom­me ich in letz­ter Mi­nu­te zum Zug. Ste­ward Ni­ko­la steht in tür­kis-grü­ner Klei­dung an der Tür und be­grüßt mich. Fahr­schein ha­be ich kei­nen. Das ist auch gar nicht not­wen­dig, denn die Ti­ckets der pri­va­ten Ei­sen­bahn wer­den im Zug gekauft.

Ich su­che mir ei­nen Platz im obe­ren Stock der Dop­pel­stock-Wag­gons und er­hof­fe mir ei­nen Blick über die Lärm­schutz­wän­de, die in den letz­ten Jah­ren ent­lang der Ei­sen­bahn­stre­cke ge­baut wurden.

Bild: Steward bei der Neuen Westbahn in Salzburg Hauptbahnhof

Im Zug fin­de ich oh­ne Schwie­rig­kei­ten ei­nen Platz – es wird Zeit ein biss­chen zu ar­bei­ten. Tisch­chen her­un­ter­klap­pen, Lap­top drauf­stel­len und los geht’s. Ver­spro­chen wird gra­tis WLAN di­rekt im Zug. Der Log­in funk­tio­niert oh­ne Pro­ble­me, Code ist kei­ner not­wen­dig. Aber die Ver­bin­dung ins In­ter­net will noch nicht ganz klappen.

Ich be­schlie­ße vor­erst off­line zu ar­bei­ten. Statt stan­dar­di­sier­ter Chris L., wie bei der ÖBB, be­grüßt Ni­ko­la bei der „West­bahn“ sei­ne Gäs­te per­sön­lich übers Mi­kro­fon und wünscht ei­ne gu­te Fahrt. Der Zug setzt sich pünkt­lich Rich­tung Wien in Bewegung.

Einheitstarif

Ob Vor­teils­card oder nicht –  von Salz­burg nach Linz kos­tet der Fahr­schein ein­heit­lich 11 Eu­ro, ge­nau die Hälf­te des ÖBB Nor­mal­ta­rifs. Für je­den Fahr­gast. Bar­zah­lung ist an­ge­sagt, denn bar­geld­lo­ses zah­len ist noch nicht möglich.

Schon vor See­kir­chen ist der Ti­cket-Ver­kauf im Zug ab­ge­schlos­sen und der Ste­ward küm­mert sich um das Bord­ser­vice. „Schaff­ner“ will man bei der WEST­bahn nicht ge­nannt wer­den. Ich den­ke zu­recht, denn so flin­ken und freund­li­chen Ser­vice hat­te ich schon lan­ge nicht mehr. Wenn ich nur an mei­ne letz­ten Zug­fahr­ten den­ke – selbst in der 1. Klas­se im Rail­jet funk­tio­nier­te der Platz­ser­vice über­haupt nicht. Ei­ne Stun­de War­te­zeit auf den mor­gend­li­chen Kaf­fee ist et­was lang…

Aber zu­rück zur neu­en WEST­bahn. In der klei­nen, si­gnal­för­mi­gen Spei­se­kar­te fin­det man ein paar Snacks und Ge­trän­ke zur Aus­wahl, die an den Platz ser­viert wer­den. Ich ent­schei­de mich für den Pas­ta-Sa­lat mit ge­bra­te­nen Hüh­ner­strei­fen um 4 Eu­ro. Für ein fer­ti­ges Ge­richt ist die Qua­li­tät über­ra­schend gut.

Kurz nach Straß­wal­chen, an der Gren­ze zu Ober­ös­ter­reich, dann noch­mals der In­ter­net-Test: Dies­mal klappt es mit dem Ein­log­gen und ich ha­be ei­ne WLAN-Ver­bin­dung aus dem Zug in die wei­te Welt.

Zeit für ei­nen Blick in die On­line-Zei­tung und ei­nen Schluck Kaf­fee. Fran­ken­markt. Die Res­te mei­nes Pas­ta-Sa­lats sind ab­ge­räumt und der Kaf­fee ist an den Platz ser­viert. Mit schö­nem Schaum wie ich es ger­ne ha­be – aber im Papp­be­cher, das mag ich we­ni­ger. Lo­gis­tisch ge­se­hen lässt es sich so al­ler­dings am Leich­tes­ten lö­sen, oh­ne zu kleckern.

Bild: Kaffee in der Neuen Westbahn

Die Son­ne blitzt durch das Fens­ter und Ober­ös­ter­reich zeigt sich von sei­ner win­ter­li­chen Sei­te. Es wird Zeit ein paar Bil­der für den Bei­trag hoch­zu­la­den. Att­nang-Puch­heim. Das In­ter­net scheint mich wie­der im Stich zu las­sen, die Ver­bin­dung zu mei­nem Blog lässt sich nicht aufbauen.

Bleibt mir nichts an­de­res üb­rig, als mich einst­wei­len in den Sitz zu­rück­zu­leh­nen. Auf den ers­ten Blick se­hen die Le­der­sit­ze et­was hart aus, aber nach knapp 50 Mi­nu­ten Fahr­zeit fühlt es sich noch im­mer gut an. Die Fahr­zeit zwi­schen Salz­burg und Wien be­trägt knapp 3 Stun­den – so lan­ge lässt es sich be­stimmt be­quem aushalten.

Das Ar­bei­ten am Com­pu­ter im obe­ren Stock ist für mich noch et­was un­ge­wohnt. Die Fahrt fühlt sich re­la­tiv hart an und Stö­ße schei­nen sich we­gen der hö­her lie­gen­den Ach­se et­was stär­ker zu übertragen.

Bild: Oberer Stock im Waggon der Neuen Westbahn

Nächs­ter Halt Wels um 14:30 Uhr. Wir ha­ben wie­der vol­le Fahrt auf­ge­nom­men und auch die In­ter­net­ver­bin­dung funk­tio­niert wie­der. Schnell die Bil­der hoch­la­den – schon sind wir im Tun­nel bei Schwa­nen­stadt. Er hat aber gott­sei­dank kei­ne ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf mei­nen Bil­der Upload.

Die Chan­cen ste­hen gut, dass der Bei­trag bis Linz ver­öf­fent­licht ist. “Live is Live” so­zu­sa­gen – dank des WLANs in der Neu­en WESTbahn.

Service ist der Erfolgsfaktor

Das Fa­zit mei­nes Er­fah­rungs­be­richts im WEST­bahn-Zug zwi­schen Salz­burg und Linz: Vor al­lem mit flot­tem Ser­vice der freund­li­chen Mit­ar­bei­ter wird hier ge­punk­tet. Gro­ßes Plus, dass man den Fahr­schein im Zug kau­fen kann.

Schnel­ler ist man zwi­schen Salz­burg und Linz im Rail­jet un­ter­wegs, die WEST­bahn hält auch in Att­nang-Puch­heim und Wels. Wer im obe­ren Stock Platz nimmt hat ei­nen Blick über die Lärm­schutz­wän­de, den man in nor­ma­len Zü­gen nicht hat. Bei hö­he­ren Ge­schwin­dig­kei­ten fühlt es sich oben al­ler­dings rup­pig und un­ru­hig an.

Nächs­ter Halt: Linz Haupt­bahn­hof – pünkt­lich um 14:43 Uhr. West­bahn? Fah­re ich ger­ne wie­der ein­mal. Ich hof­fe, dass die Ser­vice­qua­li­tät wei­ter­hin hoch ge­hal­ten wird.

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Kommentare

  1. Dirk Gently meint:

    € 11,- von Salz­burg nach Linz das ist sehr güns­tig und das al­les oh­ne Mit­glieds­kar­te (Vor­teils­card zum Preis von et­wa € 100,-).

    Wenn ich von Rot­ten­mann nach Graz fah­ren, kos­tet das schon mehr, auch wenn ich ei­nen jähr­li­chen Mit­glieds­bei­trag be­zah­le. Oh­ne die­sen be­zah­le ich so­wie­so mehr als das dop­pel­te. Au­ßer­dem muss ich min­des­tens ein­mal Um­stei­gen. Die Kar­te darf ich mir auch noch selbst aus dem Au­to­ma­ten ziehen.

  2. Sonja Schiff meint:

    Dan­ke für den Be­richt. Wer­de ich auch bald mal tes­ten. Vor kur­zem bin ich Rich­tung Vor­arl­berg ge­fah­ren und hab mich mäch­tig ge­är­gert über das mie­se Ser­vice der ÖBB. Schon ab Kuf­stein gab es kei­nen Kaf­fee mehr 🙁 Ich dach­te mir da­mals: Wür­de auch auf die­ser Stre­cke schon die West­bahn fah­ren, wä­re das Ser­vice wahr­schein­lich bes­ser. Es le­be die Konkurrenz!

  3. Su­per Be­richt, Ger­hard! Toll!

  4. Andersreisender meint:

    @Dirk: Ich den­ke, vie­le wün­schen sich – ge­nau­so wie Du – et­was mehr Ser­vice im Zug. Ich bin mir so­wie­so nicht si­cher, ob nicht die Au­to­ma­ten teu­rer sind als ein or­dent­li­cher Ser­vice­mit­ar­bei­ter im Zug, der auch ganz an­de­re Auf­ga­ben er­fül­len kann.

    @Sonja: Jaa… so wie es aus­sieht bin ich mit mei­nem “Kaf­fee-Pro­blem” nicht al­lei­ne. Ich be­kam auch schon die tolls­ten Ant­wor­ten im Rail­jet. Die tolls­te war auf die Fra­ge, war­um nie­mand vom Ser­vice kommt: “Ist ja eh nie­mand im Zug”. 😉

    @Sonne: Dan­ke­schön 🙂 Jetzt bin ich wie­der in ei­nem ÖBB-Zug un­ter­wegs, wo ich vom Ser­vice­per­so­nal “in Ru­he” ge­las­sen wer­de. 😉 Bord­ser­vice steht zu­min­dest im Pa­pier-Rei­se­be­glei­ter drin…

  5. Al­lein die Freund­lich­keit, Ef­fi­zi­enz und Fröh­lich­keit ei­nes Ser­vice-Mit­ar­bei­ters ist am En­de DAS, was bei ei­nem über das Un­ter­neh­men und sei­ne Mit­ar­bei­ter in Er­in­ne­rung bleibt. War­um wol­len so vie­le Men­schen nicht, dass sich jeamnd an sie und ih­re Ar­beit er­in­nert und da­bei lächelt?

  6. Andersreisender meint:

    @Sigi: Ge­nau das ist es. 🙂 Und wer lä­chelt und ei­nen gu­ten Ser­vice bie­tet be­kommt auch meist ei­nen Dank zu­rück. Und das mo­ti­viert wiederum.

  7. Hal­lo ihr lie­ben, al­so ich finds toll dass es sol­che be­rich­te gibt, es le­be das internet!!!
    west­bahn find ich toll al­ler­dings muss ich da­zu sa­gen neu­es per­so­nal ist meis­tens freund­lich über­haupt wenn et­was “neu­es” ent­steht wenn al­ler­dings per­so­nal schon lan­ge im­mer das sel­be macht fängt rou­ti­ne an, den film “und täg­lich grüsst das mur­mel­tier” mit tom hanks kennt ihr be­stimmt da hört auch schon mal die freund­lich­keit auf 🙂

  8. Andersreisender meint:

    @Diana: Will­kom­men im Blog. 🙂 Ich ge­be Dir voll­kom­men Recht, dass neu­es Per­so­nal meist sehr mo­ti­viert ist. Nun ist es wich­tig, dass die WEST­bahn die­se Ser­vice­qua­li­tät hält. Es gibt ja auch Un­ter­neh­men, die lang­ge­dien­tes Per­so­nal ha­ben, das eben­falls freund­lich ist. Ist wahr­schein­lich auch ei­ne Sa­che der Mitarbeiterführung.

  9. Matthias meint:

    Wirk­lich in­ter­es­san­ter Be­richt! Bin ge­spannt, ob nach 3 Jah­ren der Ser­vice (etc.) im­mer noch so gut funk­tio­niert (wer­de An­fang Fe­bru­ar 2015 ei­ne “Test­fahrt” durch­füh­ren)! Der Preis ist ja wohl in­zwi­schen auf 12,50 EUR ge­stie­gen, was aber im­mer noch güns­tig ist! 

    In­fo an Dia­na: Im Film mit dem “Mur­mel­tier” spielt Tom Hanks NICHT mit, Du meinst si­cher Bill Murray. 

    Lie­be Grü­ße aus Köln

  10. Ich fah­re zwar oft die West­bahn­stre­cke mit dem Zug, war aber selbst noch nie mit der WEST­bahn un­ter­wegs. Mei­ne Ös­ter­reich-Card ver­lei­tet mich wohl da­zu, dass ein ÖBB-Su­chen­der ge­wor­den bin. 🙂
    Aber zum Kaf­fee, spä­tes­tens nach 10 Mi­nu­ten wär ich aufgehüpft. 😉

  11. Andersreisender meint:

    – Mat­thi­as: Ich war am Don­ners­tag zwi­schen Salz­burg und Linz mit der WEST­bahn un­ter­wegs. Ich fin­de den Ser­vice nach wie vor sehr gut. Ich wün­sche Dir ei­ne gu­te Rei­se und bin ge­spannt, was Du erzählst. 🙂

    – Mar­tin: Die Kaf­fee­au­to­ma­ten fin­de ich in der WEST­bahn sehr gut. Ein­stei­gen und Kaf­fee ist fer­tig. Die War­te­zeit aufs “Ser­vier­wa­gerl” fin­de ich bei der ÖBB lei­der nach wie vor zu lang. Es kommt viel zu sel­ten vor­bei. Die mo­bi­le Es­pres­so­ma­schi­ne ist ein Pluspunkt. 🙂

  12. Vogler Michael meint:

    Ich bin ein gros­ser Hob­by­ei­sen­bah­ner und da­durch viel un­trwegs. Na­tu­er­lich be­sit­ze ich die Oe­s­ter­reich­kar­te 1. Klas­se. West­bahn brau­che ich nicht denn 1. ist die Oe­s­ter­reich­kar­te un­guel­tig und 2. bin ich im RJ auch schnell un­ter­wegs. Aus­ser­dem ha­be ich dort die Busi­nesskl. und ue­ber man­geln­den Ser­vice kann ich mich nicht be­kla­gen. Aus­ser­dem bin ich der WEST­bahn feind­lich ge­sinnt da es in all der Ei­sen­bahn­zeit es nie ge­ge­ben hat dass bei ei­ner Staats­bahn pri­va­te fshren du­er­fen. Ha­et­te ich ei­ne ei­ge­ne Stre­cke dann wu­er­de ich es an­de­ren ver­bie­ten auf mei­ner zu fah­ren. Die OBB ha­et­ten mehr Stirn bie­ten mu­es­sen und sa­gen dies ist Staats­bahn­li­nie. Und da hat kein an­de­rer zu fah­ren. Aus­ser­dem ha­be ich fest­ge­stellt dass es in der WEST bahn kei­ne Ein­zel­sitz­plaet­ze gibt wie sonst ue­ber­all. Ich je­den­falls fah­re lie­ber mit der Oe­s­ter­reich­kar­te und kann auch in die Club Lounges.

  13. Andersreisender meint:

    Mi­cha­el: Dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar. Schön, dass Du auch ger­ne mit dem Zug un­ter­wegs bist. Ob “staat­lich” oder “pri­vat”. 😉

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