Der Almkanal: Eine Reise in die Salzburger Unterwelt

(letztes Update am 6.9.2018) Wenn es in Salzburg regnet gibt es nur eine Möglichkeit trockenen Hauptes vom Nonntal in die Innenstadt zu gelangen, nämlich durch den Mönchsberg. Da, wo sonst das Wasser des Almkanals unter der Stadt Richtung Salzach rauscht können Wagemutige im September die unterirdischen Gänge und Wasserkanäle erforschen. Nass werden bei einer Almkanal-Wanderung nur die Füße. Dieses besondere Abenteuer in Salzburg ist nur im September möglich.

“Stiftsarmgerinne – Lebensgefahr” warnt ein Schild beim Eingang in das unterirdische Wassersystem. Hier, beim Schleusenhäuschen in der Brunnhausgasse in Salzburg Nonntal, führt der Weg zu den Wasserkanälen unter der Stadt. Was sich für Außenstehende etwas kryptisch anhört bezeichnet einen Teil des weitverzweigten Tunnelsystems des Almkanals unter der Stadt Salzburg.

Bild: Schild Stiftsarmgerinne Lebensgefahr

Nur im September kann man den Mönchsberg im Almkanal gefahrlos durchqueren

Bei Hangendenstein, direkt an der Grenze zwischen Bayern und Salzburg zweigt der Almkanal von der Königsseeache ab. Vor 870 Jahren wurde er für die Frischwasserversorgung der Stadt Salzburg gebaut.

Bild: Karina beim Eingang Brunnhausgasse

Karina hat den Schlüssel zur Unterwelt

Über Jahrhunderte war er die Lebensader der angrenzenden Orte und vor allem für die Stadt Salzburg.

Vor der Stadt teilt sich der Almkanal in verschiedene Arme auf, die mehrere Stadtteile mit Wasser versorgen.

Bild: Gerhard im Almkanal Stiftsarm in Salzburg

Ein Fall von “anders reisen” durch den Mönchsberg im Almkanal in Salzburg

Der Stiftsarm verschwindet bei der Brunnhausgasse im Mönchsberg, durchquert in einem verzweigten Tunnelsystem die Stadt und kommt erst wieder bei der Salzach an die Oberfläche.

Almkanal-Wanderung in Salzburg im September

Im September, zur sogenannten Almabkehr, wird das Wasser im Almkanal zum Reinigen und für Ausbesserungsarbeiten abgelassen. Dann trauen sich Wagemutige in die Salzburger Unterwelt.

Bild: Spitzbogen im Almkanal

Gut zu erkennen, wann Erhaltungsarbeiten durchgeführt wurden. Hier geht’s durch gotische Spitzbögen

Mit Taschenlampe, warmer Kleidung und wasserdichten Stiefeln ausgerüstet klettere ich zu Karina hinunter in den Kanal. Sie hat den Schlüssel zur unterirdischen Wasserwelt und kennt den Stiftsarm wie ihre Westentasche.

Wenige Meter nach dem Eingang wird es stockdunkel. Und so bleibt es bis zum Ausgang. Ganz gut so, dann sind auch die Spinnen und ihre Netze nicht mehr zu sehen. Die fühlen sich hier das ganze Jahr über wohl, denn im Kanal steigt das Wasser nie bis an die Decke.

Bild: Jahreszahl im Almkanal

Dieser Abschnitt wurde Ende des 18. Jahrhunderts erneuert

“Unzählige Male wurden die Stollen schon verschüttet, wieder aufgebaut und erneuert.” erzählt mir Karin. Vor den Touren durch den Mönchsberg überprüfen Geologen die Kanäle.

Bild: Kalk im Almkanal

Glitzernde Kalkablagerungen tief im Mönchsberg

Jahreszahlen erinnern an die verschiedenen Bauabschnitte. Alle paar Meter ändert sich die Höhe der Tunnels. Einmal führt der Weg durch niedrige Schächte, dann wieder durch hohe Höhlen aus Sandstein oder gotische Bögen.

Bild: Ammoniten im Almkanal

Ammoniten sind im Tunnel auch zu finden.

Beeindruckend ist auch das unterschiedliche Gestein im Mönchsberg. Tropfsteine zeugen von Kalk, auf Dolomitgestein ist die Festung Hohensalzburg gebaut aber auch Ammoniten und Spuren von Kohle sind auf der Unterwelt-Tour zu sehen.

Unterirdisches Abenteuer im Almkanal

Rund 400 Meter tapsen wir vom Nonntal in die Innere Stadt in der Finsternis durch die Pfützen, immer dem Lichtkegel der Taschenlampe folgend. Ein lautes Grollen ist zu hören. Etwa ein Erdbeben? “Die Festungsbahn rollt über uns” beruhigt Karina. Hier ist der Ausgang nicht mehr weit, neben der Talstation kommen wir durch eine kleine Türe am Friedhof St. Peter wieder ans Tageslicht.

Bild: Tropfstein im Almkanal

Kalk hinterlässt im Almkanal schöne Tropfsteine

Der Almkanal war einst für die Innenstadt nicht nur Frischwasserlieferant, sondern wurde auch für den Antrieb der Bahn auf die Festung verwendet. Heute noch kühlt das Wasser aus dem Gebirge z.B. das Festspielhaus und das Salzburg Museum. 16 Wasserkraftwerke erzeugen Strom und am Universitätsplatz sprudelt das Wasser des Almkanals durch den Brunnen.

Bild: Rad Almkanal

Drei Wochen im Jahr sind die Schleusen gesperrt

Außer zur Zeit rund um Ruperti, wenn zur Almabkehr die Kanäle des Almkanals trocken sind. Dann können Abenteuerlustige in die Salzburger Unterwelt steigen und dem herbstlichen Schnürlregen entkommen.

Tipps für die Almkanal-Wanderung in Salzburg:

  • Gummistiefel, warme Kleidung die schmutzig werden kann und eine gute Taschenlampe mitnehmen.
  • Wer nasse Füße riskieren will kann auch knöchelhohe Schuhe anziehen. Die tiefsten Pfützen sind ca. 10 Zentimeter tief.
  • Nur ca. drei Wochen im September ist die Almkanal-Wanderung durch den Mönchsberg in die Salzburger Altstadt möglich.
  • Während der Almabkehr wird das Wasser aus dem Almkanal abgelassen und einem besonderen Abenteuer in Salzburg steht nichts mehr im Weg.
  • Ein tolles Erlebnis auch für Kinder, großen Menschen legen einen Großteil des Weges in gebückter Haltung zurück.
  • Weiterführende Infos über den Almkanal in Salzburg unter www.almkanal.at
  • Details zum Stiftsarm und die Stollen sowie Infos zu den Führungen der Wasserwerksgenossenschaft Stiftsarm (Beginnzeiten, Treffpunkt, etc.) unter www.stiftsarm.at

.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 11. September 2013 veröffentlicht und zuletzt am 6. September 2018 überarbeitet und aktualisiert.

Kommentare

  1. Das finde ich eine echt coole Sache! Ich liebe es, in die Unterwelt abzutauchen. Ob man da wohl übernächste Woche auch noch runter kann?

    Viele Grüße
    Silja

  2. Super Tipp, das hört sich echt spannend an. Schade nur das hier in NRW erst wieder im Oktober Ferien sind. Warum ist der Tunnel denn nur 3 Wochen im September begehbar?
    Gruß Klaudia

  3. Ah davon haben wir auch schon gehört. Eine solche Führung möchten wir auch mal machen. In Graz sind wir auch einmal durch die Kanalanlagen spaziert, das ist einfach ein ausgewöhnliches, nicht alltägliches Erlebnis. Tolle Bilder!!

    lg kathrin

  4. Andersreisender meint:

    – Silja: Ja, der Besuch der Stollen ist noch bis 27. September möglich, bevor wieder das Wasser durch den Mönchsberg braust.

    – Klaudia: Im September wird der Almkanal gereinigt und schadhafte Stellen werden ausgebessert. Zu diesem Zweck wird das Wasser abgelassen und Besucher haben dann die Möglichkeit die unterirdischen Wasserwege zu besuchen.

    – Kathrin: Unbedingt machen! Sehr empfehlenswert. :-) Wobei der Almkanal mit “richtigen” Kanälen nicht vergleichbar ist. Hier fließt eigentlich nur frisches Wasser durch die Stollen.

  5. Spannend, ich fände es da unten doch etwas beklemmend.

  6. Im Almkanal war ich zwar nun nicht, aber dafür letzte Woche doch tatsächlich in deiner Heimatsstadt. Und fast, hätte auch ein Treffen geklappt. Schade, aber dann ist es für ein andermal. Alles Gute dir im schönen und gemütlichen Salzburg!

  7. Ist ja genial! Sowas mal zu begehen ist bestimmt spannend.
    Die Bilder sind dir echt gelungen!

  8. Andersreisender meint:

    – Walter: Das dachte ich mir zuerst auch – aber es geht ganz gut!
    – Alex: Ja, fast hätten wir es geschafft. Aber wird schon noch ;-)
    – Susi: Es ist super spannend im Untergrund. :-)

  9. Benjamin meint:

    Hallöchen,

    Wann wurde denn ursprünglich begonnen den Almkanal zu graben? Im Netz findet man dazu recht unterschiedliche Angaben. Z.B. steht bei Wikipedia das er zw. 1137 und 1143 erstmals angelegt wurde.

    lg

  10. ch. philipp meint:

    wann ist denn wieder eine führung

  11. Andersreisender meint:

    – Ch. Philipp: Die Termine für Führungen während der Almabkehr findest Du unter http://www.stiftsarm.at

Wie ist Deine Meinung zum Thema? Hinterlasse einen Kommentar!

*

Mit einem Freund teilen