Das Grüne Band: Reisen entlang des Eisernen Vorhangs

(Letztes Update: 31.7.2016)

Fast 40 Jahre lang teilte der Eiserne Vorhang Europa. Stacheldrähte, Wachtürme und breite Schneisen, die ohne Rücksicht die Landschaft zerschnitten und Familien trennten. Und eine Mauer, die 28 Jahre lang Deutschland teilte.

Was dem Menschen verwehrt blieb, war der Natur vielerorts möglich: Sie entwickelte sich ungeachtet der Grenzanlagen. Im Sperrgebiet des ehemaligen Eisernen Vorhangs entstanden unberührte Flecken der Natur mit einzigartiger Flora und Fauna. In dem 50 bis 200 Meter breiten Streifen konnte sich die Natur beinahe ungestört entwickeln. Der ehemalige Todesstreifen wurde zum Rückzugsgebiet für bedrohte Arten. Allein im Deutschen Abschnitt der ehemaligen Grenze zwischen der BRD und der DDR konnten sich über 600 bedrohte Tierarten ins sogenannte Grüne Band retten.

Das Grüne Band Europas reicht von Nordfinnland bis ans Schwarze Meer und führt entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Hier haben sich Lebensräume von außergewöhnlicher ökologischer Vielfalt entwickelt, die es zu schützen gilt.

Grünes Band in Deutschland entstanden

Die Idee zu einem Grünen Band Europas ist beim BUND für Umwelt und Naturschutz in Deutschland entstanden. Dort beschäftigen sich Naturschützer seit 1989 damit, dass die naturnahen Landschaften erhalten bleiben und nicht durch landwirtschaftliche Nutzung oder durch den Bau von Straßen und Industriegebieten zerstört werden. Auf fast 1.400 Kilometern hat der Eiserne Vorhang als Innerdeutsche Grenze die Landschaft durchzogen. Mittlerweile beschäftigen sich eine Vielzahl an Naturschutz-Organisationen mit der Umsetzung des Projekts “Grünes Band” in ganz Europa.

Sanfter Tourismus am Grünen Band

Unter dem Begriff “Erlebnis Grünes Band” versucht der BUND seit 2009 das Grüne Band entlang des ehemaligen Todesstreifen auch für Touristen interessant zu machen. Die Tourismuskonzepte setzen dabei auf sanften Tourismus.

Bild: Ungarischer Wachturm am Grenzerfahrungsweg in Bildein

Heute gottseidank nur noch Ausstellungsstück: Ungarischer Wachturm am Grenzerfahrungsweg in Bildein

Die unterschiedlichen Landschaften vom Norden bis in den Süden Deutschlands bieten eine vielfalt für naturinteressierte Touristen.

Von der Ostsee über die Elbe, Harz, Rhön und Thüringer Wald bis ins sächsisch-bayerische Vogtland reichen die unterschiedlichen Landschaftsformen entlang des Grünen Bandes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Neben der einzigartigen Natur ist das Grüne Band gleichzeitig ein lebendiges Denkmal der deutschen Wiedervereinigung. Das sanfte Tourismus-Projekt wird zu Beginn in drei Modell-Regionen umgesetzt:

  • Harz
  • Elbe-Altmark-Wendland
  • Naturparke Thüringer Wald/Thüringer Schiefergebirge/Frankenwald

Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

Um individuell Reisende entlang des Grünen Bandes detailliert zu informieren, wurden bereits mehrere Reiseführer aufgelegt. Die Reiseführer Vom Todesstreifen zur Lebenslinie* von Rainer Cornelius informieren über die Besonderheiten der Naturlandschaft entlang des Eisernen Vorhangs. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die ehemalige innerdeutsche Grenze.

Mit dem Fahrrad entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs

Sportliche Radfahrer können entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs von Usedom im Norden Deutschlands entlang der Innerdeutschen Grenze, den Grenzen zwischen Österreich und Tschechien, der Slowakei und Ungarn, durch Rumänien und Bulgarien bis ans Schwarze Meer fahren. Ein Radführer in drei Teilen* informiert über die Strecken entlang des Grünen Bandes Europas.

Im Burgenland (Österreich) gibt es einige, interessante Orte im Zusammenhang mit dem Eisernen Vorhang zu entdecken. Hier im Blog habe ich auch über meine Grenzerfahrungen im Burgenland berichtet. An einem der ehemaligen Grenzübergänge nach Ungarn hat mir eine Fluchthelferin von ihrem gefährlichen Vorhaben erzählt.

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Kommentare

  1. Hört sich wirklich interessant an und ich überlege gerade ob ich das nicht auch mal in Angriff nehmen sollte. Macht sicher Spaß dort lang zu fahren. Werde mir die Bücher mal kaufen und mir das anschauen.

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