Nachhaltig reisen – ist das eigentlich möglich?

Wir verreisen um die Schönheiten unseres Planeten kennen zu lernen. Gleichzeit belasten wir mit unserem Reiseverhalten die Umwelt. Der schnelle Wochenend-Trip nach Barcelona, die Langzeitreise nach Thailand oder das luxuriöse Wochenende im Wellness-Tempel schlagen sich auf die negative Klima-Bilanz. Bestimmt hast auch Du Dir schon die Frage gestellt: Ist nachhaltiges reisen eigentlich möglich?

Wenn wir ehrlich sind lautet die Antwort „Nein“. Die nachhaltigste Reise ist jene, die gar nicht angetreten wird. Dort, wo nicht gereist wird, werden keine Ressourcen verbraucht und entstehen keine Abgase. Die Küsten werden nicht mit Betonbunkern verbaut, Probleme die mit dem Tourismus auftreten, entstehen erst gar nicht.

Ein Dilemma für jene die, so wie ich, gerne reisen. Nehmen wir an, jedem Menschen auf dieser Welt stünden die gleichen Ressourcen zur Verfügung und wir möchten die globale Erwärmung unter 2° Celsius halten. Ich fliege nur ein bis zweimal pro Jahr, aber allein mit diesen Flügen wird der mir zustehende, maximale CO2-Ausstoß überschritten.

Nachhaltig reisen ist bei Fernreisen problematisch.

Nachhaltigkeit beim Reisen ist bei Fernreisen problematisch.

Erschreckend! Mein Klima-Ziel habe ich deutlich verfehlt. Ich dürfte also nach einem Langstreckenflug, z.B. nach Bangkok und retour, nicht einmal mehr das Flughafengebäude verlassen. Ein ganzes Jahr lang dürfte ich keine Treibhausgase mehr produzieren. Weder beim Transport, noch durch Heizung oder Lebensmittelproduktion.

Wenn wir reisen und die Umwelt schonen wollen stehen wir also in einem ständigen Gewissenskonflikt. Wir können uns die Situation schönreden. Oder wir können uns gegenseitig die Schuld zuschieben und auf den Reisestil des anderen schimpfen. Beides führt wahrscheinlich zu keinem Ergebnis und nur zu noch mehr Frust. Nachhaltigkeit beim Energie- und Ressourcenverbrauch ist nur einer von vielen Aspekten.

Bangkok

Ein Langstreckenflug nach Bangkok und retour produziert pro Kopf jene Menge CO2, die eigentlich einem Menschen für das ganze Jahr zustehen würde.

Nachhaltiges Reisen beginnt beim Respekt

Wir stehen noch immer bei der Anfangsfrage: Nachhaltig reisen. Ist das möglich? Ich denke, dass ein grundlegendes Bewusstsein der erste Schritt in Richtung nachhaltiges Reisen ist. Ein Bewusstsein dafür was wir während einer Reise tun. Je ferner das Ziel ist desto fremder sind Kultur und das Alltagsleben am Reiseziel. Und umso wichtiger ist ein sensibler Umgang damit. Mir ist dort, wie auch zu Hause, ein respektvoller Umgang mit den Menschen wichtig. Ich mag den Kontakt mit der Bevölkerung vor Ort. Land und Leute kennen zu lernen ist ja auch einer der Gründe warum wir reisen.

Energie und Geld sparen auf Reisen

Wenn wir uns beim Reisen auf die Nachhaltigkeit beim Energieverbrauch konzentrieren, dann sind allen voran Flüge die größten Ressourcenfresser. Längere Verweildauer an einem Ort statt Kurztrips und eine gute Reiseplanung können hier die Umwelt schonen und auch einiges an Geld sparen helfen.

Längere Reisen sind nachhaltiger als viele kurze Reisen.

Längere Reisen sind nachhaltiger als viele kurze Reisen.

Für mich sind auf vielen Strecken Flüge schlichtweg unnötig. Ich reise sehr viel mit der Eisenbahn. Nein, ich habe keine Flugangst. Und ja, ich möchte innerhalb Europas auch gerne flott ans Ziel kommen. Bis zu acht Stunden Fahrzeit denke ich nicht über eine Flugbuchung nach. Auch wenn der Zug auf manchen Strecken länger braucht kann ich die Zeit wesentlich effizienter nützen.  Zum arbeiten, entspannen oder schlafen. Ich muss mich nicht um Checkin- und Checkout, Security-Checks, Gepäckbänder, langen An- und Abreisen zum und vom Flughafen u.s.w. kümmern.

Beim Fliegen bin ich die ganze Zeit mit unnützen Dingen beschäftigt, die mir auf die Nerven gehen. Im Zug kann ich mich auf die Dinge konzentrieren, die ich gerne mag. Durch rechtzeitige Buchung bekomme ich für die Eisenbahn Tickets, die meist billiger sind als ein Flugticket.

Zugreise statt fliegen hilft beim Klimaschutz

Zugreisen statt fliegen helfen beim Klimaschutz. Pro Kopf wird für die Reise viel weniger Energie verbraucht.

Klar, auch Bahnfahren benötigt Ressourcen. Auch wenn der Strom aus der Steckdose bzw. Oberleitung kommt – er muss trotzdem produziert werden. Auch Bahntrassen müssen gebaut werden. Aber die Reise mit diesem Verkehrsmittel ist um einiges umweltschonender und nachhaltiger als ein Flug.

Bei Fernreisen bevorzuge ich ebenfalls die Fahrt mit der Eisenbahn. Dann darf es ruhig abenteuerlicher werden. Ich reise gerne tagsüber, schaue aus dem Fenster und genieße es in das Reiseland so richtig einzutauchen. Für mich ist das auf manchen Strecken und in manchen Ländern ein ganz besonderes Erlebnis.

Bett im Schlafwagen

Im Schlafwagen ist die Reise über Nacht auf weiten Strecken möglich. Hier z.B. das Bett im Nachtzug nach Lissabon.

In vielen Ländern gibt es auch Nachtzüge mit denen größere Entfernungen schnell überwunden werden können. Ich bin immer überrascht wenn ich dicht getaktete Reisepläne mit mehreren Inlandsflügen sehe. Wo fast mehr Zeit am Flughafen als mit dem Erleben des Reiselandes verbracht wird. Weniger ist hier mehr. Lieber etwas weniger Reiseziele und dafür dort etwas länger bleiben.

Nachhaltig reisen – ein Anfang

Nachhaltigkeit beim Reisen. Ein Thema das zu langen Diskussionen führen kann. Fakt ist: Jeder muss für sich entscheiden, wie er seine Reise plant und sein tägliches Leben gestaltet. Und wie nachhaltig er dabei agieren möchte.

Ein respektvoller Umgang mit den Menschen im Reiseland ist für mich persönlich der erste Schritt. Bei der Reiseplanung muss es nicht immer das Flugzeug sein. Den Druck aus dem Reiseplan rauszunehmen, unnötige Flüge streichen und lieber einmal an einem Ort etwas Tag länger zu bleiben kann einiges an Entspannung in die Reise bringen. Nebenbei wird die Reise dann auch nachhaltiger. Wer Schwierigkeiten bei der Reduktion hat kann seinen CO2 Fußabdruck auch durch Kompensationsmaßnahmen ein wenig verkleinern und ein Klimaschutzprojekt unterstützen. Ein schonender Umgang mit den Ressourcen schont die Umwelt und die Kröten in der Geldtasche.

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