Belgian Coast Greeters: Erik zeigt mir „sein“ Ostende

„Locals“ zu treffen zählt zu meinen schönsten Reiseerfahrungen. Menschen, die im bereisten Land oder in der bereisten Stadt wohnen und mir die Gegend aus ihrer Sicht zeigen und von ihrem Leben erzählen.

In Ostende lerne ich Erik kennen. Er ist ein „Belgian Coast Greeter“ und zeigt Gästen seine Heimatstadt abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Bei den Touren mit Touristen entdeckt auch er immer wieder neues in seiner Heimat.

Bild: Belgian Coast Greeter Erik und ich

Erik zeigt mir seine Lieblingsplätze in Ostende und Bredene.

Erik wartet vor dem Bahnhof in Ostende auf mich. 1,96 groß, schlank und erst seit ein paar Monaten in Pension. Jetzt hat der ehemalige Finanzbeamte noch mehr Zeit um interessierten Gästen Ostende zu zeigen.

„Wenn Du magst, zeige ich Dir nicht die Innenstadt sondern spannende Plätze außerhalb der Stadt“ sagt Erik.

Bild: Fähre und Bahnhof in Ostende

Mit der Gratis-Fähre führt die Tour zuerst durch den Hafen nach Oosteroever.

Ich freue mich, denn Ostende habe ich bei einem ersten Bummel schon gesehen. Unsere spezielle Besichtigungstour führt mit dem kleinen Fährboot zuerst zum Hafen. Oosteroever heißt es dort.

Schnell wird klar, dass die Gegend ein strategisch wichtiger Punkt ist.

Bild: Skyline von Ostende

Die Skyline von Ostende mit langer Gangway die früher Bahnhof und Fährschiffe verband.

Bunkeranlagen und Gebäude sind stumme Zeugen der Geschichte der letzten Jahrhunderte. 2. Weltkrieg. 1. Weltkrieg. Und sogar Bauwerke aus der Zeit Napoleons sind noch zu sehen.

Bild: Bunker in Oosteroever in Ostende

Gruselig sieht’s in den Bunker aus dem 2. Weltkrieg aus.

Der Leuchtturm aus dem Jahr 1948 wurde erst nach den Kriegsjahren gebaut. Er ist 65 Meter hoch und über 324 Stufen könnte man bis auf die Spitze steigen. Könnte man – wir setzen uns aber auf die Stufen vor dem „Lange Nelle“. Erik hat am Fischmarkt ein paar Garnelen gekauft und packt sie aus.

Bild: Lange Nelle Leuchtturm in Ostende

Gaaaanz hoch! Der “Lange Nelle” im Hafen von Ostende.

Küstenbewohner wissen, wie die Schalentiere am besten geknackt werden. „Nimm die Garnele zwischen dem zweiten und dritten Glied in die Finger und drehe sie leicht. Dann drücke vorsichtig das Fleisch aus dem Schwanz und vom Kopf weg“.

Erik macht die Bewegung mühelos vor – ich wurschtle mit den Shrimps vor mich hin und habe mehr Fühler und Beine in der Hand als Fleisch. Dieses Problem kenne ich schon von zu Hause, daher mag ich lieber die geschälten Shrimps.

Bild: Garnele

Erik erklärt mir, wie Garnelen richtig geschält werden.

„Am Abend ist es sehr entspannend ein Bier zu trinken und Shrimps zu essen“ meint Erik, “besonders gut passt ein Rodenbach Bier zu den Garnelen.”

Geübte Shrimps-Peeler nehmen auch bei Garnelen-Schäl-Meisterschaften teil. Profis schälen bis zu einem Kilo Garnelen pro Stunde, mal sehen wann ich die ersten 100 Gramm schaffe. Die Küste bietet einige Trainingsmöglichkeiten zum Garnelenschälen. Nicht nur bei Shrimps als stimmige Knabberei zum Bier sondern auch am Krabbenfischer Boot oder bei den Krabbenfischern in Oostduinkerke.

Bild: Ketten im Trockendock

In Oosteroever hat man viele spannende Einblicke bei den Docks und Fischereigeräten.

Am Weg Richtung Strand bitte ich Erik kurz beim „Zeekabel“ stehen zu bleiben. Einerseits interessiert mich wie die Stromkabel für die Windräder vor der Küste aussehen, andererseits möchte ich hier einen Geocache suchen.

Bild: Seekabel in Ostende

Über 38,7 Kilometer lange Seekabel wird der Strom von den Windrädern zur Küste geleitet.

Erik ist sofort begeistert. Er kennt das Modell des Seekabels selbst noch nicht und Geocaching wollte er immer schon einmal ausprobieren.

„Gibt es noch mehr Geocaches in der Nähe?“ Erik hält die kleine Box mit dem Logbuch in der Hand. „Ja, entlang der Küste sind noch ein paar Geocaches auf der Karte im Smartphone eingezeichnet“ freue ich mich beim Blick aufs iPhone.

Bild: Strand Ostende

Außerhalb der Stadt ist am Strand viel Platz.

Durch die Dünen führt der Weg Richtung Küstenpromenade. Entlang des „Spinoladyk“, dem Strandweg, marschieren wir weiter in den Nachbarort Bredene. Hier ist die Promenade nicht mehr mit Hotels verbaut und nur wenige Leute sind am endlosen Strand. Eine entspannte Oase nur wenige Minuten von der großen Stadt Ostende entfernt.

Bild: Sanddünen in Bredene

Warmer Sand und kühle Brise sind in den Sanddünen vereint.

Die Sanddünen schirmen den Strand von der Straße und dem verbauten Gebiet vollkommen ab. Kleine Wege führen durch die karg bewachsenen Hügel, von hier hat man einen tollen Blick aufs Meer und aufs Hinterland.

„Da hinten gibt es einen See, der eigentlich zum Reinigen des Hafenbeckens angelegt wurde“ erklärt mir Erik und zeigt Richtung Inland auf eine runde Wasserfläche. Das System hat leider nie richtig funktioniert, obwohl die Idee gut ist: Die Flut soll Wasser in den See drücken, bei Ebbe zieht das Wasser den Schmutz aus dem Hafenbecken hinaus aufs Meer. „Der Spuikom See ist aber trotzdem schön, man kann hier gut wandern und radfahren“.

Bild: Strand in Bredene

Von den Dünen ist der Strand immer im Blick.

Dann werfen wir wieder einen Blick auf mein Smartphone – auf dem nächsten Hügel ist ein Geocache versteckt. Die Beschreibung prophezeit auch hier eine tolle Aussicht über den Strand und das Meer. Nach wenigen Minuten und einer kurzen Kletterei loggen wir auch diesen Geocache als „gefunden“. Erik ist begeistert – und ich freue mich, dass nicht nur er mir sondern auch ich ihm etwas Neues zeigen kann.

„Nach jeder Coast Greeter Tour sehe ich Ostende etwas anders als davor. Gäste entdecken andere Details als ich. Eine Besucherin war von ausgestellten Teetassen begeistert, mir sind sie vorher nicht aufgefallen. Jedes Mal wenn ich nun an dem Geschäft vorbei gehe muss ich an den schönen, gemeinsamen Tag denken.“

Bild: Erik beim Geocaching

Noch einer! Erik hat den nächsten Geocache gefunden.

Zum Abschluss zeigt mir Erik noch seine Lieblingsplätze. Eine Bank an einem ruhigen Ort mitten in den Dünen. Für Erik ist sie ein Kraftort zu jeder Jahreszeit. Die Küste ändert im Laufe des Jahres ihr Gesicht, im Winter kann es auch ganz schön zugig werden. Für uns ist hier kein Platz für eine Rast, die Bank ist von anderen Dünenwanderern besetzt.

Windgeschützter ist Erik’s Lieblingsplatz in Bredene. Hier trinken wir das Abschiedsbier. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen und ein schöner, gemeinsamer Nachmittag geht zu Ende.

Erik hat mir “sein” Ostende gezeigt – fernab von den Sehenswürdigkeiten des Stadtzentrums. Vielleicht darf auch ich eines Tages guter Gastgeber als „inoffizieller Greeter“ bei einem Gegenbesuch in Salzburg sein? Ich freue mich auf einen Gegenbesuch!

5 Fragen und Antworten zu den Belgian Coast Greeters:

  • Wer oder was sind Belgian Coast Greeters?
    Belgian Coast Greeters sind freiwillige „Locals“ aus der Region die ihre Leidenschaft für die Küste mit Gästen teilen. Sie sind keine Fremdenführer, statt der „klassischen“ Sehenswürdigkeiten zeigen sie ihre Lieblingsplätze abseits der touristischen Trampelpfade. Es gibt keine festgelegten Touren.
  • Wie viele Belgian Coast Greeters gibt es?
    Entlang der belgischen Küste gibt es derzeit rund 50 Coast Greeters die auf authentische Weise ihre Gegend zeigen, in Ostende sind es derzeit 13.
  • Was kostet eine Führung mit den Belgian Coast Greeters?
    Die Führungen der Locals sind kostenlos.
  • Wann muss ich mich für eine Tour anmelden?
    Anfragen sollten ca. 14 Tage vor der Reise gestellt werden, damit sich der Coast Greeter auf Deinen Besuch einstellen kann.
  • Wo kann ich eine Tour buchen und mich weiter informieren?
    Mehr Infos und Buchung auf der Homepage www.belgiancoastgreeters.com/de
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Dieser Beitrag entstand im Rahmen meiner Flandern Tour . Die Erfahrungen, Tipps und Hintergrundinformationen in diesem Beitrag wurden im Rahmen einer individuellen Pressereise auf Einladung von Flandern Tourismus in Wien recherchiert. Wie immer bleibt meine Meinung in der Berichterstattung davon unberührt.

Kommentare

  1. Danke für dein Beitrag andersreisender!

    Wusste gar nicht, dass die Küste so schön in Belgien ist! Und wie ist das Wasser so? Für schwimmen ist wahrscheinlich zu kalt?

  2. Ein sehr interessanter Artikel über Ostende mit tollen Erlebnissen abseits der üblichen Pfade! Den habe ich sehr gerne gelesen. Viele Grüße, Meike

  3. Andersreisender meint

    – Richard: Ja, die Küste ist toll! Leider hatte ich keine Zeit für Wassersport, aber ich war beim “Fotoshooting” mit den Krabbenfischern bis über die Knie im Wasser. War nicht kalt – also ich wäre wahrscheinlich auch baden gegangen.

    – Meike: Danke, Meike! Weiterhin viel Spaß beim blätter und entdecken. :-)

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