Kulinarische Entdeckungen in Kambodscha

Heuschrecken, Schlangen, Maden und Ameisen gehören nicht unbedingt zu den alltäglichen Zutaten in der kambodschanischen Küche. Aber gebraten, gegrillt oder frittiert sind sie beliebte Snacks zu Bier und Wein. Und manchmal findet man die kleinen Tierchen noch lebendig im Essen – wo sie eher versehentlich hingeraten.

Ein Blick in die Küche eines Lokals in Kambodscha kann Folgen haben. Es kann passieren, dass man in den meisten Restaurants vor Grausen nichts mehr essen will. Wer die Zubereitung seiner Speisen etwas genauer überprüfen will sollte sich an die Straßenküchen halten. Dort wird auch das Geschirr häufig direkt auf der Straße abgewaschen. Eine absolut transparente Geschäftspolitik kann ich da nur sagen. :-)

Bild: Straßenküche in Phnom Penh - Kambodscha

Das Essen in Kambodscha ist sehr geschmackvoll und vielseitig. Die Küche ist stark von den Nachbarländern Thailand, Vietnam und auch von China geprägt. Auch westliche Speisen haben – vor allem in den Touristenzentren – auf der Speisekarte Einzug gehalten. Nicht selten gehen sie spannende Fusionen mit asiatischen Gerichten ein.

Meine kulinarischen Abenteuer in Kambodscha mache ich Großteils gemeinsam mit Ulrike, einer sehr netten Reisebekanntschaft aus Berlin. Wir sind uns am Boot von Vietnam nach Kambodscha begegnet und besichtigen in Folge miteinander  einige Sehenswürdigkeiten. Nachdem Essen ein soziales Ereignis ist, gesellen sich an unseren Tisch immer wieder auch andere Reisende dazu.

Rindfleisch und Frösche

Die kambodschanische Küche hat wenige Tabus. Alle möglichen Fleisch- und Gemüsesorten landen im Kochtopf. Gebratene Frösche oder Rindfleisch mit Ameisen sind für Europäer keine alltäglichen Speisen. Geschmacklich sind Frösche durchaus mit Hühnerfleisch vergleichbar.

Das Rindfleisch mit Ameisen ist wortwörtlich zu verstehen. Inklusive weißer Ameiseneier. Und als Beilage ein einige lebendige Ameisen unter dem dekorativen Salatblatt.

Tischgrill

Beim Khmer BBQ hat der hungrige Gast völlige Entscheidungsfreiheit was auf den Grill und in die Suppe kommt. In der Mitte des Tisches wird ein Holzkohle-Grill mit einem kombinierten Rost gestellt. Im äußeren Ring wird Suppe eingefüllt, auf der erhabenen Kuppel in der Mitte brutzeln Meeresfrüchte und Fleisch.

Bild: Ulrike beim Khmer-BBQ in Siem Reap

In der Suppe werden Gemüse, Tofu, Nudeln, Fleischbällchen und Muscheln gegart. Der Saft des Fleisches und das Gemüse geben der Suppe einen jedes Mal einzigartigen und individuellen Geschmack. Zum Ende des Mahls darf man dann auslöffeln, was man sich zuvor eingekocht hat.

Das Essen macht so wirklich Spaß. Einen derartigen Tischgrill habe ich bei uns aber bisher noch nicht gesehen. In geschlossenen Räumen wäre er aber auch viel zu feuergefährlich.

Spanferkel…oder doch nicht?

Speziell in Phnom Penh erinnern riesige, mit Kohle befeuerte Grillgeräte mit riesigen Fleischbrocken dran an unsere Spanferkel. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich das Schwein allerdings als Kalb. Also ein ganzes Kalb vom Grill – oder besser gesagt am Grill. Sieht interessant aus, benötigt aber einige Stunden Grillzeit.

Bild: Kalb am Grillspieß in Phnom Penh

Am Abend beschließen wir dem Kalb am Spieß mit Messer und Gabel ans, hoffentlich nicht zu zähe, Leder zu gehen. Beim Kalbs-BBQ werden zum fein geschnittenen Fleisch verschiedene rohe Gemüse und Kräuter – mit Crash-Eis bedeckt – serviert. Dazu gibt es verschiedene Dipp-Saucen. Das Kalbfleisch ist überraschend zart. Fleischstücke von “medium” bis “völlig durch” werden auf einem Teller serviert.

Die Snacks

Kaum hat das “Span-Kalb” seinen Weg in unsere Mägen gefunden, taucht die Snackverkäuferin auf. Schlange schließt bekanntlich den Magen und so wird “Schlange am Stick” geordert.

Bild: Schlangen-Snack-Verkäuferin in Phnom Penh

Kundenwerbung hat auch in Kambodscha oberste Priorität und so werden noch ein paar Kostproben dagelassen: Heuschrecken, Maden, knusprige Ameisen werden verkostet. Nur die schwarzen Käfer sagen uns nicht so zu und wir lehnen sie dankend ab.

Bild: Schlangen-Snacks, Käfer & Co. in Phnom Penh

Insgesamt schmecken die Insekten nicht schlecht, die Heuschrecken und Ameisen sind sehr knusprig. Die Grashüpfer haben ein leicht süßes, rauchiges Grill-Aroma und der Ameisen-Snack schmeckt frisch nach Zitrone. Nur die Made ist etwas fade.

Bild: Gerhard beim Heuschrecke-Essen in Phnom Penh

Ach ja…und die Schlange hätten wir nach all den Geschmacksexplosionen im Mund fast vergessen: Sie ist knusprig und lässt sich besonders gut zum Bier knabbern. Feine Gräten machen sich beim Kauen bemerkbar. Besonders Zart sind die Enden  des Reptils – auf welcher Seite ist der Kopf? Ich weiß es nicht genau.

Bild: Ulrike beim Schlange essen in Phnom Penh

Späte Einsicht

Ich bin etwas unglücklich, erst jetzt solche Einblicke in die südostasiatische Küche machen zu dürfen. Vor allem die Ameisen haben es mir angetan. Ich weiß nicht wie viele Hotelzimmer ich bisher auf meiner Reise mit Ameisen teilen musste.

Ich habe mich immer über sie geärgert. Sie als willkommenen Mitternachts-Snack zu sehen, auf die Idee bin ich nicht gekommen…

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Kommentare

  1. Gerry, ist das dein Ernst mit den Insekten? Ich glaube, da würde ich Vegetarierin werden. Käfer, Maden und Ameisen würde ich wohl erst kurz vor dem Hungertod probieren. Liebe Grüße Helga

  2. Nur die Made ist fade! Herrlich!

  3. Na, wenn Du Dich so weiter ernährst, wirst Du echt Schwierigkeiten haben, Dich wieder an europäisches Essen zu gewöhnen… ;-)

    Beste Grüsse
    Sven

  4. Andersreisender meint

    @Helga: Ich muss das ja mal testen – die Zeiten könnten wieder schlechter werden und dann bin ich froh, dass ich da schon Erfahrung darin habe ;-)

    @Christian: Der Satz trifft es einfach auf den Punkt. Find ich ja auch wirklich schade um die fade Made. Da hätt’ sie auch ruhig am Leben bleiben können, wenn sie sowieso nicht schmeckt. :-(

    @Sven: Keine Sorge – ich bin schon fleißig am Trainieren! Nach dem vielen Reis nun wieder ein bisschen Fleisch – bis zum März verträgt mein Magen dann wieder Schnitzel und Schweinebraten. :-)

  5. Puh…. das ist schon hart. Insbesondere die Schlange fänd ich zu übel. Aber was soll man sagen: Wohl bekommts!

  6. geiler bericht! mir läuft das wasser im mund zusammen.
    mein lieber, wenn du wieder daham bist machen wir in veronikas raum einen event. du bist gebeten, die krabbel-schleich-hüpf-KÖSTLICHKEITEN zuzubereiten.
    und dann laden wir alle ein, die wir eigentlich nie einladen wollten.
    wow!

  7. Claudia & Grilli meint

    O Herr wirf Schnitzel vom Himmel!! Und wenn dich keines trifft, dann komm nach deiner Rückkehr zu uns. Wir bereiten dir gerne eines zu in Butterschmalz herausgebacken. Und dazu ein gutes kühles Stiegl Bier. Und wehe dir wir finden dich dann in unserer Küche am Boden kriechend auf der Suche nach Insekten.

  8. Andersreisender meint

    @h.rogra: Das ist eine gute Idee! Du musst dann aber einiges an Alkohol besorgen – den brauche ich, um die knusprigen Dinger dann runterzuspuelen…

    @Claudia & Grilli: Schnitzel regnet es leider keine – schon gar nicht in Butterschmalz herausgebackene. Die gibt es ja leider nur ganz, ganz selten. Mir laeuft schon das Wasser im Mund zusammen – so eine Schnitzel-Bier-Kombi-Einladung wuerde ich nicht ausschlagen.

  9. Servus ins Land der Krabbelden und kriechenden Vorspeisen.
    Insekten sind ja wohl auch bei uns als Snack voll im Trend. Hatte leider noch nicht das Vergnügen, war und bin aber überrascht, dass Insekten zum Verzehr sogar bei uns erhältlich sind. Hat jemand von Euch Erfahrung mit Insekten kochen? Servus, Kian

  10. Andersreisender meint

    Kian: Zu Hause habe ich bisher noch keine Insekten gekocht. Das überlasse ich den Köchen in jenen Ländern, die sich damit gut auskennen. ;-)

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