Auf den Spuren unserer Weihnachtsbräuche in Thüringen

Bunter Glasschmuck, Christbäume auf öffentlichen Plätzen und so manches bekannte Weihnachtslied hatten in Thüringen ihren Anfang. Grund genug, dem mitteldeutschen Bundesland einen vorweihnachtlichen Besuch abzustatten.

Die Thüringer hängen sogar Gurken in den Weihnachtsbaum! Das glaubst Du nicht? Die „Weihnachtsgurke“ gehört zu den vielen Weihnachtstraditionen, die aus Thüringen stammen.

Im Thüringer Wald kann die Winterreise in verschneiter Landschaft beginnen. In den höher gelegenen Orten, wie etwa in Lauscha, tanzen die Schneeflocken oft schon Ende November in der kalten Luft. Der Schnee knirscht unter den Stiefeln beim Spaziergang durch den Kugelmarkt.

Glasschmuck aus Thüringen

Lauscha ist die Stadt der Glasbläser, hier haben Christbaumschmuck und Weihnachtskugeln aus Glas Tradition. Der Legende nach stellte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Glasbläser erstmals Christbaumschmuck aus Glas her. Er konnte sich teure Winterfrüchte wie Walnüsse und Äpfel nicht leisten. Darum fertigte er farbige Kugeln aus Glas und schmückte damit seinen Weihnachtsbaum.

Bild: Weihnachtsschmuck Lauscha

Der Weihnachtsschmuck aus Glas…

Wissenschaftlich belegen lässt sich die Legende in genau dieser Form nicht. Aber unabhängig davon trat die Christbaumkugel im Jahr 1880 von Thüringen aus ihren Siegeszug um die Welt an. Der US-Amerikaner Frank Winfield Woolworth brachte damals die ersten Christbaumkugeln aus Glas nach New York. Er ist der Gründer der gleichnamigen Kaufhaus- und Supermarktkette.

Heute sind die bunten Kugeln und Figuren vom Christbaum nicht mehr wegzudenken, der handgemachte Schmuck ist nach wie vor sehr begehrt. Dass es sich beim Christbaumschmuck um Handarbeit handelt erkennt man z.B. am kleinen Hügel an der Unterseite der Kugel und an der Bruchstelle unter der Kappe. Woher dieser „Nippel“ und die Bruchstelle stammen erlebt man selbst in der Farbglashütte in Lauscha.

Bild: Farbglashütte Lauscha

…wurde erstmals in Lauscha hergestellt.

Dort werden heute noch in traditionellen Verfahren Glasprodukte und Christbaumschmuck aus Glas hergestellt. Wer sich’s zutraut kann sogar seine eigene Christbaumkugel aus Glas blasen.

Ich tausche bei meinem Besuch mit der Glasbläserin die Plätze. Zuerst werden der Glaskolben und ein Farbgranulat mit einer Gasflamme erhitzt. Unter fachkundiger Anweisung blase ich dann vorsichtig Luft in die Röhre.

Bild: Gerhard Liebenberger - Glaskugel blasen

In der Farbglashütte Lauscha darf man sich als Glasbläser versuchen…

Die Kugel muss ständig gedreht werden, damit sie sich gleichmäßig ausdehnt. Langsam wird die Kugel größer, das zähe Glas zeigt überraschend wenig Widerstand. Ich stoppe gerade noch rechtzeitig, fast wäre die dünne Glaswand geplatzt.

Selbstgemachte Christbaumkugeln aus Glas

Nach zehn Minuten ist die Kugel abgekühlt. Damit daraus eine Christbaumkugel wird muss der Stil noch abgeschnitten und ein Kugelhalter montiert werden. Fertig ist der selbstgemachte Weihnachtsschmuck!

Bild: Selbstgemachte Christbaumkugeln

…und die selbstgemachte Christbaumkugel mit nach Hause nehmen.

In der Farbglashütte in Lauscha dreht sich das ganze Jahr alles um den handgemachten Christbaumschmuck. Beim Schmücken des Weihnachtsbaumes gibt es wechselnde Trends. Derzeit sind Silber, Weiss und Pastelltöne besonders beliebt.

Bild: Christbaumschmuck aus Glas in Lauscha

Neben dem bekannten Weihnachtsschmuck…

Eine bleibt allerdings immer grün: Die Gurke. Sie darf in keinem Thüringer Weihnachtsbaum fehlen. Zwischen den Tannenzweigen ist sie gar nicht so einfach zu entdecken. Jenes Kind, das sie als erstes findet, bekommt ein Extrageschenk oder darf sein Weihnachtsgeschenk als erstes auspacken.

Gurke am Weihnachtsbaum

Diese lustige Tradition wird auch außerhalb Thüringens immer beliebter. Ab diesem Weihnachtsfest schmückt eine “Weihnachtsgurke” auch den Baum meiner Familie.

Bild: Weihnachtsgurke aus Thüringen

…wird in Teilen Thüringens auch die “Weihnachtsgurke” in den Christbaum gehängt.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Christbaum immer populärer. Von Johann Wolfgang von Goethe stammt eine der ersten Erwähnungen des Weihnachtsbaums in der deutschen Literatur. 1774 schrieb er darüber in seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“.

Der erste, öffentliche Weihnachtsbaum stand in Weimar

Die Kirche und Förster waren damals gegen das Abholzen der Bäume, mit Strafen wollten sie dem Waldfrevel unbedingt verhindern. Wie wir heute wissen, konnten sie die weitere Entwicklung der Tradition nicht aufhalten. Vor genau 200 Jahren, im Jahr 1815, stellte der Buchhändler Hoffmann in Weimar den ersten öffentlichen Weihnachtsbaum vor seinem Geschäft auf.

Bild: Christbaumschmuck. Kugel aus Glas

Den ersten öffentlichen Weihnachtsbaum stellte der Buchhändler Hoffmann am Marktplatz in Weimar auf.

Er wollte damit weniger gut situierten Kindern eine Freude bereiten. Erst fast hundert Jahre später war es dann üblich, dass jede Wohnstube zu Weihnachten ein Christbaum schmückt.

“O du fröhliche”

Am Heiligen Abend stehen die Kinder mit offenem Mund vor dem Baum und beobachten Kerzen, glitzernden Schmuck und Süßigkeiten. Und suchen die “Weihnachtsgurke” zwischen den Zweigen, während sie Weihnachtslieder anstimmen.

Bild: Glockenspiel beim Rathaus Weimar

Das Glockenspiel am Rathaus Weimar spielt in der Weihnachtszeit “O du fröhliche” und andere Weihnachtslieder.

Der Text des Weihnachtsliedes „O du fröhliche“ stammt ebenfalls aus Thüringen. Der Dichter und Weimarer „Waisenvater“ Johannes Daniel Falk gab der Melodie des italienischen Marienlieds die deutsche Textfassung.

Beim weihnachtlichen Besuch in Weimar sollte man zwischen 15 bis 19 Uhr jeweils zur vollen Stunde vor dem Rathaus sein. Mit einem wärmenden Punsch in der Hand kann man beim Glockenspiel aus Meißner Porzellan den verschiedenen Weihnachtsliedern lauschen und mitsingen:

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, Christenheit!

Das Glockenspiel in Weimar spielt auch noch andere Weihnachtslieder. In einem anderen Beitrag stelle ich Dir diese Lieder und drei besonders schöne Weihnachtsmärkte in Thüringen vor.

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Die Erfahrungen, Tipps und Hintergrundinformationen in diesem Beitrag wurden im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von  Thüringen Tourismus recherchiert. Wie immer bleibt meine Meinung in der Berichterstattung davon unberührt.

Kommentare

  1. Christina meint

    Hahahaha… von der Weihnachtsgurke hab ich ja noch NIE was gehört! XD Echt genial und wenn ich mal eine Finde, muss die glaub ich für das nächste Mal mit! Super!
    Das die Glaskugeln eigentlich etwas von “armen” Leuten war, hätte ich auch nicht gedacht. Spannend.

    Liebe Grüße und schöne Adventszeit!
    Christina

  2. Christina
    da kann ich mich anschließen. Über eine Weinachsgurke höher ich auch, das erste Mal. Na ja es ist eben eine regionale Tradition, die ein wenig lustig scheint, wobei ein extra Geschenk zu bekommen, wenn man die Gurke findet, ist auch verlockend, da werde ich vielleicht heuer so was ausprobieren aber sicher nicht mit einer Gurke.

  3. Andersreisender meint

    – Christina: Da musst Du am 24.12. zu mir in die Steiermark kommen. Da kannst Du dann im Christbaum Gurke suchen. ;-)

    – Nicolas: Was hängst Du statt der Gurke zum Suchen in den Baum? Es sollte, wenn möglich, etwas Grünes sein – damit’s schwer zu finden ist. ;-)

  4. Ich hoffe wir bekommen dieses Jahr von deinem Baum ein Bild zu sehen – ich möchte die Gurke (suchen) sehen! :)

  5. Das mit der Weihnachtsgurke kannte ich auch nicht, finde die Idee aber prima.
    Jedenfalls macht dein Artikel Lust auf einen Besuch in Lauscha.
    Ich werde das mal meinem Team als Ausflugstipp für die Vorweihnachtszeit 2016 vorschlagen.

  6. Andersreisender meint

    – Neni: Ein “Suchbild” sozusagen, oder? ;-)

    – Tonari: Und den Weihnachtsgurken-Einkauf nicht vergessen! ;-)

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