Interview: Reisen, online arbeiten und Geld verdienen

“Reisen und Geld verdienen – geht das?” Diese Frage taucht regelmäßig im Internet auf und wird mir auch immer wieder in meinem Bekanntenkreis gestellt. Meine klare Antwort lautet dann “Ja, klar funktioniert das. Es gibt viele Möglichkeiten diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen”.

Nils Römeling und seine Frau Yvonne waren zwei Jahre lang als Weltreisende unterwegs und verdienten währenddessen ihren Lebensunterhalt. Die beiden lernte ich erst nach meiner achtmonatigen Asienreise persönlich kennen, mit einem Treffen am “anderen Ende der Welt” wollte es einfach nicht klappen.

Wie sie während ihrer Weltreise Geld verdienten, davon erzählt Nils in seinem neuen E-Book*, das gestern auf den Markt kam.

Im Interview hat mir Nils einige Tipps fürs Reisen und Geld verdienen verraten und auch erzählt wie er seine Ziele erreichte.

Wer könnte besser vom Reisen und Geldverdienen berichten als Du, Nils. Ich lernte Dich vor fast drei Jahren als „Affiliate auf Weltreise“ kennen. Was hat es mit diesem Titel eigentlich genau auf sich?

Nils: Ein „Affiliate“ ist eine Art Mittelsmann – ich verkaufe auf meinen Webseiten Produkte, leite aber diese Bestellungen an interessierte Shops im Internet weiter. Kauft ein Interessent dann ein Produkt, bekomme ich eine Provision vom Shopbetreiber.

Das ist eigentlich die ganze Kunst und führt immer wieder zu erstaunten Blicken: Ich verkaufe Produkte auf meinen Webseiten, habe aber selbst keinen Lagerbestand und verschicke diese Sachen auch nicht selbst. Wenn dann Kunden bei mir anrufen und „mal kurz“ vorbeikommen wollen, um z.B. eine türkische Fahne abzuholen, muss ich diese immer auf den Onlineshop vertrösten. Auf meiner Weltreise verkaufte ich z.B. Fußballtrikots während der WM 2010 in Südafrika. Zu dieser Zeit befand ich mich aber in Australien.

Bild: Sydney

Mit Blick auf die Oper von Sydney Trikots für Südafrika verkaufen

Heute würde ich mich eher „Webworker auf Weltreise“ nennen. Denn fern meiner Affiliate-Shops betreibe ich noch andere Webseiten, wo es gar nicht so sehr um’s Verkaufen geht. Auch hatte ich einen Kunden, dem ich von unterwegs für die Suchmaschinenoptimierung zur Seite stand.

Zwei Jahre zu reisen und von unterwegs Geld zu verdienen ist ein Traum vieler. Wie viel Zeit hast Du am Tag für die Arbeit aufgewandt?

Nils: Im Nachhinein gesehen zu viel! Teilweise waren es mal zwei Stunden, aber auch mal vier Stunden pro Tag. Das hat sich dann meistens auf die Zeit morgens oder abends konzentriert, während wir tagsüber beim Wandern, Reisen oder Sightseeing waren.

Gleich drei Mal stoppten wir für jeweils vier Wochen: Buenos Aires, Kapstadt und Perth. Hier mieteten wir uns Appartements und ich nutze diese Zeit zum Arbeiten, auch mal 10 Stunden oder länger am Tag. Natürlich waren diese Stopps auch wichtig, um sich vom aktiven Reisen zu erholen.

Bild: Kapstadt

Einen langen Reisestopp zum Arbeiten machten Nils und Yvonne in Kapstadt

Ab und zu ertappte ich mich dann abends am Laptop anstatt den Sonnenuntergang mit einem Cocktail in der Hand zu genießen. So kann’s gehen, wenn man pflichtbewusst und motiviert ist. Leider trauere ich da einigen Augenblicken hinterher.

Gelernt habe ich somit für mein heutiges Leben, dass auch einmal Aufgaben liegen bleiben können/dürfen, wenn diese nicht so dringend sind. Wir sollten alle mehr im Moment leben.

Um so ein Reiseprojekt durchzuziehen muss man bestimmt schon zu Hause einiges an Vorarbeit leisten. Wie hast Du Dich auf die Arbeit während Eurer Weltreise vorbereitet?

Nils: Ich habe mich mit meinen Webseiten schon 1,5 Jahre vorher selbstständig gemacht. Diese Zeit war genau so eingeplant. Zunächst musste ich mir eine Infrastruktur der Webseiten und auch ein Netzwerk von Freelancern zulegen.

Im besten Fall musste ich selbst an einer Webseite keine Hand anlegen, sondern nur einem Grafiker, Programmierer oder Texter das Briefing mit Aufgaben zuschicken. Outsourcing ist das Schlagwort, damit alles „alleine“ läuft, auch wenn ich mal nicht online war.

Bild: Arbeiten in der Hängematte in Mexico (c) Nils Römeling

Abhängen mit dem Laptop in Mexico

An unserem Reiseblog Gnomad.de gab es natürlich auch eine Menge vorzubereiten. Kurz vorher habe ich noch ein neues Design installiert und los ging es.

Nervig war dagegen das ganze Administrative: Mein Vater hat beispielsweise unsere Post eingescannt und uns per Email zugeschickt. Ich fand in München eine Steuerberatung, die sich auf das Prozedere mit der monatlichen Umsatzsteuer einließ und mir diese anfertigte: Ich schickte die Kontobelege und Rechnungen per pdf und Email nach Deutschland. Alle Angelegenheiten mit Versicherungen dagegen regelte meine Frau vorab.

Ich stelle mir vor, dass eine Urlaub-Arbeits-Kombination durchaus Konfliktpotential mit dem Partner bietet. Gab es da im Laufe der Zeit Reibungspunkte zwischen Dir und Yvonne?

Nils: Oh ja! Wir bereiteten zwar unsere Reise gemeinsam vor, sprachen aber eigentlich gar nicht, wie wir uns das vorstellten mit meiner Arbeit. Gleich in den ersten vier Wochen auf Hawaii „knallte“ es gewaltig.

Ich wollte morgens in Ruhe meinen Kaffee trinken und Emails checken. Yvonne wollte gleich morgens losziehen, wandern oder den Sonnenaufgang genießen. Es dauerte einige Zeit, bis sich unsere Tagesplanung so einspielte, dass wir beide damit leben konnten.

Bild: Hawaii (c) Nils Römeling

Beziehungskrise unter Palmen gab es während der Weltreise auf Hawaii

Anfangs hatten wir auch nur einen Laptop, nach 8 Monaten etwa reiste Yvonne mit ihrem eigenen Laptop. Auch, weil Sie immer mehr unseren Reiseblog mit interessanten und spannenden Geschichten füllte und ich mich mehr auf meine eigene Arbeit konzentrieren konnte. Das hatte dann auch den Vorteil, dass wir beide am PC saßen und keinem von uns beiden langweilig wurde, weil der andere eben in das Ding starrte.

Irgendwann im 2. Jahr hatten wir uns so miteinander eingespielt, dass wir gemerkt haben, nicht mehr ohne den anderen zu können. Ich empfehle jedem Paar, das gemeinsam auf Reisen geht, genau vorher über die Erwartungen und Vorstellungen zu reden.

Über das Geldverdienen während der Reise hast Du nun ein Buch geschrieben. Darin geht es aber nicht nur ums Affiliate Marketing, oder?

Nils: Ich möchte nicht in die Ecke der unzähligen „So verdiene ich ohne Mühe schnell, viel Geld im Internet-Ratgeber“ geschoben werden. Um das Thema Geld verdienen im Internet geht es folglich nur sekundär.

Im eigentlichen Sinne geht es in diesem Buch* darum, wie man reisen und online arbeiten kann. Auf was man achten sollte, welche Schritte zur Vorbereitung nötig sind und natürlich geht es auch darum, wie man überhaupt eine Webseite aufbaut, mit dieser dann Geld verdienen kann und was Affiliate-Marketing sowie Suchmaschinenoptimierung sind.

Bild: Internet (c) Nils Römeling

Grundlage für erfolgreiches Reisen und Arbeiten ist das Internet

Ein nicht unwichtiger Teil erklärt die Technik: Welchen Laptop nehme ich mit und welche sonstige Ausrüstung brauche ich. „Reise leicht“ ist zum Beispiel einer meiner Grundsätze. Auch geht es um die Organisation, eben um die Finanzen, die Buchhaltung und die Versicherungen.

Dort gebe ich viele Tipps wie ich es gemacht habe und wie ich es heute machen würde. Es gibt neue externe Dienste, die einem so einiges an Arbeit abnehmen und erleichtern.

Außerdem habe ich Wert darauf gelegt, einige Experten zu Wort kommen zu lassen. Neben Micha Pawlitzki, einem der renommiertesten Landschaftsfotografen Deutschlands, habe ich zum Beispiel Eric Kubitz gewinnen können, einen Artikel über „den perfekten Blogbeitrag“ zu schreiben. Gleich fünf Gastbeiträge erweitern das Buch um wichtige Erfahrungen und Tipps.

Welche der Möglichkeiten um Geld zu verdienen hast Du während Deiner Reise persönlich ausprobiert?

Nils: Ich beschreibe allerhand Jobs, die man online und auf Reisen ausüben kann. Wer keine eigene Webseite hat, der kann für Auftraggeber Texte schreiben. Designer und Programmierer sind auch fein raus, denn allerhand Internet-Plattformen schreiben diverse Aufträge aus, für die man sich bewerben kann. Solche Tipps gebe ich im Buch.

Bild: Neuseeland (c) Nils Römeling

Die Weltreise führte auch an die traumhaften Strände Neuseelands

Ich selbst habe lediglich mit meinen eigenen Webseiten Geld verdient. Viel Optimierungsarbeit, langer Atem und ordentliche Ideen flossen in meine eigenen Projekte. Auch wenn nicht immer alles rund lief, kann ich mir mittlerweile keinen anderen Job mehr vorstellen.

Gibt es Länder in denen die Kombination Reisen und Geld verdienen besser funktioniert – und andere in denen das überhaupt nicht klappt?

Nils: Im Buch beschreibe ich 36 Länder und Städte, die wir besucht haben und ob bzw. wie man dort leben und arbeiten kann. Empfehlen kann ich solche Länder, in denen die Lebenshaltungskosten sehr niedrig sind und man mit einem gewissen Monatseinkommen richtig gut leben kann. Natürlich muss die Internetstruktur auch funktionieren.

Westliche Länder wie die USA, Australien oder Neuseeland eignen sich natürlich auch sehr gut – wenn da nicht die hohen Kosten wären. Hier lebt es sich sehr sicher, man hat im Normalfall schnelles Internet und eine hohe Qualität der Lebensgestaltung.

Bild: Namibia (c) Nils Römeling

In Namibia funktioniert das Surfen auf den Sanddünen besser als im Internet

Aber auch Länder wie Thailand, Argentinien oder Mexiko eignen sich sehr gut, hier haben wir z.B. überall sehr gut gelebt und gearbeitet. Mit Abstrichen kann man sicherlich auch gut in Brasilien oder Südafrika attraktiv leben, muss dann aber wegen der Sicherheit stets auf der Hut sein.

Sehr arme Länder wie Bolivien, Kambodscha, Tansania oder Kenia sind zum Reisen wunderschön. Zum Leben oder Arbeiten sind diese Länder aber nur für eine gewisse Zeit angenehm. Langsames Internet, häufige Stromausfälle oder auch das Wetter können einem da das Leben schwer machen.

Bild: Botswana (c) Nils Römeling

In Botswana erschwert langsames Internet die Online-Arbeit auf Reisen

Richtig anstrengend war es für mich in China: Facebook, Xing (und selbst die Bildzeitung) sind gesperrt und eigentlich weiß man nie, ob die Regierung nicht auch unsere Emails mitliest und Daten gegen uns sammelt.

Aber das wissen wir ja selbst von den USA nicht… Zumindest ist es dort sehr schwer, sich aufgrund der Sprache und Mentalität wohlzufühlen. Aber das ist mein ganz subjektiver Eindruck.

Wer sollte Dein Buch unbedingt lesen?

Nils: Jeder, der gerne reist und sich vorstellen kann, an einem Laptop sitzend seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Motivation, eiserner Wille und eine Portion Lebensmut gehören sicherlich dazu.

Ob Designer, Programmierer, Fotografen, Autoren oder Blogger, um wenige Berufsgruppen zu nennen – das Thema “reisen und online arbeiten” liegt im Trend. Selbst für Leute, die nur vier Wochen urlauben und ihre Arbeit nicht zu Hause lassen können – ich meine damit vor allem die vielen Selbstständigen – ist das Buch geeignet, um sich eine funktionierende Infrastruktur zuzulegen.

Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigen und den Traum von diesem Lebensstil verwirklichen möchten?

Nils: Loslassen und die eigenen Gewohnheiten ändern! Ich glaube, das beschreibt sehr gut, was passiert, wenn man unterwegs ist und versucht zu arbeiten.

Bild: Serengeti (c) Nils Römeling

Auszeit vom Reise-Job. Offline in der Serengeti.

Wer sagt denn, dass man auch auf Reisen von 9 bis 5 arbeiten soll und sowieso: Wer hat den “acht Stunden Tag” erfunden und warum? Das alles ist hinfällig auf Reisen – Zeit und Raum sind obsolet. Das hört sich vielleicht philosophisch an, ist aber tatsächlich so.

Nils, Dein Buch “Reisen und online Arbeiten” ist gestern druckfrisch erschienen, wo ist es erhältlich?

Derzeit ist es exklusiv auf Reise-Ebook.com* zu bekommen. Eventuell wird es das Buch irgendwann auf Amazon oder itunes geben, das ist aber noch in weiter Ferne. Auch kann ich mir vorstellen, es drucken zu lassen. Mal sehen.

E-Book Reisen und online arbeiten

Das Buch kostet übrigens 19,90 EUR und deine Leser hier bekommen mit dem Gutschein ANDERSREISEN20 20%  Rabatt – allerdings nur die nächsten 3 Tage.

Ich bin neugierig: Habt Ihr neue Reisepläne?

Nils: Also eine längere Reise ist derzeit nicht geplant. Wir schätzen unser eigenes Bett und unsere Ruhe. Ich kann mir aber gut vorstellen, über den Winter einige Monate in den Süden zu gehen – Barcelona oder die Kanaren stehen bei mir hoch im Kurs.

Ansonsten haben wir uns einen VW California angeschafft und campen sehr gerne im Allgäu. Damit werden wir Ende August eventuell auch nach Korsika fahren.

Für eine Fernreise haben wir tatsächlich noch nicht wieder die Muße – die Eindrücke von 2 Jahren Weltreise sind uns heute noch so präsent, dass es uns erst einmal nicht wieder wegzieht.

Ich danke Dir fürs Interview und drücke Dir die Daumen, dass Dein Buch ein Bestseller wird!

Neugierig geworden? Eine kostenlose Leseprobe findest Du hier*.


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Kommentare

  1. Interessanter Artikel, auch wenn es jetzt nicht zu meinem Lebensstil passt. Aber dennoch mal interessant zu lesen, wie man von unterwegs Geld verdienen kann. Danke Nils für den Einblick.

  2. Klasse Interview! Die Gnomad’s waren wohl mein erster Reiseblog den ich gelesen habe und sind deswegen sozusagen mitverantwortlich dass es meinen überhaupt gibt 🙂

    LG
    Manuela

  3. Michaela meint:

    Der Gedanke ist faszinierend Job und Freizeit/ Urlaub zu verbinden.
    Ich glaube diese Power die dahinter steckt würde mir Spaß machen.
    Es passt aber absolut nicht in mein Leben von daher…
    “Aber im nächsten Leben bestimmt…! ”

    Ganz lieben Gruß aus der Steiermark, Michaela

  4. Andersreisender meint:

    – Alex: 🙂

    – Manuela: *gg* Ich lernte die Gnomads auch schon vor Jahren kennen. Ich finde sie sind ein absoluter Reiseblog-Klassiker.

    – Michaela: Don’t worry – oft ändern sich die Lebensverhältnisse so schnell, dass es dann plötzlich ins Konzept passt. Augen offen halten – ich finde die Kombination Reisen, arbeiten und Geld verdienen einfach super 🙂

  5. Gesundblogger meint:

    Auf jeden Fall ne coole Sache, wenn man ungebunden ist und viel Zeit hat – Semesterferien, nach dem Studium oder so. Ich bin übrigens schon begeistert, dass jetzt ach die Regionalzüge in Deutschland Steckdosen haben. Somit ist ein Notebooken jenseits des Akkus nicht nur ICE-Reisenden vorbehalten. Gar nicht so schlecht die Bahn.

  6. Hi, ich bin gerade auch mit meinem Freund auf Reisen und er hat auch das Glück seine IT-Admin Tätigkeiten unterwegs zu managen. Ich musste etwas lachen als es um Hawaii und den Konflikt ging, weil diese Dinge kann ich bestätigen. Bei uns gab es das auch, vorallem während meinen Semesterferien von meinem Online Studim.

    Immer wieder schön Beiträge über das Arbeiten unterwegs zu lesen.

  7. Andersreisender meint:

    – Nicole: Ich freue mich, dass Du Dich in meinen Blog verirrt hast. Reisen und arbeiten zu kombinieren ist einfach super. 🙂 Ich wünsche Euch noch eine supertolle Reise und hoffe, dass Ihr noch richtig lange unterwegs sein drüft!

  8. Der Lebensstil ist schon recht angenehm, weil man ja an nichts direkt gebunden ist. Trotzdem ist es erst einmal doch sehr schwer sich eine sichere Einnahmequelle aufzubauen. Verdienst du wirklich 100% deines Geldes mit Bloggen etc.? Ich finde das Ganze hat schon eine sehr lange Anlaufzeit.

    Viele Grüße,
    Manuel

  9. Andersreisender meint:

    Manuel: Es gibt einige Blogger die leben davon. Bei mir vermischen und ergänzen sich die Einnahmequellen. Bloggen ist ein zentraler Bestandteil.

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