Transsib (15): Tereldsh Nationalpark

Mon­tag, 9. Fe­bru­ar 2009
Um kurz nach 9 Uhr star­ten Ca­ro­li­na und Gus­tav aus Schwe­den und ich mit ei­nem Tour­gui­de in den Tereld­sh Na­tio­nal­park.
 
Wir quae­len uns mit viel Ge­hu­pe durch den Ver­kehr in Ula­an­baa­tar. Auch am Land mu­es­sen wir un­frei­wil­lig stop­pen. Doch wir freu­en uns, dass uns ein paar Vier­bei­ner vor die Lin­se hue­pfen. Die Stadt liegt hin­ter uns und das Land ist nur no­ch du­enn be­sie­delt. Durch hue­ge­li­ge Land­schaft er­rei­chen wir nach et­wa ein­ein­halb Au­to­stun­den den Tereld­sh Na­tio­nal­park. Vor uns baut si­ch ei­ne be­ein­dru­cken­de Ku­lis­se auf.
Tereldsh Nationalpark - Mongolei
Fels­bloe­cke schil­lern in kraef­ti­gen ro­ten Farb­toe­n­en, Scha­fe, Pfer­de und ei­ne wei­te Land­schaft sind zu se­hen. Vor der Fels­ku­lis­se un­ser Ger, in dem wir die Nacht ver­brin­gen wer­den. Am Weg zu un­se­rem Ger mu­es­sen wir bei ei­nem Ka­mel vor­bei (ja, die gibt’s nicht nur dort, wo es warm ist...), die Hun­de be­gru­es­sen uns freund­li­ch.
Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Kamel
Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Hund
Wir brin­gen ra­sch un­se­re Sa­chen ins Ger. Fu­enf Bet­ten sind rund um den Ofen auf­ge­stellt. Wir schnap­pen uns die drei am wei­test von der Tu­er ent­fern­ten Bet­ten. Das Feu­er ist be­reits an und im Ger ist es ku­sche­lig warm.

 Wir bre­chen zu ei­ner rund zwei­ein­halb­stu­en­di­gen Wan­de­rung auf. Atem­be­rau­ben­de Land­schaft ist zu se­hen, wir ko­en­nen uns kaum satt­se­hen. Aus­ser­dem herrscht ab­so­lu­te Stil­le – nichts ist zu hoeren. Wir ha­ben Glu­eck – es ist fu­er die Jah­res­zeit un­ge­wo­ehn­li­ch warm. So ko­en­nen wir auch im­mer wie­der ver­wei­len und ge­nies­sen.

 Tereldsh Nationalpark - Mongolei

Tereldsh Nationalpark - Mongolei

Tereldsh Nationalpark - Mongolei

Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Knochen

Tereldsh Nationalpark - Mongolei

Um 14 Uhr gibt’s Mit­tag­es­sen. Wir be­kom­men Chuuschu­ur, frit­tier­te Teig­ta­schen ge­fu­ellt mit Rind­flei­sch, ser­viert. Ur­spru­eng­li­ch wer­den sie mit Ham­mel­flei­sch (na no na ned in der Mon­go­lei) ge­fu­ellt – dies du­erf­te die “Tou­ris­ten-Ver­si­on” sein.
Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Ger
Am Nach­mit­tag hat man dann noch­mals viel Zeit fu­er si­ch. Ca­ro­li­na und Gus­tav ma­chen ei­nen klei­nen Aus­ritt auf den recht klei­nen, aber ro­bus­ten, Pfer­den.
Der Abend bricht her­ein und wir ma­chen es uns im Ger be­quem. Wir be­kom­men von un­se­rer Gast­fa­mi­lie das Abend­es­sen ge­bracht – Reis mit di­ver­sem et­was. Sieht sehr un­mon­go­li­sch fu­er mi­ch aus.
Es wird draus­sen im­mer ku­eh­ler, im et­wa 30-Mi­nu­ten-Takt hei­zen wir un­se­ren klei­nen Ofen mit Holz nach. Wir mu­es­sen selbst auf un­ser Feu­er ach­ten – geht es aus, wird es sehr kalt. Na dann gu­te Nacht. Wir ue­ber­le­gen, wie wir das Nach­hei­zen in der Nacht or­ga­ni­sie­ren soll­ten. Gott­sei­d­ank ha­ben wir di­cke Schlaf­sa­ecke da­bei. Die Wet­ter­vor­her­sa­ge pro­phe­zeit uns –20 Grad fu­er die­se Nacht.
Ge­gen 23 Uhr meint es Ca­ro­li­na gut – sie heizt noch­mal or­dent­li­ch nach. Es wird kurz­fris­tig sehr heiss – wir kom­men fast um vor Hit­ze. No­ch zwei­ma­li­ges Nach­hei­zen, dann schla­fen wir ein.
Diens­tag, 10. Fe­bru­ar 2009
 
Ich wa­che ge­gen 8 Uhr am Mor­gen auf und ha­be her­vor­ra­gend ge­schla­fen. Nur mei­ne Na­sen­spit­ze schaut aus dem ku­sche­li­gen Schlaf­sack – im Ger be­traegt die Tem­pe­ra­tur nur no­ch 2 Grad. Ich be­schlies­se so lan­ge im Schlaf­sack zu blei­ben, bis je­mand von der Gast­fa­mi­lie nach­hei­zen kommt. Ca­ro­li­na und Gus­tav tun’s mir gleich. Hart­na­eckig­keit zahlt si­ch aus – kurz vor 9 Uhr wird das Feu­er wie­der ent­facht. 20 Mi­nu­ten spae­ter ist es schon wie­der ku­sche­lig warm.
Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Ger
Za­eh­ne­put­zen und “Mor­gen­toi­let­te” bei Mi­nus­gra­den im Frei­en *brrr* Weit und breit kein Bu­sch zu se­hen. Wir Ma­en­ner ha­bens da gott­sei­d­ank leichter...also muss ein Fel­sen her­hal­ten.
Dann gibt’s Fru­ehs­tu­eck mit Tee, am spae­ten Vor­mit­tag wer­den wir ab­ge­holt. Bei der Ru­eck­fahrt se­hen wir dann no­ch den “Turt­le Ro­ck” – ich wu­er­de fast sa­gen, er ist das Wahr­zei­chen des Tereld­sh Na­tio­nal­park.
Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Turtle Rock
Auch bei ei­nem Owoo ma­chen wir Halt – ein hei­li­ger Platz der Scha­ma­nen. Man geht drei­mal um die­ses Stein­ge­bil­de her­um und hin­ter­la­es­st ei­nen Stein als Op­fer­ga­be.
Tereldsh Nationalpark - Mongolei - Owoo
Der rest­li­che Tag ver­laeuft in UB ge­mu­et­li­ch. Nach dem Mit­tag­es­sen (wie­der Ham­mel­sup­pe) brin­gen Ca­ro­li­na und ich un­se­re In­for­ma­tio­nen im In­ter­net­ca­fe auf Vor­der­mann. Da ver­flie­gen die Stun­den bei lang­sa­mer Ver­bin­dungs­ge­schwin­dig­keit. Lei­der macht mir der Com­pu­ter im­mer wie­der ei­nen Strich durch die Rech­nung. Nur quae­lend ko­en­nen Fo­tos hoch­ge­la­den wer­den, Vi­deos sind ein ge­ne­rel­les Pro­blem.
Am Abend be­kom­me ich dann zum Es­sen end­li­ch mei­ne “ori­gi­na­len” Chuuschu­ur zu es­sen – mit Ham­mel­flei­sch und or­dent­li­ch Fett – wie es sein soll! Zu siebt (5 Schwe­dIn­nen, 1 Fran­zoe­sin, 1 Oes­ter­rei­cher) las­sen wir den Abend in ei­nem Irish Pub aus­klin­gen.

Weiterlesen im Live-Reisetagebuch Transsibirische Eisenbahn:

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