Kyrillisch lernen in 90 Minuten

Bei der Rei­se­vor­be­rei­tung für Län­der wie Russ­land, Bul­ga­ri­en, Weiß­russ­land, Ka­sach­stan, die Ukrai­ne oder die Mon­go­lei – um nur ei­ni­ge zu nen­nen – sto­ßen vie­le Rei­sen­de bald dar­auf, dass in die­sen Län­dern die Ky­ril­li­sche Schrift ver­wen­det wird. Wer schon mal Russ­land oder an­de­ren Län­dern mit ky­ril­li­scher Schrift be­sucht hat stell­te fest, dass man nur mit Kennt­nis un­se­rer la­tei­ni­scher Schrift nicht sehr weit kommt.

Ei­ne der wich­tigs­ten Vor­bre­rei­tun­gen für ei­ne In­di­vi­du­al­rei­se nach Russ­land & Co. ist, die ky­ril­li­sche Schrift le­sen zu kön­nen. Kei­ne Sor­ge, auch wenn die Ab­rei­se schon mor­gen sein soll­te: Ky­ril­li­sch zu ler­nen ist ein­fa­cher als man denkt. Ich war auf mei­ner Rei­se nach Russ­land 2009 über­ra­sch, wie schnell ky­ril­li­sch zu ler­nen ist – da­mals hat­te ich auf der Zug­fahrt von Wien nach Mos­kau da­für et­was Zeit. Ich be­haup­te, dass dies so­gar in 90 Mi­nu­ten grund­le­gend mög­li­ch ist. Näm­li­ch so, dass man bei der An­kunft in Mos­kau, St. Pe­ters­burg, Ir­kutsk oder Omsk al­le ky­ril­li­schen Schil­der und Hin­wei­se le­sen kann.

Straßenschild am Baikalsee - Nähe Irkutsk, Sibirien

Es ist üb­ri­gens nicht rich­tig, wenn man­cher da­von spricht “Ky­ril­li­sch in Deut­sch über­set­zen”. Auch Deut­sche Wör­ter kön­nen Ky­ril­li­sch ge­schrie­ben wer­den, wie auch die la­tei­ni­sche Schrift für ver­schie­den­s­te Spra­chen ver­wen­det wird. Viel­mehr geht es um ei­ne Trans­li­te­ra­ti­on, al­so das Ky­ril­li­sche für uns les­bar zu ma­chen, egal ob Rus­si­sch, Ukrai­ni­sch oder Mon­go­li­sch. Beim vor­ge­stell­ten Al­pha­bet dreht es si­ch um das Rus­si­sche Al­pha­bet. In an­de­ren Spra­chen gibt es no­ch wei­te­re, spe­zi­el­le Son­der­zei­chen. Al­le De­tails zu Be­son­der­hei­ten, die ge­schicht­li­che Ent­wick­lung und so wei­ter fin­dest Du bei Wi­ki­pe­dia. Kann­st Du das Rus­si­sche Al­pha­bet le­sen, sind die zu­sätz­li­chen Son­der­zei­chen an­de­rer Län­der schnell da­zu ge­lernt.

Erst die Basis, dann die Perfektion

Wie lan­ge möch­test Du in Russ­land blei­ben? Ei­ne Wo­che? Zwei Wo­chen? Oder ei­nen Mo­nat? Dann ist die­ser “Ky­ril­li­sch-Schnell­kurs” rich­tig für Dich. Da­bei geht es nicht um Per­fek­ti­on. Auch nicht dar­um, Son­der­re­ge­lun­gen ken­nen zu müs­sen oder die rus­si­schen Buch­sta­ben per­fekt aus­zu­spre­chen. Es geht dar­um, si­ch grund­le­gend mit der Ky­ril­li­schen Schrift ori­en­tie­ren zu kön­nen. Was steht auf dem Schild? Wie heißt die­se Stra­ße? Der Hal­te­stel­len­na­me im Bus oder in der Mos­kau­er Me­tro soll­te eben­falls ge­le­sen wer­den kön­nen. Das ist das Ziel, denn es er­leich­tert das Tou­ris­ten­le­ben in Russ­land un­ge­mein und gibt Si­cher­heit.

Die Eselsbrücken zum Erfolg

Wenn Du nun die ein­zel­nen Buch­sta­ben des Al­pha­bets an­siehst wirst Du er­ken­nen, dass so man­che Zei­chen un­se­ren La­tei­ni­schen Buch­sta­ben sehr ähn­li­ch sind, nur an­ders ver­wen­det wer­den. So man­chen ky­ril­li­schen Buch­sta­ben ha­ben wir auch schon ge­sehn, oh­ne aber ge­n­au zu wis­sen, wie er aus­ge­spro­chen wird.

Mit Esels­brü­cken und as­so­zia­tio­nen kann ei­ne über­schau­ba­re An­zahl an Buch­sta­ben schnell ge­lernt wer­den. Wer kennt sie nicht, die “Esels­brü­cken”, mit de­nen In­hal­te leich­ter ge­lernt wer­den kön­nen, in­dem man si­ch sie in ei­nem Zu­sam­men­hang vor­stellt. Je­der wird für si­ch sei­ne ei­ge­nen Esels­brü­cken bei den ein­zel­nen Buch­sta­ben auf­bau­en kön­nen. Dort, wo ich mei­ne ei­ge­nen Esels­brü­cken aus den An­fän­gen no­ch ken­ne, schrei­be ich sie da­zu.

Das Russische Alphabet

А   а A
Б   б             B (sieht ähn­li­ch aus)
В   В W
Г   г G
Д   д D
Е   е             JE (Je­ka­te­r­in­burg wird oft auch Eka­te­r­in­burg ge­schrie­ben)
Ё   ё             JO (sieht lus­tig aus, dar­um ge­merkt)
Ж   ж          SCH stimm­haft
З   з              S stimm­haft
И   и             I (zwei I durch ei­nen Quer­strich ver­bun­den)
К   к K
Л   л             L (wenn man das Zei­chen auf den Kopf stellt, sieht es aus wie ein L)
М   м M
Н   н             N (ein N mit ei­nem “fal­schen” Quer­strich)
О   о O
П   п P
Р   р              R (R oh­ne R-Strich)
С   с               S (kennt Ihr die Auf­schrift CCCP? Heißt ge­spro­chen SSSR)
Т   т T
У   у U
Ф   ф             F (die waag­rech­ten F-Stri­che als Kreis ver­bun­den)
Х   х CH
Ц   ц Z
Ч   ч             TSCH (sieht aus wie TSCHer­no­byl auf den Kopf ge­stellt)
Ш   ш SCH
Щ   щ          SCHTSCH schnell ge­spro­chen
Ь   ь stumm
Ы   ы Y
Ъ   ъ stumm
Э   э Ä
Ю   ю          JU (JU­ri Ga­ga­rin in ei­ner Kap­sel beim As­tro­nau­ten­trai­ning)
Я   я            JA (oft schon ge­se­hen, wenn es bei uns um Russ­land geht)

Nun ha­ben wir al­le rus­si­schen Buch­sta­ben durch.  Ei­ni­ge Zei­chen se­hen un­se­ren Buch­sta­ben sehr ähn­li­ch und wer­den auch gleich ver­wen­det. Am Bes­ten, Du druck­st die­se Sei­te aus und deck­st die rech­te Sei­te ab, da­mit Du nur mehr die Ky­ril­li­schen Buch­sta­ben siehst. Dann wer­den die Buch­sta­ben aus­wen­dig ge­lernt. Das Rus­si­sche Al­pha­bet fin­dest Du auch in je­dem Rus­si­schwör­ter­buch oder Sprach­füh­rer.

Wie geht es weiter?

Nach Dei­ner An­kunft wirst Du vie­les le­sen kön­nen. Zwar wird es eher der Le­se­ge­schwin­dig­keit ei­nes Volks­schü­lers ent­spre­chen – aber bes­ser et­was lang­sam le­sen zu kön­nen, als über­haupt nicht. Wäh­rend Dei­nes Russ­land-Auf­ent­halts kann­st Du das Le­sen, und viel­leicht auch das Schrei­ben, der ky­ril­li­schen Buch­sta­ben wei­ter trai­nie­ren. Be­stimmt wirst Du vie­le be­kann­te Wör­ter in ky­ril­li­scher Schrift wie­der ent­de­cken.  

Wenn Du Rus­si­sch ler­nen möch­test, soll­test Du Dich mit der Aus­spra­che der ein­zel­nen Buch­sta­ben und Wör­ter ge­nau­er be­schäf­ti­gen und pro­fes­sio­nel­len Rat ein­ho­len.

Kommentare

  1. Durch ein Pro­jekt in So­fia bin ich mit der ky­ril­li­schen Schrift sehr oft in Kon­takt ge­kom­men. Lus­tig ist es, wenn ich bei der Ein­gang­kon­trol­le mei­nen Na­men an­sa­gen muss. Dann wird der Na­me in Ky­ril­li­sch ge­schrie­ben 😀

  2. Andersreisender meint:

    @Erdal: Auch im Vi­sum se­hen Na­men in ky­ril­li­scher Schrift ganz wit­zig aus. Bei der Ein­rei­se nach Weiß­russ­land hat­te ich Sor­ge, da mein Na­me fal­sch ge­schrie­ben war. Als ich die Buch­sta­ben le­sen konn­te stell­te si­ch her­aus, dass das “Lan­ge i” bei mei­nem Fa­mi­li­en­na­men ins ky­ril­li­sche nicht über­setzt wur­de – und dann bei der Trans­li­te­ra­ti­on in die an­de­re Rich­tung na­tür­li­ch auch nicht mehr auf­tauch­te. Hat aber gott­sei­d­ank nix ge­macht *schwitz*.

  3. Hier zwei Prü­fungs­fra­gen für Dei­nen Ky­ril­li­sch-Kurs:
    Wel­che Ar­ti­kel wer­den hier an­ge­bo­ten?
    [Link ge­löscht – Sei­te lei­der nicht mehr vor­han­den]
    Und nun et­was kniff­li­ger:
    Was kann man an die­ser Schu­le in Ir­kutsk er­ler­nen?
    [Link ge­löscht – Sei­te lei­der nicht mehr vor­han­den]
    Vie­le Grü­ße aus Thü­rin­gen

  4. Andersreisender meint:

    @EbsEls: Al­so mit ent­spre­chen­dem In­stinkt soll­te man beim ers­ten Bild um­be­dingt mal in den “Seks-Schop” ge­hen, wenn man’s wort-wört­li­ch über­setzt. Aber die Wind­surf­schu­le hat auch ei­ne sehr wit­zi­ge Schreib­wei­se *gg* Als klei­ne Ge­dächnt­nis­stüt­ze wä­re da dann no­ch ein Bild da­bei. Wit­zig fin­de ich auch Wer­bun­gen in Ky­ril­li­scher Schrift, die man auch bei uns se­hen kann. Da­mit war ich erst­mals in Mos­kau kon­fron­tiert.

  5. hast du gut er­klärt – ich glaub – da hät­te ich es in der Schu­le leich­ter ge­lernt – wenn man mir die Buch­sta­ben so bschrie­ben hät­te.

    lie­be Grü­ße

    Ini

  6. Andersreisender meint:

    @Ini: Dan­ke­schön 🙂 Nun ja, wenn’s ums “pro­fes­sio­nel­le” Ler­nen die­ser Spra­che geht, dann ist Rus­si­sch si­cher­li­ch schwie­ri­ger zu er­ler­nen. Aber für den Ur­laub reicht die Light-Ver­si­on. Schnell und ein­fach ky­ril­li­sch ler­nen, da­mit man im Rei­se­all­tag durch kommt 🙂

  7. Sehr schö­ne Zu­sam­men­fas­sung! Ich mer­ke, wenn man das grie­chi­sche Al­pha­bet be­reits kennt hat man kla­re Vor­tei­le beim deu­ten der ky­ril­li­schen Buch­sta­ben 🙂

  8. Andersreisender meint:

    Ro­bert: So ist es... mit dem grie­chi­schen Al­pha­bet hat man schon ei­ni­ge ky­ril­li­sche Buch­sta­ben “in pet­to”. 😉

  9. Dietrich meint:

    Gut –aber ich brauch no­ch ein biss­chen üben-aber das liegt ja nicht an Ih­nen
    –esels­brü­cken sind gut zu mer­ken?????
    ????nur was ich nicht ver­ste­he ist war­um es mehr Buch­sta­ben gibt als im deut­schen????

  10. Andersreisender meint:

    - Diet­rich: Je­de Spra­che hat ih­re Ei­gen­hei­ten und Zei­chen um be­stimm­te Lau­te dar­zu­stel­len. Dar­um gibt es mehr oder we­ni­ger Buch­sta­ben. Es gibt so­gar no­ch mehr Ky­ril­li­sche Buch­sta­ben, die für an­de­re Spra­chen, wie z.B. Mon­go­li­sch, ver­wen­det wer­den.

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