Morgens kurz vor 7 Uhr in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon)

Im Berufsverkehr wird geschimpft und gehupt. Täglicher Stau auf der Autobahn. Die Rushhour lässt die Fahrt zur Arbeit in vielen Metropolen Mitteleuropas zur Nervenprobe werden.

In Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) in Südvietnam nehmen die Verkehrsteilnehmer den morgendlichen Berufsverkehr wesentlich gelassener. Tausende Mopeds verstopfen hier die Straßen. Oder halten die wendigen Mopeds den Verkehr in Fluss?

Würde hier jeder Fahrer in einem Auto sitzen käme der Verkehr wahrscheinlich völlig zum erliegen. In keinem anderen Land der Welt gibt es pro Kopf so viele Mopeds wie in Vietnam. In Ho-Chi-Minh-Stadt sind allein über zwei Millionen Zweiräder unterwegs.

Kurz vor sieben Uhr gerät der Verkehr ins Stocken. Die Schrankenwärter schließen die Rollbarrieren an den Straßen. Der verspätete Nachtzug aus der alten Kaiserstadt Hué rollt durch die Vororte Saigons. Reisende, die mit dem Zug durch Vietnam fahren, schneiden für kurze Zeit dem endlosen Strom der Moped-Pendler den Weg ab.

Bild: Mopeds in Ho-Chi-Minh-Stadt am Bahnschranken - Vietnam

Mopeds in Ho-Chi-Minh-Stadt am Bahnschranken (Klick für größeres Bild)

Selbst am Horizont ist kein Ende der stehenden Blechlawine in Sicht – Mopeds so weit das Auge reicht (auch wenn man das Bild vergrößert).

Ausweichen oder der Versuch über “Schleichwege” schneller vorwärts zu kommen ist zwecklos, denn auch auf den Nebenstraßen wird jeder freie Straßenzentimeter ausgenützt.

Außerdem hat auch hier hat der Zug Vorrang und braust an den wartenden Mopeds vorbei.

Bild: Mopeds in Vietnam (Saigon)

Der letzte Waggon hat noch nicht die Eisenbahnkreuzung passiert, werden die Absperrgitter wieder zur Seite geschoben. Die nächsten Stunden heißt es wieder “Freie Fahrt” für die Mopeds, die mit lautem Hupen quittiert wird.

Bild: Bahnschranken in Ho-Chi-Minh-Stadt - Vietnam

“Hier komme ich” könnte man das Tröten übersetzen. Moped zu fahren ohne die Hupe zu betätigen wäre in Vietnam undenkbar. Schon gar nicht im morgendlichen Frühverkehr.

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Kommentare

  1. High,

    ist schon krass wie unübersichtlich die Rushhour in Saigon daherkommt. Ein Bekannter von mir hat es auch live miterlebt. Das ist für den außenstehenden Rucksacktouristen ganz schon befremdlich. Man braucht schon etwas Zeit und Mut dort die Straße zu überqueren.

    Mein Bekannter hat mir einige Fotos gezeigt was dort so alles mit dem Moped an Lasten bewegt wird. Das wäre in Europa wohl kaum möglich.

    Ein Bild zeigt einen Mopedfahrer wie er gerade zwei lebende Schweine transportiert, die er geschickt links und rechts an sein Gefährt mit Seilen befestigt hat. Echt beeindruckend.

    Das Bild alleine wäre schon eine Postkarte wert.

    lg.

    loki

  2. Das hätte Potential, mir jeden Morgen zu verderben. Mich verwundert bei solchen Bildern ja auch immer wieder, dass im Verhältnis gar nicht so viele Unfälle passieren.
    Gruß
    Fulano

  3. Zwar nicht sooo brutal, aber dennoch erinnern mich diese Eindrücke hier an Bangkok. Ein Spaß zuzuschauen, drin stecken würde ich nicht wollen! :)

  4. Wahnsinn! Und ich rege mich über die anderen Fahrradfahrer auf meinem Weg zur Arbeit in Frankfurt auf ;-) Hihi!

  5. Andersreisender meint:

    @Loki: Die Vietnamesen sind Profis beim Transport auf dem Moped. Manchmal hatte ich den Eindruck als würden die physikalischen Gesetze dort einfach nicht gelten. Für die Schweine-Transporte war ich leider beim Fotografieren nicht schnell genug, aber dafür habe ich Schränke & Co. am Motorrad in Vietnam vor die Linse bekommen.

    @Fulano: Stimmt – man sieht tatsächlich nicht viele Unfälle. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Vietnam eines der Länder mit den meisten Verkehrstoten weltweit ist.

    @Alex: In Bangkok ist der Verkehr auch heftig – aber da gibt’s viel mehr Autos.

    @Jana: Dann stell’ Dir vor die Fahrradfahrer wären alle Mopedfahrer. ;-)

  6. Zu allererst ja, mit Autos kommt diese Menge an Verkehrsteilnehmer zwangsläufig einfach zum Erledigen! ;-)

    Du erzählst mir jetzt nicht, dass du schon wieder unterwegs bist, Gerry, oder doch?

    Und ja ich habe mir den Horizont angeschaut! ;-)

    Gruß
    Matthias

  7. Als ich damals in Asien war fand ich das schon faszinierend, wie die alle mit ihren Mopeds durch die Gegend heizen. Wirklich Angst scheint da keiner zu haben :D

  8. Da fällt mir die Folge von “Top Gear” ein, wo die drei Autofreaks mit Mopeds über 1000km in Vietnam zurücklegen. Im strömenden Regen, in Seidenanzügen, großartiges Special der Fernsehserie!

    PS: Gerhard: ich habe gestern meine erste Lektion Russisch absolviert … ??????! Fühl dich als virtueller Mentor bei meinem Vorhaben :-)

  9. oh je, kyrillisch wird hier nicht interpretiert, die ????? sollten eigentlich “schön” heißen.

  10. -lach- Gerry und ich rege mich schon morgens in meinem steirischen 8000 EW Städchen auf über den Verkehr *gg*

  11. Andersreisender meint:

    @Matthias: Nein, ich bin leider (noch) nicht unterwegs. Aber ich bin vor ein paar Tagen über die Bilder aus Ho-Chi-Minh-Stadt gestolpert und die haben mich begeistert. Dachte, da muss ich mal drüber schreiben. ;-)

    @Paula: Gratuliere zum Russisch-Start :-) Bei den Kommentaren habe ich das Schriftsystem nie umgestellt. Sorry…dachte, dass es hier ohnedies nie benötigt wird,sollte ich bei Gelegenheit mal machen.

    @Arven: Naja, wenn alle 8000 Einwohner gleichzeitig mit dem Moped weg wollen kann ich mir vorstellen, dass es ähnlich aussieht wie auf den Fotos aus Ho-Chi-Minh-Stadt. *gg*

  12. Wenn man nichts anderes kennt, ist es wohl für die Menschen dort nicht schlimm und eben Alltag. Ich kann es mir dennoch nicht vorstellen dabei gelassen zu bleiben, und das jeden Tag. ;)

  13. Andersreisender meint:

    @Steffen: Stimmt – man gewöhnt sich mit der Zeit. Bin selbst in Ho-Chi-Minh-Stadt nicht gefahren, aber es reicht schon auf einem Moped-Taxi vollbepackt mit riesigem Rucksack und zwei weiteren Taschen drauf zu sitzen und durch die Stadt zu flitzen. *gg*

  14. Ngoc Nguyen meint:

    guten Tag, ich bin Vietnamesin und möchte etwas über Verhehr in Vietnam mit Euch sprechen. Es ist klar, der Verkehr ist kompliziert, chaotisch und laut. Aber es ist Chaos in Hamonie, wenn es so Stau gibt, muss man sehr langsam fahren, man folgt nach den anderen, und es geht. Seid ihr einverstanden, dass die Vietnamesen alles auf ihren Mopeds machen???

  15. Du hast die Impressionen wirklich sehr schön beschrieben – ich war selbst mehrmals in Ho-chi-Minh-City und ich stelle fest, dass es immer schlimmer wird. Noch vor rund 12 Jahren waren die Fahrradfahrer in der Überzahl – ich hab hier noch Bilder. Mittlerweile herrscht dort Auto – vor allem Mofa-Verkehr wie in anderen asiatischen Großstädten auch.
    Zuletzt in Myanmar und Laos …. da ist es wirklich noch sehr erträglich mit dem Verkehr. Allerdings sind dort die Straßen katastrophal.

  16. Andersreisender meint:

    @Ngoc: Willkommen im Blog! Ich freue mich, dass Du uns Deine Sicht mitteilst. Und es stimmt: Wenn man im Strom der Mopedfahrer “mitschwimmt”, dann fühlt es sich gar nicht mehr so wild an wie auf dem Bild.

    @plerzelwupp: Es scheinen so die Stufen zu sein: Fahrrad – Moped – Auto. Ich habe den Eindruck, dass zB. Thailand und China die Moped-Phase schon fast hinter sich haben. Dort sind wesentlich mehr Autos unterwegs als in Vietnam. Allerdings erschwert das zusätzlich den Fußgängern den Weg über die Straße. Ich finde, das klappt in Vietnam zwischen den Mopeds ganz gut. Auch wenn man sich erst einmal ordentlich überwinden muss, um überhaupt einen Fuß auf die Straße zu setzen.

  17. Ich empfinde den Verkehr in HCMC als ‘selbstregulierend’. Wenn ich den Verkehr mit anderen Städten in Asien, wie zB in chinesischen Großstädten vergleiche, so gibt es hier nicht die ‘Recht des Stärkeren’ Mentalität. Chaotisch ist es trotzdem. Das macht es umso spannender!

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