21: Kulturschock Russland - Korea

Es heißt Abschied nehmen aus Wladiwostok und Russland. Mein 21. Reisetag bedeutet auch, sich auf eine andere Kultur einzustellen.

Kurz nach Mittag beginnt der Check-in auf die “Eastern Dreams”. Die Koreanische Fähre bringt mich in den kommenden zwei Tagen von Wladiwostok nach Sakaiminato in Japan. Außerdem legt sie auf ihrem Weg einen  mehrstündigen Zwischenstopp in Donghae in Süd Korea ein.

Erst hole ich um 12:30 Uhr im Büro der Reederei die Bordingpässe ab, dann heißt es bis 14:30 Uhr warten. Zu dieser Zeit sollen Zoll- und Passkontrolle beginnen. Ich bin überrascht, dass diese nur so kurz dauern soll, immerhin ist geplante Abfahrtszeit des Schiffs um 15 Uhr.

Eile mit weile

Natürlich geht alles nicht so schnell, wie gedacht. Um 15:00 Uhr stehe ich immer noch in einer endlosen Schlange vor dem “Costum Service”, also der Zollabfertigung. Und es geht nur sehr zögerlich voran. Die Zollbeamten interessieren sich nur sehr oberflächlich für unser Gepäck, dafür dauert die Abfertigung bei der Passkontrolle umso länger.

Russians first

Vier Schalter sind bei der Passkontrolle verfügbar: Zwei für russische Staatsbürger und zwei für Ausländer. Äußerst unpraktisch ist allerdings, dass bei den Schaltern für Ausländer auch russische Staatsbürger abgefertigt werden – und das bevorzugt. Jedes Mal, kurz bevor “einer von uns” drankommen würde, wird ein russischer Bürger vor die Schlange gestellt. Er ist als nächster dran – wir dürfen weiter warten.

Gottseidank gehen den Grenzbeamten irgendwann die russischen Passagiere aus und wir dürfen auch zur rund fünf Minuten dauernden Passkontrolle vortreten. In gewohnt unsympathischer weise werde ich am Schalter abgefertigt. Glück gehabt, es gibt nichts zu beanstanden.

Die Registrierung in Russland

Es ärgert mich aber etwas, dass die Beamtin meine im Pass beigelegte Registrierungsbestätigung des Hotels nicht einmal im Geringsten interessiert. Sie läßt diese einfach im Pass liegen. Um Unannehmlichkeiten bei der Ausreise vorzubeugen, solle man angeblich zumindest eine Registrierung vorweisen können. Darum habe ich in Jekaterinburg ein “richtiges” Hotel mit Registrierungsservice gebucht.

Die beiden Übernachtungen waren extrem teuer und der Hotelservice unter jeder Kritik. Ganz zu schweigen davon, dass es in diesem nur lieblos renovierten ehemaligen “Kommunistenbunker” nur warmes und kein kaltes Wasser gab und die Ausstattung schon mehr als heruntergekommen war. Und das Abwasser lief in der Dusche überall hin – nur nicht in den Abfluss.

Durch dunkle Gänge

Aber trotzdem bin ich froh, durch die Kontrolle zu sein. Bei anderen Reisenden wurden irgendwelche scheinbar fehlenden Stempel von der Weißrussischen Grenze beanstandet. Mit mehr als 10.000 Kilometern Entfernung wissen  wahrscheinlich die Beamten der eine Seite des Landes nicht mehr so genau, was die am anderen Ende so tun.

Über Treppen und durch neonbeleuchtete Gänge schleppe ich mein Gepäck. Ich frage mich, wie hier Familien mit vielen Gepäckstücken oder ältere Menschen mit schweren Koffern tun. Einen Lift oder eine Rolltreppen gibt es nicht. Das Personal ist auch nicht hilfsbereit.

Auf Wiedersehen Russland

Ich trete hinaus auf den Peer und marschiere zielstrebig auf die Fähre zu. Wieder steht eine Dame mit Uniform vor mir. “Bestimmt wieder eine der vielen Kontrollen”, denke ich, und zücke den Reisepass. Doch die Dame lächelt nur und weist mir den Weg zum Aufgang auf das Schiff. Dort stehen sechs Crewmitglieder “Spalier” und begrüßen mich lauthals: “Hello! Welcome on Boaaard!”

Leicht irritiert verlangsame ich meinen Schritt. Solch überschwängliche Freundlichkeit in der Öffentlichkeit sind nach drei Wochen Russland-Reise einfach zu viel. Beim Betreten des Schiffs wiederholt sich der Kulturschock. Ein Empfangskomitee in oranger Kleidung grüßt, lächelt und weist hilfsbereit den Weg.

16-Uhr-Bier mit Tintenfisch

Während der langen Wartezeit habe ich mich einige Zeit mit Eric aus den USA gut unterhalten. Er lebt seit einigen Jahren in Süd Korea und unterrichtet dort Englisch.

Als wir das Ausreise-Procedere hinter uns haben beschließen wir dies mit einem Bier am Sonnendeck der “Eastern Dream” zu feiern. Eric erklärt mir, dass zum Bier in Korea traditionell getrocknete und dann angebratene Tintenfische gegessen werden. Nun weiß ich Bescheid, wann diese sehr gummiartigen Gebilde gegessen werden. Denn wenige Minuten zuvor, um 16 Uhr, hatte ich den Verkaufsstand bereits interessiert beobachtet.

Tintenfisch grillen

Tintenfisch grillen

Heute auf dem “16-Uhr-Blick-in-die-Welt-Foto” sind daher die Tintenfisch-Snacks zum Bierzu sehen, wie sie gerade zubereitet werden.

Aktueller Stand um 16 Uhr:

Ort: Sonnendeck der DBS-Fähre Eastern Dreams, Wladiwostok, Ferner Osten

Land: Russland

Wetter: leichter Regen, stark bewölkt. Trotzdem warm und schwül, 25 bis 30 Grad.

Zeitverschiebung:

Zur Mitteleuropäischen Sommerzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz beträgt der Zeitunterschied + 9 Stunden. Steht in Wladiwostok die Uhr auf 16 Uhr ist es in Mitteleuropa erst 7 Uhr.

Die kommende Nacht werde ich hier verbringen:

DBS Eastern Dream Fähre von Wladiwostok nach Japan am Weg nach Donghae in Südkorea und anschließend nach Sakaiminato in Japan.

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