84 Kilometer ist sie lang, die “alte Baikalbahn” entlang des Baikalsees. 1904 wurde sie als letztes fehlendes Glied der Transsibirischen Eisenbahn fertiggestellt. Am Baikalsee wurde die Transsibirische Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok vollendet. Wegen des Lückenschlusses wird die Baikalbahn oft “Gürtelschnalle” der Transsib genannt. Außerdem war es wegen der vielen Kunstbauten der teuerste und aufwändigste Bauabschnitt. Darum wird sie, auch wegen der Meisterleistungen der Ingenieurskunst, “Goldenen Gürtelschnalle” genannt.
In den 1960er Jahren wurde der Angara-Staudamm in Irkutsk gebaut. Die Strecke zwischen Irkutsk und Port Baikal der Transsibirischen Eisenbahn wurde vom neuen Stausee überflutet. Eine neue Bahnstrecke musste zwischen Sludjanka und Irkutsk durchs Gebirge gebaut werden. Dort verläuft die heutige Transsibirische Eisenbahn Strecke.
Zwischen Sludjanka und Port Baikal besteht heute noch der 84 Kilometer lange Rest der alten Baikalbahn, die auch Circum-Baikal-Bahn oder Krugobaikalka genannt wird. Ab Port Baikal versinken die Gleise dann allmählich in der Angara. Auf der heute eingleisigen Strecke können die historischen Bauwerke besichtigt werden.
Rundreise von Irkutsk
Von Irkutsk aus ist die Rundreise an einem Tag zu meistern. Erst fährt ein Bus bis Listvijanka am andern Ufer des Baikalsees. Von dort werden die Reisenden mit einer Fähre nach Port Baikal übergesetzt. Dort startet der Touristenzug und fährt entlang der alten Baikalbahn und dann ab Sludjanka auf der Transsib-Strecke zurück nach Irkutsk. Jeden zweiten Tag wird die Tour in entgegengesetzte Richtung gefahren.
Museum in Port Baikal
In Port Baikal gibt es ein kleines Eisenbahn-Museum. Leider bleibt bis zur Abfahrt des Zuges nur wenig Zeit die Exponate zu besichtigen. Dort wird auch genauer erklärt, wie die vielen Tunnels entlang der Circum-Baikal-Bahn gebaut wurden.

Museum in Port Baikal: Tunnelbau auf der Circum-Baikal-Bahn
Der Zug fährt mit gemächlichem Tempo in Port Baikal ab. Entlang der Strecke gibt es einige Bauwerke zu besichtigen. Alte Wassertürme, Brücken und Tunnels sind beeindruckende Zeugnisse der Ingenieurskunst von vor mehr als 100 Jahren, als die Strecke gebaut wurde.
Besonders beeindruckend ist es durch die alten Tunnels zu marschieren. 39 sind heute noch erhalten, der längste Tunnel ist 778 Meter lang. Überall wachsen Moose an den feuchten Wänden aus Stein. Es riecht nach Dampf von den Lokomotiven aus längst vergangener Zeit. Damals war die Bahn noch zweigleisig in Betrieb und stark befahren. Heute fahren hier nur noch ein Linienzug mit unregelmäßigem Fahrplan und der Ausflugszug.

Die "Italienische Mauer" an der Circum-Baikal-Bahn

Tunne an der Circum-Baikal-Bahn


Tunnel an der Circum-Baikal-Bahn - Bild: Widmer
Wir erreichen die Station Polowinnji, zu Deutsch “die Hälfte”. Hier bei Kilometer 110, gemessen nach der alten Distanz von Irkutsk, machen wir eine längere Pause. Bei “Irina” können Reisende ein vollwertiges Menü kaufen. Da meine Gastgeber vollen Proviant mitgebracht haben, entscheiden wir uns für einen kleineren Snack von den Babuschkas, die bereits am Bahnsteig warten.
Peroggi, gefüllt mit Frühlingszwiebeln, Kartoffel und Schinken lassen wir uns am Ufer des Baikalsees schmecken. Die landestypischen Speisen schmecken gemeinsam mit Freunden gleich doppelt gut.

Beim Mittagessen auf "der Hälfte" - Bild: Widmer
Wie überall rund um den Baikalsee gibt es auch hier frischen oder geräucherten Omul zu kaufen. Dieser Fisch ist endemisch, lebt also nur in diesem See.

Omul aus dem Baikalsee
Dann geht es mit der Circum-Baikal-Bahn weiter Richtung Sludjanka. Die Bahnfahrt führt ständig entlang des steilen Westufers des Baikalsees.

Circum-Baikal-Bahn entlang des Baikalsees

Eisenbahn am Baikalsee
Auf der Strecke von Port Baikal nach Sludjanka kann man übrigens auch wunderbar wandern. Immer wieder sehen wir Wanderer mit Zelt entlang des Bahndamms. Die Züge sind auf der gesamten Strecke mit weniger als 30 km/h unterwegs. Wenn man sein Zelt nicht gerade mitten auf den Gleisen aufschlägt, sind Wandern und Trekking entlang der Circum-Baikal-Bahn ein ungefährliches und naturverbundenes Erlebnis.
Trotzdem sollte man beim Überqueren der Gleise immer vorsichtig sein und schauen…

…ob nicht doch ein Zug kommt …

…dann schnell drüber, man weiß ja nie!

Sludjanka
In Sludjanka – genauer genommen eine Station davor in Kultuk – trifft die alte Baikalbahn auf die “neue” Bestandsstrecke der Transsibirischen Eisenbahn aus Irkutsk.
Der Bahnhof Sludjanka ist komplett aus Marmor erbaut, der in der Nähe der 20.000 Einwohner zählenden Stadt abgebaut wird.

Bahnhof Sludjanka - Transsibirische Eisenbahn
Hier sieht man auch die teils endlos anmutenden Güterzüge, die auf der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs sind. Mehr als 70 Waggons pro Zug sind keine Seltenheit.

Endlos lang: Güterzüge in Sludjanka
Von Sludjanka geht es zurück nach Irkutsk. Eine Bahnfahrt, die sich auf jeden Fall bei einem Besuch in Irkutsk oder am Baikalsee lohnt. Auch wenn die Transsibirische Eisenbahn heute über eine andere Trasse führt, ist die Circum-Baikal-Bahn einer der besonderen Abschnitte dieser berühmten Eisenbahnstrecke durch Russland.
Mit dem Ausflugszug, der an interessanten Stellen zum Aussteigen und Fotografieren hält, ist die Rundfahrt in einem Tag möglich. Mit dem nicht täglichen, fahrplanmäßigen Regionalzug, der an allen Stationen zwischen Sludjanka und Port Baikal auf der Circum-Baikal-Bahn hält, muß mindestens eine Übernachtung eingeplant werden.
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Na Mensch, Dein Abenteuer hält nach wie vor an. Bin schon a bisserl neidisch. Ein Hoch auf das Internet und die Möglichkeit der zeitnahen Berichte. So ist es den “Daheimgebliebenen” auch möglich, für einen kurzen Moment mitzureisen.
Hoffe, Du hast noch viele spannende Tage vor Dir.
Viele Grüße
Sven
Hallo Gerry, du bist ein sehr guter Beobachter und verstehst es, die Neugier auf deine folgenden Berichte wach zu halten. Liebe Grüße Helga
@Sven: Ja, das Internet funktioniert in Russland besser als ich dachte. So kann man auch von der alten Circum-Baikal-Bahn schöne Reiseberichte schreiben.
Die spannenden Tage gehen hoffentlich weiter!
@Helga: Dankeschön – ich freue mich, wenn Du weiterhin mit dabei bist.