Es heißt Abschied nehmen von der Insel Olchon. Noch ist aber nicht ganz klar, wie ich von der Insel abreisen werde. Ursprünglich habe ich geplant, mit dem Schiff, der “Kometa” von der Insel Olchon zurück nach Irkutsk zu fahren. Das Schiff legt jeden Mittwoch in der Nähe der Fähre, etwa 20 Kilometer von Chuschir entfernt, an. Der Transport dort hin gestaltet sich allerdings schwierig. Einen regelmäßigen Bus oder eine Marschrutka scheint es dort hin nicht zu geben. Mir wird ein Taxi um 1.500 Rubel (rund 40 Euro) angeboten. Das ist viel zu teuer! Im Vergleich: Die Fahrt mit dem Linien-Taxi, also der Marschrutka, kostet die rund siebenstündige Fahrt bis nach Irkutsk 500 Rubel.
Bus um 12:20 Uhr
Dann wurde mir versichert, dass ein roter Bus um 12:20 Uhr in Chuschir zur Anlegestelle der Kometa startet. Darum mein Plan für heute: Wenn der Bus tatsächlich kommt werde ich mit ihm zur Kometa-Anlegestelle fahren und von dort weiter mit dem Schiff nach Irkutsk reisen. Plan B ist um 13:00 Uhr eine der regelmäßigen Marschrutkas bis Irkutsk zu nehmen.
Andere Farbe, anderer Weg
Kurz nach 12 Uhr taucht tatsächlich an der angegebenen Stelle ein Bus auf. Allerdings ist er grün-weiß und fährt nur direkt zur Anlegestelle der Fähre aufs Festland. Dort müssen sich die Passagiere selbst eine Weiterfahrtmöglichkeit nach Irkutsk suchen. Interessant, dass die Fahrt bis zur Fähre nur um 50 Rubel weniger kostet als die bedeutend längere Fahrt bis Irkutsk.
Somit sind meine Pläne, mit der “Kometa” über den Baikalsee und den Fluß Angara bis nach Irkutsk zu fahren, gestorben. Ich bin zwar sehr geduldig aber irgendwann wird’s mir zu umständlich. Ich frage mich nur, wie andere Passagiere zur Anlegestelle gelangen? Ich winke der Kometa zu, als ich sie zufällig von der Fähre aus zum Anleger in der Bucht gleiten sehe.

Kometa am Weg zur Anlegestelle auf der Insel Olchon
Der Weg von Irkutsk zur Insel Olchon – und auch zurück – ist mit dem Bus oder einem anderen Fahrzeug beschwerlich, da viele Kilometer sehr schlechte Schotterstraße überwunden werden müssen. Etwa auf halben Weg machen die Marschrutki eine Pause.
Posy jausnen um 16 Uhr
Mittlerweile habe ich mich auf die Russische Küche schon eingeschworen und freue mich, täglich neue Gerichte kennen zu lernen. Auf Reisen muss man sich ja “durch die Kulturen fressen” und immer wieder etwas Neues kennen lernen. Oft weiß man dann leider nicht, wie die Speisen heißen, die man auf fremden Tellern sieht. Diesmal hat mir unser Marschrutka-Fahrer freundlicherweise zu meiner original burjatischen Jause verholfen. Um Punkt 16 Uhr liegt noch eines der beiden Posy auf dem Teller, das ist mein heutiger “16-Uhr-Blick-in-die-Welt”.

Posy aus Burjatien (Sibirien)
Bei den Posy – sie werden in burjatischer Sprache etwas anders ausgesprochen bzw. geschrieben als in Russisch – handelt es sich um Teigtaschen mit Fleischfüllung. Man darf sie mit den Fingern essen. Oben befindet sich ein Loch, aus dem man erst die etwas fette Flüssigkeit trinkt. Vorsicht – sehr heiß! Dann werden die Teighülle und die Füllung gegessen. Posy werden nicht im Wasser gekocht sondern über Dampf gegart.
Aktueller Stand um 16 Uhr:
Ort: Am Weg zwischen Olchon und Irkutsk, in der Nähe von Jelanzy.
Land: Russland
Wetter: leicht bewölkt, Frühlingstemperatur. Am Abend Regenschauer.
Zeitverschiebung:
Zur Mitteleuropäischen Sommerzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz beträgt der Zeitunterschied + 7 Stunde. Steht in Jelanzy die Uhr auf 16 Uhr ist es in Mitteleuropa erst 9 Uhr.
Wiedersehen in Irkutsk
Am frühen Abend erreiche ich Irkutsk. Mit dem Trolleybus fahre ich zur Wohnung von Theodor und Feodor. Im Jänner 2009, auf meiner ersten Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, durfte ich bei ihnen in Irkutsk übernachten.
Es hat heftig zu regnen begonnen und innerhalb kürzester Zeit verwandeln sich die Straßen und Gehwege in kleine Seen und Schlammlöcher. Patschnass komme ich bei den beiden an und werde gleich bestens versorgt. Ich nehme eine herrliche Dusche und freue mich, dass wieder heißes UND kaltes Wasser funktionieren. In Jekaterinburg war im Hotel nur heißes Wasser verfügbar, auf Olchon wurde kalt geduscht. Und dazwischen im Zug gab es nur “Katzenwäsche”, um die fehlenden Tage zu komplettieren
Dann kann der gemütliche, gemeinsame Abend mit selbstgemachten Borschtsch (man spricht diesen Eintopf übrigens nur mit einem scharfen “sch” hinten aus – das schtsch ergibt sich auf Grund der Transkription) und einem Schlückchen Wodka beginnen. Ich freue mich, dass wir uns endlich wieder sehen. Es gibt viel zu erzählen.
Die kommende Nacht werde ich hier verbringen:
Bei Freunden Feodor und Theodor in Irkutsk.
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Hallo Gerry, vielen Dank für die tollen Fotos und Berichte. Ich frage mich die ganze Zeit, wie du solch eine lange Reise finanzierst. Die Reiseberichte hier sind ja für jeden kostenlos abrufbar. Wirst du hinterher ein Buch schreiben? Ich wünsche dir noch viele interessante Erlebnisee. Liebe Grüße Helga
@Helga: Tja wie finanziert man so eine Reise… einiges an Geld habe ich gespart, die Wohnung ist während meiner Abwesenheit vermietet und das Auto verkauft. Außerdem wird eher in einfachen Unterkünften gewohnt – 4-Stern-Hotels sind nicht drin. Aber das sind auch nicht die Orte, wo man andere Menschen trifft – sie sind einfach zu steril und unpersönlich. In den kleinen Unterkünften sieht das schon ganz anders aus.
Ein Buch werde ich wahrscheinlch nich schreiben – aber ich freue mich sehr, wenn man im “Kleinen Reiseladen” in der rechten Leiste einkauft. Ein Buch bestelltes Buch über den Link bei Amazon oder ein gebuchtes Hotelzimmer – ebenfalls über den Link gebucht – bringen eine kleine Provision.