7: Grantige Beamte & Tauben füttern in Perwouralsk

Der Name der Stadt Jekaterinburg (ehemals Swerdlovsk) hört sich nicht nur nett an – nein, er ist auch Programm.  Es gibt eine schöne Altstadt mit einem großen Stadtteich. Heute steht Hardcore-Sightseeing-Tour am Programm: Erst wird erkundet, welche Sehenswürdigkeiten Jekaterinburg zu bieten hat. Merkwürdigerweise sind mir in dieser netten Stadt noch keine klar erkennbaren Touristen über den Weg gelaufen. Ob die mit den Transsib-Zügen alle vorbeifahren? Ich bin überrascht, wie viele Reisende von Moskau nach Peking in einem Zug durchfahren – ohne Stopp. Wirklich schade, es gibt in Russland einiges zu sehen.

Um 12 Uhr geht es dann mit mit dem Zug zum Obelisk Europa – Asien, der direkt an der Grenze zwischen den beiden Kontinenten steht. Offiziell bin ich bereits in Asien, aber ein kleiner Abstecher zurück nach Europa kann bestimmt nicht schaden.

Am Weg nach Wershina

Wie man das bereits kennt, vergeht einiges an nervtötender Organisationsarbeit, um endlich zu wissen, wann die Elektritschka fährt und wo man ein Ticket dafür bekommt. Das Internet bietet zwar gute erste Anhaltspunkte, aber wenn es um solche Details geht, ist es im Osten (noch) kaum Hilfreich.

Aber auch vor Ort gestaltet sich die Organisiation schwierig: Lange steht man geduldig in der Schlange vor dem Schalter, bis man dann eine – mehr oder weniger – grantige Bahnbedienstete vor sich hat. Der hübsch vorgeschriebene Zettel mit der Bitte um den Fahrschein nach Wershina wird mit einer lauten aber unverständlichen Antwort zurückgeschleudert.

Der Hinweis, dass ich sie nicht verstehe lässt die Dame kalt, der Blick bleibt eingefroren. Auf meine Frage “Elektritschka” erhalte ich gnädiger weise doch ein Handzeichen gegen Osten. Irgendwo muss es also noch einen anderen Schalter geben.

Das werte ich mal als besonderen Service, es hätte auch passieren können, dass sie mich einfach ohne Hinweis wegscheucht. Service und Freundlichkeit werden in Russland leider oft noch sehr, sehr klein geschrieben.  Nicht nur am Bahnhof in Swerdlovsk, sondern auch an vielen anderen Stellen. Aber das wird sich schon noch ändern ;-)

Zusehen beim Tauben füttern

Um 16 Uhr warte ich gerade in Pervouralsk auf den Zug zurück nach Jekaterinburg. Ich sitze in einem kleinen Park vor dem Bahnhof und habe gerade von meinem  Buch aufgeschaut, um ein kleines Mädchen beim Füttern der Tauben zu beobachten. Zum Fototermin sind fast alle Körner aufgepickt und die meisten Tauben wieder weg geflogen. Auch das Mädchen hat das Interesse an den Tauben bereits wieder verloren.

Tauben in Pervouralsk am Bahnhof

Tauben in Pervouralsk am Bahnhof

Aktueller Stand um 16 Uhr:

Ort: Pervouralsk (Europa) – Bahnhof

Land: Russland

Wetter: leicht bewölkt, maximal 25 Grad.

Zeitverschiebung:

Zur Mitteleuropäischen Sommerzeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz beträgt der Zeitunterschied in Pervouralsk + 4 Stunden. Steht in Pervouralsk die Uhr auf 16 Uhr ist es in Mitteleuropa erst 12 Uhr.

Die nächsten Tage Funkstille

In den nächsten Tagen wird es wahrscheinlich keine aktuellen Berichte geben. Morgen geht es mit dem Zug weiter nach Novosibirsk, wo nur ein Tages-Stopp geplant ist. Dann folgen zwei weitere Nächte im Zug bis Irkutsk. Von dort werde ich mit dem Bus zur Insel Olchon fahren, wo ich drei Tage verbringen werde. Vermutlich gibt es dort weder Internet noch Telefon.

Nach der Rückkehr in die “Zivilisation” geht es weiterhin Schlag auf Schlag: Erst Treffen mit den beiden Feodors in Irkutsk mit ebenfalls dicht gedrängtem Programm, dann weiter mit dem Zug nach Wladiwostok. Die nächsten Berichte werde ich daher vermutlich erst zu Monatsende aus Wladiwostok veröffentlichen können.

Die kommende Nacht werde ich hier verbringen:

Im Sverdlovsk Kongress Hotel* in Jekaterinburg.

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8 Kommentare zu 7: Grantige Beamte & Tauben füttern in Perwouralsk

  • So, jetzt erst einmal Funkstille hier.
    Bin gespannt wie es weitergeht. Vermutlich bis Montag, dann schau ich hier mal wieder rein. Alles Gute, sichere Fahrt und hoffentlich auch ab und an KEINE grantigen Beamten.

  • Sonne AUSTRIA

    Ahhh. Ich verfolge deine Reise mit Spannung. Sehr cool bisher. ;o) Alles Gute und Liebe weiterhin!

  • Ich guck immer vorbei, wenn der Feedreader aufblitzt. Macht Spaß, Dich virtuell zu begleiten.
    ?? ????????!

  • einfach klasse deine Berichte! Da kann man ja immer wieder was lernen! Die Idee mit dem 16:00 Foto finde ich genial. Mal sehen, ob ich das auch schaffe. Den Obelisken habe ich auch auf dem Radar und nun warte ich ungeduldig auf deine Beschreibung wie das genau geht.

    Grüße
    Michael

  • Schwesterherz unbekanntes Land

    Na dann werde ich nächste Woche wieder reinschauen! Freu mich schon drauf!

    Gutenachtbussi von den Kids! Schmatz

  • Andersreisender RUSSIAN FEDERATION

    @Alex: Es gab nun doch früher Beiträge – auch über nette Beamte, wenn Schaffner dazu zählen ;-)

    @Sonne: Hey, dankeschön! Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg :-)

    @tonari: Freut mich sehr, wenn Dir die Beiträge gefallen, dankeschön! :-)

    @Michael: Der Beitrag zum Obelisk an der Kontinentalgrenze ist online. Beim 16-Uhr-Foto bin ich am überlegen, ob ich das System etwas modifizieren soll. Ist mir irgendwie doch ein bisserl zu starr, ich bin noch unschlüssig. Mal sehen – die Entscheidung fällt in Japan.

    @Schesterherz: Freue mich, wenn Du wieder mal rein schaust :-)

  • Hallo Gerry, tolle Berichte lieferst du. Du überlegst, warum viele Touristen mit der Transsib einfach durchfahren. Ich denke, die meisten Leute machen nicht solch eine lange Reise wie du. Deshalb ist es um so schöner, dass du uns an deinen Erlebnissen teilhaben lässt. Weiterhin alles Gute und liebe Grüße Helga

  • Andersreisender JAPAN

    @Helga: Die Transsibirische Eisenbahn ist auch in kürzerer Zeit machbar – also sagen wir mal in drei Wochen. Inklusive spannender Zwischenstopps. Schade, wenn man die einfach links liegen lässt. Eine Reise speziell nach Irkutsk oder Nowosibirsk wird man kaum unternehmen. Ich freue mich, dass Du regelmäßig mit mir “virtuell” mitreist und dass Dir meine Reiseberichte aus Russland und den anderen Ländern gut gefallen. Leider dauert meine Antwort auf die Kommentare aus Zeit- und EDV-Mangel oft ein bisschen.