Regelmäßig hört man Erzählungen von Rucksack-Reisenden und Gläubigen, die hunderte Kilometer quer durch Spanien am Jakobsweg pilgerten. Dann entdeckt man zufällig beim Spazierengehen in heimischen Wäldern ein Schild mit dem Symbol des Jakobswegs, der Jakobsmuschel. Nun herrscht Erklärungsbedarf! Wird uns mit den Erzählungen über lange, beschwerliche Wanderungen durch die Pyrenäen nur ein Bär aufgebunden und man könnte dieses Erlebnis auch in unseren Wäldern haben? Einmal genauer hinzuschauen lohnt sich:
Wo verläuft der Jakobsweg genau?
Schnell wird klar, dass es viele Jakobswege quer durch Europa gibt. Wenn Reisende vom Jakobsweg sprechen, dann meinen sie meist den Camino Francés, der auf einer Strecke von rund 800 Kilometern quer durch Nordspanien von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela führt. In Spanien wird der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela auch Camino de Santiago bezeichnet. Diese hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse verbindet dabei die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander.
Der Jakobsweg – Nur ein religiöser Weg?
Klemens, alias Egi, plant seit einigen Wochen seine Pilgerwanderung am Jakobsweg. In seinem Blog “Mein Jakobsweg” berichtet er über die Vorbereitung und Durchführung dieser etwas anderen Reise. Was ist die Motivation, diese besondere Wanderung einmal zu machen?
Der Jakobsweg ist für mich schon lange Zeit ein Phänomen, welches ich jetzt endlich einmal selbst bestreiten möchte. Weniger der spirituelle Hintergrund als vielmehr die Neugier nach Abenteuer und die Überwindung des eigenen Schweinehundes sind es, die mich motivieren. Ob dies verwerflich ist, sei dahingestellt.
Vorbereitung auf die Pilgerwanderung
An der genauen Route feilt der 27jährige Österreicher gerade. Die richtige Einteilung der Etappen fällt aber nicht immer leicht. ”Wann wandere ich wie weit und wo wärs wohl weise eine Weile auszurasten?” überlegt Egi in seinem Blog. Bei Recherchen ist er dann auf ein paar interessante Tools, wie zB. den “Camino Francés Reisekalkulator” gestoßen. Damit lassen sich die einzelnen Etappen einfach berechnen.

Egi beim Wandern
Aber auch die Ausstattung, allen voran die richtige Kleidung, Schuhe und Rucksack sind vorab mit Bedacht auszuwählen. Auch hier hat sich Egi ausführlich beschäftigt und kann einiges darüber erzählen. Für Blogger ist außerdem wichtig, wie man auf Reisen Kontakt zu seinen Lesern halten und von unterwegs berichten kann.
Das Heilige Jahr 2010
Der Jakobustag zu Ehren des Heiligen Jakob, der Namensgeber für den Jakobsweg ist, wird am 25. Juli gefeiert. Fällt dieser Tag auf einen Sonntag, so ruft die Katholische Kirche das Heilige Jahr aus. 2010 ist es wieder so weit. Dadurch ist mit einem starken Pilgerstrom, vor alle auf den letzten Etappen vor Santjago de Compostela zu rechnen.
“Da ich davon ausgehe, genug Anstrengung aufwenden zu müssen, um mich auf der Strecke zu halten werde ich kaum die Nerven und die nötige Geduld aufbringen können, unehrwürdige Kämpfe um freie Herbergsplätze auszutragen” erzählt Egi scherzhaft. Auch ein Zelt und damit 1 bis 2 Kilo Mehrgewicht kommen für ihn nicht in Frage: ”Nein, ich gehe meinen Weg aus innerer Motivation und nicht um mein Gewissen zu erleichtern. Nehme ich eben wieder ein paar Sünden mit nach Hause – Platz hätt ich ja, erspare ich mir doch so das Zelt.”
Wann ist die beste Zeit für den Jakobsweg?
Die Beste Jahreszeit für eine Pilgerwanderung am Jakobsweg sind der Frühling (Mai/Juni) und der Herbst (September/Oktober), wobei von Egi nach Studium der Pollenkarten der Herbst bevorzugt wird.
Nun bleibt nur noch die Frage: Ab wann dürfen wir uns über spannende Reiseberichte direkt vom Jakobsweg freuen?
Egi: “Ich gehe 2009 oder 2011! Nein – 2009!”
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Ich finde das toll…
Da wäre ich auch dabei aber nicht aus relgiösen Gründen sondern einfach aus dem Bedürfniss heraus der inneren Einstellung und des Interesses. Eine tolle Sache, keine Frage!
Also ich könnte mir vorstellen, dass mir so eine Wanderung auch gefallen könnte. Wir waren von der Arbeit aus am 1. Mai etwas mehr als 20 km am Via Nova in der Nähe von Passau unterwegs – war auch eine sehr schöne Erfahrung. Aber für den Jakobsweg braucht es wahrscheinlich etwas mehr Training
Das mit dem Training ist so eine Sache…Da würde es bei mir im Moment auch scheitern
Aber sonst, ja könnte ich mir sehr gut vorstellen.
Via Nova, klingt auch schön. Es gibt schon tolle Ecken auf dieser Welt. Ich würde auch gerne mehr reisen *seufz*
Via Nova ist auch nicht so weit weg – der führt durch Deutschland und Österreich. Gibt bei uns ja auch viel zu entdecken
Oh ja das stimmt…als ich 14 war habe ich damals mit meiner Tante 6 Wochen lang eine Rundreise durch ganz Österreich gemacht. Also alle Bundesländer durch. Überall wo es mir gefiel blieben wir stehen. Es war einfach nur klasse…
So, endlich komm ich dazu Stellung zu diesem Artikel zu nehmen. Also wirklich – ich bin zu Tränen gerührt – herzlichen Dank Gerry für diesen tollen Artikel! So etwas gibt gleich doppelten Ansporn die eigene Seite intensiv weiterzuführen und das Projekt wie geplant abzuwickeln, wenngleich mich zwischenzeitlich eine Hiobsbotschaft ereilt hat und mich womöglich zu einer drastischen Planänderung zwingt. Aber wir werden sehen…
Noch einmal, ich fühl mich wirklich geehrt, dass das Thema auf Interesse stößt und freu mich über jede Menge Tipps und Input – cheers Egi
@Arven: Hui – 6 Wochen Österreich-Rundfahrt: Das ist aber schon sehr lange. Wenn ich denke, dass ich für Russland, Mongolei und China nicht mal 4 Wochen hatte… *fg*
@Egi: Ich freue mich sehr, dass Du Dich über die Vorstellung bei andersreisen.net so freust
Aber ich finde es einfach schön, Reisepläne anderer zu lesen und darum auch anderen vorzustellen. Vor allem bietet Dein Reisetagebuch ja schon jetzt für jeden, der sich auch mit dem Thema auseinandersetzt, einen guten Mehrwert – und der ist sogar noch unterhaltsam
Also – ich hoffe, dass die Hiobsbotschaften nicht zu extrem sind und Du Deine Wanderung “durchziehen” kannst. Wir bleiben am Ball
Lieber Gerry, meine Mutter hat sich letztes Jahr mit zwei Mitstreiterinnen auf den bayerischen Jakobsweg von München zum Bodensee gemacht und war sehr begeistert. Muss ja nicht in Spanien auf der Megaroute sein…
Der Jakobsweg zieht sich wie ein Netz über Europa und führt bis nach Russland. Allerdings erfährt man hauptsächlich etwas über den Camino Francés, die anderen Wege sind nicht so bekannt. Weiß auch nicht genau, ob die Routen eigentlich alle Namen haben?
“Bodensee” ist mein Stichwort. Es muss ja nicht unbedingt der Jakobsweg (oder einer der vielen Wege) sein. Ich habe letztes Jahr eine siebentägige Tour rund um den Bodensee gemacht. Saugeile Landschaften, die meiste Zeit direkt am Wasser, wunde Füße und wunde Hüfte (vom Hüftgurt). Wir übernachteten zwar in Hotels, um das Gepäck zu minimieren, aber trotzdem hatten wir jeweils rund 10 kg auf dem Rücken. Das merkt man nach einigen Kilometern und gewöhnt sich erst nach 1-2 Tagen daran.
Wir sind am Tag zwischen 20 und 30 km gelaufen und haben in dieser Woche rund 180 km zurückgelegt. Ich weiß nicht mehr, wessen Idee das war, aber dummerweise sind wir Ende Juli gewandert. Bei höllischer Hitze. Das war echt eine Qual. Aber ich möchte die Eindrücke der Tour nicht missen.
@Dirk: Willkommen im Andersreisen-Blog
Oft schätzen wir die tolle Landschaft und die Natur überhaupt nicht, die wir direkt vor unserer Haustüre haben. Ich kann mir gut vorstellen, das Wanderungen im Hochsommer schnell zur Qual werden, auch wenn es im Gebirge etwas kühler ist…