Es gibt Reiseziele, die man wahrscheinlich bald nicht mehr so vorfinden wird, wie wir sie jetzt noch kennen. Eines dieser Ziele ist der Aralsee, der zur Hälfte zu Kasachstan und Usbekistan gehört. Der zentralasiatische Aralsee stirbt weiter einen Tod auf Raten. Allein seit 2006 hat der flächenmäßig größte östliche Teil des Sees über 80 Prozent seines Wassers verloren. Das zeigen aktuelle Satellitenbilder der NASA-Erdbeobachtung.

2006 und 2009: Der große Ostteil des Aralsees wurde zur Wüste (Foto: pte/NASA)
Einst war der Aralsee der viertgrößte Süßwassersee der Erde. Aufgrund der Ableitung der Zuflüsse für die Landwirtschaft ist der Wasserspiegel schon seit den 1960er Jahren ständig gesunken. Dadurch wurde der See schrittweise zersplittet und er droht allmählich zu verschwinden. Man rechnet heute damit, dass der See 2020 mit Ausnahme des Nordteils völlig ausgetrocknet sein wird. Dadurch verschärfen sich ökologische, jedoch auch wirtschaftliche und gesundheitliche Probleme der Anrainerstaaten Kasachstan und Usbekistan weiter.
Zerstörung auf Raten
Als sich der See in den vergangenen Jahrzehnten von den Küstenstädten verabschiedete und die Fischerei unmöglich machte, wechselten viele Fischer auf Baumwollanbau. Das dafür benötigte Wasser, das den Zuflüssen entnommen wurde, beschleunigte den Rückgang des Sees jedoch zusätzlich. “Eine Umstellung von Baumwolle auf andere Produkte mit weniger Wasserverbrauch wie etwa Reis, Weizen oder Gemüse wäre ökologisch sinnvoll. Es stellt sich jedoch die Frage, wo diese verkauft werden, da etwa bei Reis die Konkurrenz anderer Weltmächte, die billiger produzieren können, zu groß ist”, so Michael Matthies von der Universität Osnabrück. Die Alternativen seien in Usbekistan besonders rar, da das Land über wenige Rohstoffe verfüge.
Situation hat sich nach der Wende weiter verschäft
“Die Wiederherstellung des Aralsees auf seine Ursprungsgröße ist aussichtslos”, betont der Umweltsystemexperte Michael Matthies. Das Einzugsgebiet der wichtigsten Zuflüsse des Sees, des Amurdarja und Syrdarja, würden seit der Antike eigentlich als besonders wasserreiche Region gelten. Die nachhaltige Bewirtschaftung, die zur Rettung der verbleibenden Seeteile notwendig wäre, sei jedoch nach dem UdSSR-Zerfall noch schwieriger geworden. “Jeder der Nachfolgestaaten achtet auf seine eigene Bedürfnisse. Im Oberlauf der Flüsse braucht man Dämme zur Stromerzeugung, während im Unterlauf saisonale Überschwemmungen für den Feldbau notwendig sind.”

Aralsee wird zur Wüste
Die andauernde Umwandlung des Sees zur so genannten “Aral Karakum”-Wüste zeigt sich immer deutlicher als ökologische Katastrophe großen Ausmaßes. Mangels Verdunstung gibt es keine Regenfälle mehr, Sandstürme bringen den zurückbleibenden Salzstaub auch in andere Gebiete und sorgen dort für Wüstenbildung. Betroffen ist davon vor allem die Bevölkerung der Region. Laut UNO haben sich Fälle chronischer Bronchitis seit 1994 verdreißigfacht, zudem sank die Lebenserwartung von 64 auf 51 Jahre und jedes zehnte Neugeborene erlebt den fünften Geburtstag nicht.
Nordteil des Sees soll gerettet werden
Den derzeit einzigen Lichtblick bildet der kleine Nordteil des Sees, der seit den 1980er Jahren vom Südteil getrennt ist. Kasachstan hat es mit Hilfe der Weltbank geschafft, hier durch eine Staumauer den Wasserstand zu stabilisieren. Weiters gelang es durch die Erneuerung der bereits maroden Bewässerungskanäle entlang des Flusses Syrdarja, den Wasserverlust zu verringern und sogar einen Anstieg des Seespiegels zu erreichen, sodass bereits die Erhöhung der Dämme fällig ist. Nachteilig wirken sich die Dämme auf den Großen Aralsee aus, der durch das fehlende Wasser weiter austrocknet.
Basis-Info: pte
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Boah das hört sich schlimm an…
Da ich auch im medizinischen Bereich tätig bin und das vorrangig mit Schwangeren und Säuglingen schockiert mich diese Sterblichkeitsstatistik um so mehr.
Schlimm wirklich…man wünscht sich man könnte mehr tun.
Hmmm…das ist eine gute Frage: Was kann man als “einzelner” wirklich dagegen tun? Vermutlich spielt da unser gesamtes Konsumverhalten eine Rolle. Der Baumwoll-Anbau ist ja eines der Probleme rund um den Aralsee. Für (billige) Kleidung werden Unmengen an Baumwolle benötigt – und das verursacht auch in anderen Ländern immer größere Probleme. Bewußter Konsum jedes einzelnen kann da vielleicht helfen.
Es wäre schön wenn manche ein bisschen umdenken würden…
Nur die Übersetzung ist wirklich schwer.
Wie auch immer schlimm ist es allemal und sehr traurig…
Da gebe ich Dir Recht. Ich versuche auch, zunehmend bewußter zu leben. Aber immer klappts leider nicht. Oft macht man auch “Fehler”, ohne es eigentlich zu wissen. Das ist zB. auch beim Thema Kleidung so. Man macht sich einfach zu wenig oder keine Gedanken, wo die Stoffe herkommen und wer sie zusammennäht. Nur mit Fair-Trade-Produkten wäre man da sicher, dass Menschenrechte geachtet und die Umwelt geschont werden. Aber man will halt auch nicht nur “Fair Trade” einkaufen…
Geht mir genau so…Manchmal geht man wirklich voll bewusst einkaufen und manchmal denkt man gar nicht an diese Dinge. Ich war eigentlich schon immer ein bisschen “grün” angehaucht. Dennoch denkt man sehr oft nicht bei vielen Dingen was gut ist was nicht.
Übrigens in meinem Blog letzter Artikel liegt etwas für dich